Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483408
Tegernsee 
VOI] 
WGTiHhBT 
auf dem zweiten Blatte von der Ueberschrift des Bildes, welches das Ur- 
theil des Salomon vorstellt, das erste Vvort weggeschnitten und nur noch 
das Wort SALEMONIS stehen geblieben ist. Auf dem neuen Deckel von 
braunem Leder ist auf jeder Seite ein doppelter Adler mit der kaiserlichen 
Krone mit Gold aufgedruckt. Diese Krone gleicht derjenigen, mit welcher 
Kaiser Karl IV. auf Münzen und sonst abgebildet wird: woraus hervorgeht, 
dass das Manuscript wahrscheinlich einst einer kaiserlichen Bibliothek an- 
gehörte. Vor seinem jetzigen Besitzer gehörte es dem H. v. Senckenberg, 
der es aus dem Schiltefschen Nachlass mit dessen sämmtlichen Schriften 
gekauft hatte 1). 
Der Text, wie wir schon oben sahen, sowie die Bilder sind Copie, 
was sich auch aus manchen Irrthümern in Schrift und Zeichnung nach- 
weisen lässt. So heisst es im Text: 
Oett, S, 163, 7,  Cod. B1. 62 a., 15. 
zeiser statt cheiser. 
Oett. S, 216, 8,  Cod. B1. 86 a., 4. 
des frhte sih diu maget mit dem alten. 
daz er schalte.    
daz unschuldige christes hlut.  
(fehlt der Reim, vermuthL: behalten.) 
Und verschiedener anderer Beispiele mehr. 
So heisst es ferner in den Spruchversen der Bilder: beim Bilde 9 (Oett. 
Fig. 4 zu S. 35), wo Joachim, der Vater der Maria, traurig, weil ihm Gott 
Nachkommenschaft versagt zu haben scheint, zu dem Engel, den er nicht 
kennt, spricht: Herre da bin ich ein suntich man. dem     dehe2'n' fröde 
gan. Hier fehlt in der durch den Nimbus des Engels unterbrochenen Vers- 
zeile ein hVort, vermuthlich: got.  Beim Bilde 31 (zu S. 104 bei Oett.), 
wo lllaria zu ihren Gesellschafter-innen, die sich während der Abwesenheit 
des Joseph, ihres Gemahls, gegen sie vergangen hatten und, von einem 
Engel zurecht gewiesen, knieend um Verzeihurg bitten, spricht: frowen 
stct vf vnt lat den nit. (fengel hat gesclzeiden dem strit,  statt den strit. 
Und Anderes mehr. 
Auch in den Bildern selbst sind Irrthümer, indem Einzelnes, was den 
korrespondirenderx Theilen zufolge z. B. mit rother Farbe gezeichnet sein 
müsste, mit schwarzer gezeichnet ist; was dem besonuenen Meister schwer- 
lich zur Last gelegt werden dürfte. 
Wenn wir nun noch den Umstand hinzunehmen, dass in den Spruch- 
versen der Bilder eine ältere Handschrift als die des Textes sich zeigt oder 
nachgeahmt wird (indem z. Bfdas lange s am Schluss der Worte hier noch 
vorherrscht, was im Text nicht mehr der Fall ist), so ergiebt sich daraus, 
dass, obgleich das lilanuscript. jünger ist als Werinher, doch die Bilder 
nicht etwa von dem Abschreiber oder von einem Andern, der gleichzeitig 
mit diesem wäre, erfunden sind, sondern dass ihnen ältere Originale zu 
Grunde liegen, so dass unsere obige Annahme, dass YVerinher der Erfinder 
derselben sei, dadurch nicht umgestosscn, sondern eher nur bekräftigt wird. 
Oettinger in 
der Vorrede, S.
        

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