Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487866
des 
der Baukunst 
Denkmals 
Mittelalters in 
Sachsen. 
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lhümliche Interesse, dass die ursprüngliche Bemalung an ihnen erhalten 
ist, während an denen der Kanzel keine Spur von Farbe gefunden wird. 
Zuoberst die überlebensgfossen Statuen de? gekreuzigt") Erlösers, de!" 
Maria und des Evangelisten Johalmßs- Chrlstuä isfi Wiääewöhßlich in 
der byzantinischen Kunst, mit einem Schurz bekleidet, die Füsse jedoeh 
mit Einem Nagel an das Kreuz geheftet. Sein Körper, vornehmlich der 
Oberkörper, ist bereits trefflich ausgebildet, ebenso auch die Beine, doch 
diese im Verhältiiiss etwas zu fein. Die drei Arme des Kreuzes haben 
einen rgssettenförmigen Ausgang, darauf drei ilalbfiguren angebracht sind: 
zuoberst Gott Vater, niederwärts deutend. einen Vogel (die Taube des 
heiligen Geistes) auf dem Arm; zu den Seiten zwei liebliche geflügelte 
Enge], we1ehedie Arme in klagender Geberde gegen Christus ausstrecken. 
Am Fasse des Kreuzes liegt eine männliche Gestalt mit langem Bart, in 
weitem weissem Gewande, welches mit der Kopfbedeckung Ein Stück aus- 
macht und in vorzüglich schönen Falten den Körper umfliesst; in einem 
Kelehe Scheint ei- (Jas Blut des Erlösers aufzufangen. In Rücksicht auf 
die Bedeutung dieser Figur führt der Kelch zunächst auf die Vermuthuiig, 
dass sie den Joseph von Arimathia  „als Repräsentanten des erleuchteten 
patriarchaligchen Jndenthumes"  darstelle, der in dem gefeierten heiligen 
Gral, der Legende zufolge, das Blut Christi gesammelt hat; auch spricht 
der Herausgeber diese Vermuthung als die wahrscheinlichere aus, aber die 
Lage der Figur dürfte dem vielleicht nicht ganz angemessen sein. Das 
weite weisse Gewand lässt den Herausgeber auch auf die Person des Laza- 
rus schliessen, aber hier scheint wiederum der Kelch nicht am Ort:  
gewöhnlich wird in ähnlicher Stellung am Fusse des Kreuzes der irdische 
Ahnherr Christi, Jesse (Isai, der Vater Davids) dargestellt; doch möchte 
auch hier der Kelch befremdcn, wenn man ihn in solcher Beziehung nicht 
vielleicht einfach als das Symbol der Erlösung, welche durch Christi 
Opfertod auch den Frommen des alten Bundes zu 'l'heil wurde, betrachten 
will. Jedenfalls dürfte auch diese Figur, wie die gesainnite Darstellung, 
wiederum zur genaueren Erforschung der christlichen Symbolik Anlass 
geben. Von vorzüglicher Schönheit ist sodann die Gestalt der Maria, in 
Bezug auf Körperform und Verhältniss, auf Geberde und den in anmuth- 
voller Würde ausgebildeten Faltenwurf der Gewandung; ähnlich, obgleich 
diesen Vorzügen nicht ganz gleich, die Figur des Johannes; beide stehen 
auf angstvoll niedergestürzten gekrönten Männern, von denen der eine 
jugendlich bartlos, der andere bärtig ist: der Herausgeber vermuthet in 
ihnen eine Darstellung des überwundenen Heidenthumes und des pharisäi- 
sehen Judentliumes, eine Gegenüberstellung, die indess durch die Eigen- 
thümlichkeiten der Figuren nicht weiter motivirt ist, wennschon im Allge- 
meinen die Bgsjegung eines bösen Pi-incipcs darin ausgesprochen sein muss. 
Höchst anziehend sind ferner die Figuren, welche, in den Nischen an 
den Seitentlieilen des Altarbaues angebracht sind und die der Herausgeber 
als Josua und David, Samuel und Salomo erklärt, Das königliche Ornat, 
Krone, Seeptei- und Saitenspiel, mitnvelclien Insignien die zweite Figur 
versehen ist, rechtfertigen bei dieser die Benennung vollkommen und deuten 
somit wenigstens auf die Sphäre des alten Testamentes, als welcher auch 
die übrigen Personen angehören müssen, obschonunan geneigt sein dürfte, 
zwischen ihnen unter einander, und auch vielleicht zu den Figuren des 
Oborbnnes, speciellere Bezüge zu suchen. Doch kennen wir (llßwihllllahme 
des Herausgebers nicht geradezu widerlegen. ln saniintlichen ltiguren ist
        

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