Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487973
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Berichte 
und 
Kritiken 
ist, wenigstens noch ohne Ueberladung von mannigfach buntem Schmuck 
und ohne alle willkürlich geschweiften und gewundenen Formen. Die 
Pfeiler haben die Gestalt starker runder Säulen, denen sich, als Träger der 
Gewölbgurte, schlankere Säulchen frei anlehnen; die Strebepfeiler der 
SeitenschiHe haben  in alterthümlich gothischer Anordnung  frei vor- 
springende, von Säulen getragene Bilderhäuschen, in denen Statuen (im 
Style der späteren Zeit des dreizehnten Jahrhunderts) stehen; die Stabver- 
zierung der Fenster ist vollkommen in jener schönen, gesetzmässig organi- 
schen Weise gebildet, welche die Fenster des Kölner Domes zeigen. 
Die übrigen Theile des Domes lassen dagegen eine ungleich spätere 
Entwickelung des gothischen Baustyles erkennen, wcnnschon sie der Haupt- 
anlage nach sich zweckmässig an das System defebengenannten Theile 
anschliessen. Namentlich befolgen die Pfeiler im Innern dieselbe Grund- 
form, so jedoch, dass sich die Träger der Gewölbgurte nicht mehr an die 
Hauptmassen frei anlehnen, sondern zu 713 mit ihnen verbunden sind. Die 
Strebepfeiler sind reicher ausgebildet, vornehmlich am Schiff, wennschon 
in einer Zusammensetzung, welche den harmonischen Organismus des gothi- 
scheu Systems nicht mehr gänzlich anerkennt; in den Fenstern hört jene 
einfach bedeutende Formation auf und macht einer minder strengen, im 
Einzelnen  trotz der bunten Mannigfaltigkeit nicht mehr wahrhaft schö- 
nen Stabverzierung Platz; die Gewölbrippen bewegen sich, die gesetz- 
mässige Kreuzform grossentheils verlassend, ebenfalls in willkürlich zusam- 
mengesetzten Linien u. s. w. Als ein eigenthümlicher Umstand ist es 
anzumerken, dass die Gewölbrippen und Gurten der Seitenschiife hier, und 
zwar an der Seite der Pfeiler des Schiffes, zunächst vertikal aufsteigen 
und sich erst dann in einer gebrochenen Ecke zu der Spitzbogenlinie 
umwenden. (Vergl. den Querdurchschnitt auf Tat". III.)  Die untere Hälfte 
der Facade des nördlichen Kreuzgiebels, welche ein kleineres Portal ein- 
schliesst, ist wiederum in einem etwas abweichenden Style gebaut, von 
schlichterer Anlage und mit zierlichem Lissenenwerk geschmückt: es ist 
möglich, obgleich kaum wahrscheinlich, dass sie mit jenen älteren Theilen 
des Schiffes gleich alt ist. Was den Herausgeber zu der Erklärung bewo- 
gen, dass dies jedenfalls vollkommen gothische Portal „seiner Construk- 
tion, dem Style und der Technik zufolge" mit dem Hauptportale zwischen 
den Thürmen gleichzeitig sei, ist nicht wohl einzusehen. 
Das Querschilf, dessen Giebelfronten beträchtlich über die Seitenmauern 
der Seitenschilfe vor-springen, durchschneidct die Kirche fast in der Mitte 
ihrer Längenausdehnung, so dass sich hicdurch ein Chor von bedeutender 
Tiefe bildet. Die Seitenschiife umgeben diesen Chor in derselben Weise, 
wie zu den Seiten des eigentlichen Hauptschiffes. An dem östlichen Ende 
der Kirche ist endlich noch eine kleine Kapelle, die sogenannte Bischofs- 
kapelle, in etwas einfacherem Style angebaut. Sie steht mit dem Umgange 
des Chores in unmittelbarer Verbindung; im Aeusseren erhebt sich ihr 
Dach über die Dächer des letzteren und ist an seinem Giebel mit einem 
zierlichen Thürmchen geschmückt. 
Im Innern wird der Chor durch niedrige, zwischen den Pfeilern ange- 
brachte Mauern von dem Umgange getrennt; von dem Hauptschilf durch 
den, in der Quere errichteten Bischofstuhl, ein eigenes, in zierlich buntem 
Reichthume aufgeführtes kleines Gebäude, welches die späteste Ausbildung 
des gothischen Baustyles um den Anfang des sechzehnten Jahrhunderts (ES 
trägt die Jahresbezeichuung 1510) charakterisirt. Im Innern des Chürßs
        

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