Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487769
Besuch in 
Ein 
Wittenbarg 
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tenberg unzugänglich waren. Auch das Schadovsdschc Werk giebt über 
dieselben keine Nachricht. 
Sodann sind mehrere Gemälde von dem wenig gekannten Sohne dieses 
Meisters, Lucas Cranach dem jüngeren. nnluführen. Sie befinden sich 
hinter dem Altar der Stadtkirche, in guter Beleuchtung aufgestellt, und 
sind in dem Schadowschen Werk ebenfalls beschrieben und abgebildet. Sie 
sind von ungleichem Werth und auch von ungleicher Behandlungsart, so 
dass man in ihnen einen, wenn auch auf keine Weise talentlosen, so doch 
in seiner Richtung minder sicheren Meister erkennt. Das anzieheudste unter 
diesen ist eine Gedächtnisstafel, welche der Professor G. Crackow zum An- 
denken seiner- im J. 1563 verstorbenen Gemahlin malen liess: Christus mit 
den beiden Schächern am Kreuz, und darunter die Familie des Donators 
knieend. Dies Bild erinnert überall noch an die Schule des Vaters; es 
ist von schlichter Behandlung, aber trefflich durchgebildet, von vorzüglichem 
Ausdruck (besonders in den drei Gekreuzigten), und die Portraitfiguren 
voll eigenthümlichen Lebens; nur die Landschaft ist unbedeutend in der 
Ausführung.  Der Weinberg des Herrn, vom J. 1569, ist ein figuren- 
reiches Bild von kleinerem Maassstabe. Es stellt auf der einen Seite 
die Würdenträger der katholischen Kirche dar , welche den Weinberg 
vernichten, auf der andern die Helden der Reformation (sämmtlich 
Portraits), Welche für das Gedeihen des Weinberges Sorge tragen. Das 
Haupt-Interesse dieses Bildes beruht in dem Gedanken, und das naiv Poe- 
tische der Composition überwiegt die künstlerischen Verdienste. Doch ist; 
das Einzelne, wenn es auch an Gesammt-Eindruck fehlt, nicht übel gemaehn 
(Die Christusiigur im Vorgrunde, deren Ausführung nicht mit dem Uebrigeu 
stimmt, ist von neuerer Hand übermalt).  Die Anbetung der Hirten dürfte 
eins der späteren Gemälde des Künstlers sein; sie vereinigt mit der älteren 
naiven Compositions-Weise bereits etwas Freies, modern Pastoses in der  
Behandlung der Farbe, was den Richtungen der Kunst, die in der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts allgemein wurden, angehört. Doch liegt den 
Köpfen, besonders denen der knieenden Donatoren, noch immer die schlichte 
Auifassungsweise der älteren deutschen Malerei zu Grunde. Das Dachge- 
bälk des Stalles, in dem die Handlung des Bildes vor sich geht, ist von 
einer reichen Anzahl lustiger kleiner Engelknaben erfüllt. Solche hat der 
jüngere Cranach öfters darzustellen beliebt, wie z. B. auf seinem treftlichen 
Bilde einer Pieta (Christus mit der Dornenkrone zwischen Maria und Johan- 
nes, Donatoren und Heilige auf den Flügeln), welches sich im Dome von 
Meissen, in der Begräbnisscapelle Herzog Georg des Bärtigen, befindet.  
Das vierte der in Wittenberg befindlichen Gemälde des jüngeren Cyanach 
stellt die Bekehrung Pauli vor; es ist das letzte Werk des Künstlers,  
im Wesentlichen aber ziemlich schwach und seinen sonst anziehenden Ar- 
beiten nicht wohl vergleichbar; nur die Portraits der Donatoren sind auch 
hier von erfreulicher Auffassung. 
Ausser den genannten sieht man in Wittenberg noch mehrere Gemälde, 
welche der Hand des jüngeren Cranach zugeschrieben werden, so in der 
Schlosskirche die Portraits von Luther und Melanchthon, ganze Figuren, an 
den Wänden der Kirche über den GInbStätten der beiden Reformatoren 
aufgehängt. Andre Portraits derselben, ebenfalls wenigstens aus Cranach; 
scher Schule, sind in der Lutherstube (im Augusteum) und in den benach- 
barten Räumen vorhanden. Am letztgenannten Orte befindet sich auch eine 
sehr zahlreiche Sammlung von Portraits sächsischer Churftirsten und von
        

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