Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487999
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Kritiken. 
Berichte unü 
Domgebäudes befindlich anzunehmen ; da ein so aussergewiihnlicher Umstand 
aber nicht ohne strengste Beweisführung zulässig sein dürfte und die übrigen 
Angaben genügend für das Gewöhnliche sprechen, so scheint die eben 
ausgesprochene Meinung wohl als passlicher anzunehmen zu sein. Die 
kleine Bischofskapelle wird im J. 1362 als bereits vorhanden, aber als 
ein neues Werk angeführt.  Doch scheint auch in dieser Zeit der Bau 
der Kirche noch nicht vollendet worden zu sein. Wenigstens fällt seine 
Einweihung erst in das J. 1490 1) und an dem Schlusssteine der Decken- 
wölbung zwischen .dem zweiten und dritten Pfeilerpaar der Kirche findet 
sich, hiemit übereinstimmend, die Jahrzahl 1486. (Letztere deutet der 
Herausgeber auf eine Restauration,  eine solche vor der Einweihung des 
Domes anzunehmen, dürfte jedoch nicht zulässig sein.) Auch im J. 1498 
kommt noch eine neue päpstliche Verordnung für die Einkünfte zum Bau" 
des Domes vor. Ueberhaupt aber darf es uns nicht befremden, Zeugnisse 
für eine so späte Zeit der Vollendung vor uns zu sehen, da ja selbst der 
Oberbau des südlichen Thurmes, der ebenfalls noch im gothischen Style 
(sogar in einer gewissen, obgleich rohen Nachahmung des Unterbaues) aus- 
geführt ist, die Jahresbezeichnung 1574 trägt. 
Wir sind demnach genöthigt, den Chor der Kirche als ein Werk des 
vierzehnten Jahrhunderts zu betrachten, und hiemit stimmt denn auch der 
Styl desselben, wie oben bemerkt, durchaus überein; aber auch die spä- 
teren Theile des Langhauses müssen wir (abweichend vom Herausgeber), 
in Rücksicht auf den vollkommen entsprechenden Charakter, als ein Werk 
ungefähr derselben Bauperiode bezeichnen. Für die Periode des dreizehnten 
Jahrhunderts tragen sie bereits ein viel_zu freies Gepräge, und wir können 
mit den Zeugnissen, welche auf Bauunternehmungen in der späteren Hälfte  
dieses Jahrhunderts hindeuten, nur die westlichsten Theile des Schiffes in 
Verbindung bringen; auch diese stimmen in der That mit denjenigen 
Gebäuden Deutschlands, deren Erbauung in der genannten Zeit urkundlich 
feststeht, vollkommen überein. 
Suchen wir .nuu endliclrdas Datum für den Unterbau der Thürme festzu- 
stellen, so begegnet uns zunächst eine neue Bauperiode im zweiten Viertel 
des dreizehnten Jahrhunderts. Der Herausgeber macht das Jahr 1235 nam- 
haft, ohne jedoch die Quelle für diese Bestimmung anzugeben. Urkundliche 
Zeugnisse sind für jene Zeit nicht vorhanden, und der älteste Bericht hier- 
über findet sich, soviel wir wissen, erst in Winnigstedfs Halberstädter 
Chronik, welcher zufolge der Domprobst Johannes Semeca (ungefähr aller- 
dings in der vom Herausgeber angenommenen Zeit) den Dom "von Grund 
aus", und zwar "am linken Thurme" zu bauen angefangen habe. Ist nun 
zwar Winnigstedfs Autorität, wie schon bemerkt, nicht allzu sicher, so 
werden wir doch nicht irren, wenn wir in der That den Unterbau jenes 
westlichen Theiles als das Werk des Semeca betrachten. Denn wenn wir 
einen Blick auf den gesammten Zustand der Entwickelung der Baukunst, 
welche in Deutschland in den ersten Jahrzehnten des dreizehnten Jahr- 
hunderts herrscht, werfen, so finden wir hier (bei Gebäuden, deren Datum 
feststeht) noch überall den byzantinischen Baustyl, dem nur erst; einzelne 
i) Nach Winnigstedtfs Halberstädter Chronik. Diese Nachricht, die der 
Herausgeber übersehen hat, dürfte bei diesem, für frühere Zeiten zwar nicht allzu- 
kritischen (Reschichtschreiber gewiss nicht in Zweifel zu ziehen sein, und um S0 
weniger, als sie mit bestimmter Angabe der Nebenumstände verbunden ist.
        

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