Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487954
480 
Kritiken. 
und 
Berichte 
angehörig sind die Miniaturen eines zweiten Psalters (N0. 5,  T. XII, 
XIII, XIV). Die Randverzierungen, auch die Ornamente des Grundes der 
Bilder, scheinen hier mehr auf französische als deutsche Arbeit hinzu- 
deuten. Die Abbildungen lassen in den einzelnen Gestalten bereits, bei 
der mannigfachen Befangenheit im Style jener Zeit, den Hauch einer 
eigenthümlichen Grazie und Anmuth erkennen, der sich vornehmlich in 
dem Bilde der heiligen Margaretha auf dem Drachen (T. XIII) zu dem 
Ausdruck einer zarten Innigkeit und Hoheit gestaltet. 
Endlich ein Pontificale aus dem 14. Jahrhundert (N0. 12,  T. VIII 
und IX), in dessen Anfangsbuchstaben jedesmal eine Scene der kirchlichen 
Ceremonien dargestellt ist. In den Abbildungen auf T. VIII sieht man die 
gemüthlichen Darstellungen der Ehe und der Coniirmation; auf T. IX 
mehrere Beispiele der Randverzierungen, reichgeschwungenes Blätterwerk, 
welches auf anmuthige Weise von menschlichen und thierischen Gestalten 
belebt ist. 
Der Dom zu Halberstadt, seine Geschichte, Architektur, Alterthümer und 
Kunstschätze, durch Text (10 S. in F01), einen Stahlstich und 6 radirte 
Blätter versinnlicht und herausgegeben von Dr. F. G. H. Lucanus. Hal- 
berstadt bei F. Lucanus. Berlin, bei G. Gropius. 1837. 
1831, 
Halberstadt gehört zu denjenigen Städten Deutschlands, welche das 
Gepräge des wohlhäbigen und gernüthvollen mittelalterlichen Lebens noch 
am Entsehiedensten festgehalten haben, ohne dass jedoch hier, wie an so 
vielen andern Orten, die Vergangenheit dem Beschauer nur in dem Gewande 
eines beklagenswerthen Verfalles entgegenträte; vielmehr verbindet sich 
hier, in den neueren Theilen der Stadt, die Eleganz der modernen Zeig; 
auf glückliche Weise mit den zahlreichen Zeugnissen früherer Sinnesart, 
In den alten Bürgerhänsern, die sich theils in bescheidene Enge zurück- 
ziehen, theils in stolzer Pracht die Plätze und Strassen beherrschen und 
die, als Zeugnisse des Holzreichthums der Gegend, grösseren Theils in 
Zimmerwerk aufgeführt sind, zeigt sich durchweg die zierlichste Entfal- 
tung dieses Styles, der allem Einzelnen eine lebendige architektonische 
Gestalt verleiht und sich zu den anmuthvollsten oder launigsten Zierden 
bildnerischer Kunst emporzuschwingen vermögend ist; reichlichsten Stoff 
würden unsre Architekturmaler in der Nachahmung dieser so mannigfach 
interessanten Gebäude gewinnen können. Bedeutender, und als ernster 
Hintergrund zu ihnen, "treten die alten Kirchen hervor, deren Halberstadt 
ebenfalls eine namhafte Anzahl besitzt und in denen sich Beispiele für 
sämmtliche Architekturstyle des kirchlichen Baues im Mittelalter, zum 
Theil in merkwürdig imponirender Anlage. vorfinden. Vor Allem aber 
ist der majestätische Dom vorherrschend, zu dessen Seiten sich die gesamm- 
ten übrigen Baulichkeiten der Stadt umherlagern, und der auch schon von 
ferneren Standpunkten aus den Anblick der Stadt zu einem malerischen 
Bilde schliesst und vollendet.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.