Dia Miniaturen etc.
der Kg].
in Aschaffenburg.
I-Iofbibliothek
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(auf T. IV abgebildet); ebenso wird das Bild der Busse rühmlich hervor-
gehoben. Das Gebet des Bischofes nach vollendetem Messopfer, in der
Umgebung seines geistlichen und weltlichen Gefolges, ist in Bezug auf
Charakteristik, Anordnung und Ausführung gleich lobenswerth (T. V).
Auch die Bilder der Messe und der Communion sind von vorzüglichem
Werthe, "Wir müssen bemerken (fügt der Verfasser hinzu), dass diese
Miniaturen um se interessanter sind, als unseres Wissens von H. S. Beham
keine Oelgemälde vorhanden sind (auch dem Referenten ist kein solches
bekannt); dass diese Bilder in Geist und Behandlung von seinen Kupfer-
stichen abweichen, ja sich wohl über dieselben erheben, lässt sich durch
die ihm hier gesetzte Aufgabe und durch den höheren Schwung erklären,
den sein Geist durch die Aufforderung, ja vielleicht durch die bestimmte
Vorschrift des kunstliebenden Fürsten erhielt."
Ein viertes, im Auftrage des Kurfürsten gefertigtes Miniaturwerk ent-
hält Abbildungen des Domsch atzes, welchen Albert zu Halle gesammelt
und nach der Auflösung des Stiftes nach Mainz gebracht hatte. Die Blätter
sind 13' hoch und 9' breit; die Abbildungen belaufen sich auf 344. Sieben
derselben stellen kostbar verzierte Bücherdecken vor; 50 Monstranzen in
der reichsten Fülle gothischer Architekturformen; 52 ganze Figuren, unter
welchen besonders die Abbildungen der silbernen Apostel, ganz im Style
A. Dürers ausgeführt, sich auszeichnen; 15 Brustbilder und Köpfe, nebst
vielen Bildern von tragbaren Altären und seltsam gestalteten Reliquiarien.
Die Abbildungen des Domschatzes in dem bekannten Werke „Vorzeichnus
und Zceigung des hochlobwirdigen Heiligthumbs der Stifftkirchen der heil.
Sankt Moritz und Marien Magdalenen zu Halle. 1520" (übrigens nur 232
der Zahl nach) sind, wie sich aus der Vergleichung ergiebt, nicht nach den
Gegenständen selbst, sondern nach den Malereien des in Rede stehenden
Miniaturwerkes gefertigt worden. Es ist zu bedauern, dass der Verfasser
über letzteres nicht genauere und ausführlichere Nachrichten mitgetheilt hat.
Hierauf folgen Notizen über 32 andere Manuscripte der Aschaffenburger
Bibliothek , welche zum Theil ebenfalls reichlich mit Miniaturen ge-
schmückt sind. Auch hier müssen wir es bedauern, dass der Verfasser
nur flüchtige Notizen mittheilt und nirgend in die Charakteristik des Styles
und der Technik der vorhandenen Malereien näher eingeht. Vornehmlich
gilt dies von den beiden ersten Handschriften, welche nach Angabe des
Verfassers aus dem neunten Jahrhundert herrührenf ebenso dürften auch
die zahlreichen Miniaturen der dritten Handschrift (die Evangelien, mit
goldenen Buchstaben geschrieben), für die Entwiekelungsgeschichte der
Kunst von namhafter Wichtigkeit sein. Bei drei andren Handschriften
werden diese Mängel der Beschreibung zum Theil durch die beigefügten
Abbildungen gut gemacht.
Die älteste unter diesen ist ein kleines Psalterium (N0. 32, T. X
und XI), welches der Verfasser als „wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhun-
dert" herrührend, bezeichnet. Dies passt Jedoch nicht, indem die Figuren
und das architektonische Ornament, besonders in dem zweiten Bilde auf
Tafel X, bereits vollkommen das Gepräge des germanischen Styles, wel-
eher erst im Veriauf des 13. Jahrhunderts auftritt, tragen. Interessant.
obgleich nicht gerade sonderlich geistreich, sind dieabenteuerlichen Figuren
der Randvel-ziemngen, von denen auf T. Xl eine bedeutende Anzahl
zusammengestellt ist.
Der weiteren Entwiekelung des germanischen Styles im I3.Jahrhundert