Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487714
456 
und 
Berichte 
Kritiken. 
dige Fortbildung des Künstlers ohne fremden Einfluss annehmen könne. 
Ich habe jedoch schon früher darauf aufmerksam gemacht, dass der Styl 
der Sculpturen des Sebaldusgrabes auffallend an den älteren Styl der ger- 
manischen Kunst. wie er vornehmlich das vierzehnte Jahrhundert hindurch 
herrschend ist (und wie er z. B. recht augenfällig an den alten Statuen 
hervortritt, die an den Pfeilern der Sebalduskirche zu Nürnberg befindlich 
sind) erinnert. Auch ist dieser Bemerkung hinzuzufügen, dass die Behand- 
lung an den Sculpturen des Sebaldusgrabes, vornehmlich an den Aposteln, 
noch immer eine gewisse Trockenheit zeigt, welche ebenfalls viel mehr 
auf den älteren germanischen Styl als auf die etwa verwandten Motive 
modern italienischer Kunst hindeutet: sodann, dass auch die Architektur 
des Sebaldusgrabes im Ganzen eigentlich weniger der eindringenden moder- 
nen Kunst als gewissen früheren Elementen des Gothischen verwandt ist, 
und dass die drei Tempel-Aufsätze, welche dasselbe krönen, die entschie- 
denste Nachbildung jener Baldachine sind, die sich über mehreren der 
vorzüglichsten Statuen des vierzehnten Jahrhunderts (z. B. über den wun- 
derwürdig schönen Statuen im Dome von Naumburg) befinden 1).  Wenn 
nun aus all diesen Umständen wenigstens mit gleichem Rechte geschlossen 
werden dürfte, dass P. Vischer sich hier, statt der fremden, italienischen 
Kunst, absichtlich den älteren Vorbildern der Heimath zugewandt habe, so 
erhält eine solche Ansicht durch die Betrachtung des Styles in der Arbeit 
seines Vaters noch ein ungleich stärkeres Gewicht. Hier finden wir, wie 
der ältere germanische Styl in einer bedeutenden Werkstatt, vielleicht durch 
fortgesetzte Ueberlieferung, beibehalten war und in seiner einfachen Linien- 
führung bereits eigenthümlich lobenswerthe Erfolge hervorgebracht hatte. 
Wir sehen die Vorbilder, welche dem glücklichen Geiste des Sohnes schon 
von früh an eine würdige Richtung vorzuzeichnen und ihn vor den ver- 
derblichen, kleinlichen Manieren seiner Zeitgenossen zu schützen im Stande 
waren. Wir erkennen, dass Peter Vischer nicht durch eine blosse Will- 
kühr zu seiner eigenthümlichen Behandlungsweise bestimmt war. Und 
wenn jenes Monument in Magdeburg im einzelnen Falle allerdings den 
Versuch zeigt, sich auch den scharfen, mehr holzschnittartigen Styl seiner 
Zeitgenossen anzueignen, so gilt dasselbe jedoch keineswcges für die 
gesammte frühere Richtung des Künstlers, denn andre, vorhergehende Werke 
(wie z. B. seine drei Grabplatten bambergischer Bischöfe, im Dome zu 
Bamberg) haben in der Hauptsache ebenfalls nichts mit dem eckigen Wesen 
der Zeit gemein. 
Bei alledem jedoch soll es nicht behauptet werden, als ob P. Vischer 
sich in weiter vorgerücktem Alter etwa gegen die Vortheile anderweitiger 
Kunstverdienste absichtlich abgeschlossen habe. Wie er in dem Magde- 
burger Monument den Manieren der deutschen Bildhauerei, ohne davon 
befangen zu werden, zu folgen wusste, so nahm er  indess, wie es scheint, 
erst beträchtlich nach der Zeit des Sebaldusgrabes  gewiss auch die 
freieren Motive der italienischen Kunst in sich auf. Er konnte dies um 
so leichter und unbefangener, als seine eigenthümliche Richtung dcr letz- 
 Möchte es doch den Kunstfreunden Nürnhergk gefallen, ein gründliches, 
umfassendes Kupferwerk über das Sebaldusgrab, wenn auch nur im Umriss, zu 
unternehmen! Der Reichthizm der Sculpturen, der architektonischen Details 
würde demselben einen mehr als hinlänglichen Steif gewähren; die Freunde vater- 
ländischer Kunst und vaterländischer Geschichte aber würden ein solches Werk 
gewiss mit dem lebhaftesten Danke aufnehmen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.