Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488045
Nachträgliches 
über 
den 
zu Halberstadt. 
Dom 
489 
künstlerischen Dnrchbildung fehlt es uns in der neugriechischen Kunst um 
die Zeit des Jahrs 1000 an allen Beispielen (einzelne Naßhälhmungen antiker 
Figuren in nengriechischen Manuscripten der Zeit beweisen nichts, da sie 
überall, wo eigne Erfindung hlnzutritt, der crassesten Rohheit gegnnbei- 
stehen); auch das durchgeführte Latein der lnsehriften wurde bei einem 
Griechen befremdlich Sein, Aber die deutsche Kunst Jener Zeit ist in der 
That ebenso im tiefsten Verfall, und gerade mit der Zeit Heinrichs ]I_ 
macht sich eine unerträgliche Verkrüppelung in der Bildung der Gestalten 
bemtääääghten wir dagegen den Styl der Arbeit, wie wir ihn vorhin mit 
flüchtigen Zügen geschildert haben: die Bildung und Gewandung der 
Gestalten, die architektonischen Eigenthümlichkelten, das Ornament mit 
voihrtheiisihsem Biieke, so linden wir ihn durchaus Jener bedeutenden 
Reihe vei-Zügiieher, in Deutschland vorhandener Kunstwerke verwandt, 
welche dem Ende des zwölften oder dem AnfangQ des dfelzehnten Jahr- 
hunderts angehören, und auf welche sich neuerhchst eine so lebendige 
Aufmerksamkeit der Kunstforscher gerichtet hat Außh der Charakter der 
Schrift stimmt viel mehr für das Ende des zwölften als den Anfang des 
elften Jahrhunderts. Wir müssen uns deshalb für genügt erklären, das 
Werk der eben angedeuteten Periode zuzuschreiben. Freilich scheint es, 
wie aus den angeführten Umständen hervorgeht, dass es gleichwohl in 
nächster Beziehung zu Heinrich gestanden habe und alle Zeit als dessen 
Votivtafel betrachtet worden sei; aber auch dies stellt unsrer Annahme 
keine unautlösliche Schwierigkeit entgegen, denn es ist leicht denkbar, 
dass, aus irgend beliebiger Veranlassung. eine Umarbeitung der alten Tafel 
mit Beibehaltung der ursprünglichen Anordnung nöthig oder wünschens- 
werth geworden sein kann. 
Auch so indess muss das Werk als ein höchst merkwürdiges Ueber- 
bleibsel des Geistes und Sinnes unsrer Vorfahren betrachtet werden, und 
es dürfte als ein erfreuliches Zeichen der Zeit anzusehen sein, wenn das- 
selbe, zur künftigen sicheren Aufbewahrung, von einer öffentlichen Samm- 
lung als Eigenthum erworben würde. 
Nachträgliches 
über 
den 
Dom 
zu 
Halberstadt. 
(Museum, 
1337, 
 In N0. 14 des diesjährigen Museums (vgl. oben, S. 480) ist von mir 
ein Bericht, das Werk des Hrn. Dr. Lucanus über den Halberstädtei. Dom 
betreffend, vorgelegt. welchem hier noch einige nachträgliche Bemerkungen 
beizufügen sind. Zunächst Einiges aus einem Briefe des Hrn. Dr. Lucanus 
in welchem er sich über einige Punkte, in welchen ich seiner Meinung: 
nicht beigepflichtet hatte, näher ausspricht. 
Ich hatte in Zweifel gezogen, 0b sich die Annahme eines früher vor- 
halldenen Vorbaues vol. dem Hauptportale des Domes mit der Art und
        

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