Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487757
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Kritiken. 
Berichte und 
in diesen Darstellungen meist Kriegsleute und überall ist ihnen eine fabel- 
hafte Teufelsgestalt beigesellt; vortrefflich macht sich letztere, wenn sie 
dem Bösen wie eine Alp auf den Schultern hockt. Ueber das Ganze hin 
zieht sich, im Halbkreise. ein Regenbogen, dessen Schenkel auf den, in (1611 
unteren Ecken des Gemäldes befindlichen landesherrliehen Wappen ruhen. 
Es ist ein schöner Gedanke, auf solche Weise die Gnade, welche vom Für- 
sten ausgeht, über die Sündigen und Uebelthäter hin leuchten zu lassen; 
doch könnte man meinen, der Gedanke sei nicht eben künstlerisch aus- 
führbar. lndess muss man gestehen, dass Cranach ein so schwierig darzu- 
stellendes Motiv sehr glücklich zu behandeln wusste: nur wie ein leichter, 
zitternder Flor, in zart gebrochenen, durchsichtigen Farben, breitet sich der 
Bogen über die verschiedenen Darstellungen hin. 
 Bekannter als das ebengenannte und öfters besprochen ist das grosse 
Altarwerk aus Lucas Cranachs späterer Zeit, welches sich in der Stadt- 
kirche zu Wittenberg befindet. Das Mittelhild stellt das heil. Abendmahl 
dar, eigenthümlich angeordnet, indem die Jünger um eine kreisrunde Tafel 
umhersitzen, mit verschiedenartig charakteristischen Köpfen. Auf dem rech- 
ten Flügelbilde ist die heil. Handlung der Taufe dargestellt, welche Me- 
lanchthon im Beisein eines Assistenten und dreier Pathen verrichtet; im Vor- 
grund eine Gruppe geputzter Frauen als Zuschauerinnen; das Ganze nicht 
ohne eigenthümliche Gemüthlichkeit. Der linke Flügel ist die Beichte, 
bedeutender als das vorige Bild. In dem Beichtiger erblickt man das Por- 
trait des Bugenhagen; mit strenger Würde entsündigt er einen knieend 
Reuigen (einen Bürger) mit dem Schlüssel in der Rechten, indem er zugleich 
einen andern, der mehr mit Ueberrnuth als mit Reue sich angenähert hatte 
(einen Krieger), und dessen Hände gefesselt bleiben. mit dem Schlüssel in 
der Linken zurückweist. Als Untersatzbild ein viertes Gemälde mit klei- 
neren Figuren: in der Mitte das Bild des Gekreuzigten, auf der einen Seite 
eine Kanzel, von der herab Luther predigt, gegenüber eine anmuthig naive 
Gruppe zuhörender Mädchen und Frauen mit Kindern, und tiefer im Bilde 
eine nicht minder vortreftliche Gruppe ernster Männer und Jünglinge. Die 
malerischen Schönheiten dieses Werkes muss man mehr im Einzelnen auf- 
suchen, wie namentlich die ebengenannten Gruppen der Zuhörer bei der 
Predigt mit dem liebenswürdigsten Gefühle dargestellt sind; sonst ist in 
der Ausführung, in der Formenauifassung wie auch in der Farbe, schon 
viel Handwerksmässiges. Interessant aber ist das Werk vornehmlich durch 
die Idee, die demselben zu Grunde liegt, indem es eine Darstellung der 
vornehmsten Handlungen der protestanthchen Kirche und zugleich ein 
Andenken an die verehrtesten Lehrer der heiligen Schrift in sich vereinigt, 
Es ist, neben den bekannten Apostelbildern Dürers in der Münchner Gal- 
lerie,  wenn freilich der Technik nach keinusweges von ähnlicher Bedeut- 
samkeit, doch als eins der sinnreichsten und gedankenvollsten Erzeugnisse 
der neuen protestantischen Glaubensrichtung zu betrachten. 1) 
Ausserdem sind von dem älteren Cranach noch einige Gemälde in 
dem Ordinaten-Zimmer (in der kleinen alten Kapelle neben der Stadtkirehe) 
vorhanden, die jedoch leider während der Zeit meines Besuches in Wit- 
1) Ch. Schuchardt in seinem Werke "Lucas Cranach des Aelteren Leben und 
Werke" (Leipzig, 1851) erkennt weder das im Rathhaus beündliche Gemälde, 
noch das Altarwerk der Stadtkirche als Arbeit von des Meisters eigner Hand au.
        

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