Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487686
Zll 
Domkirche 
Die 
ihre Denkmäler. 
Brandunburg und 
453 
schlosserieri Südlichen Kreuztlügel der Kirche aufgestellt sind, findet sich 
Einzelnes, was für die Interessen der Kunst- und Cultur-Geschichte nicht 
unerheblich ist. Es ist mit Dank anzuerkennen, dass man hier eine Ein- 
Pichtung getroffen hat, um Werke dieser Art, die  an sich im Allgemeinen 
minder erfreulich  einem Gotteshause nicht mehr zur wahrhaften Zierde 
gereichen dürften, an also passlicher Stelle zu vereinigen, sie vor Verderb- 
niss zu Schützen und ihre Betrachtung, gegenseitige Vergleichung u. drgl. 
für den Freund alter Kunst in angenehmer Weise zu erleichtern. Iler bedeu- 
tendste unter diesen Gegenständen ist ein Altarwerk, mit Schnitzwerk in 
der Mitte und Malereien auf den Seitentafcln, worin Scenen aus der 
Geschichte der Maria dargestellt sind. Letztere sind 1D. einem weichen, 
der niederrheinischen Schule sich annähernden Style, um  {Zeit des Jahres 
1400, gemalt, in der Technik zwar ziemlich handwerksmassig, gleichwohl 
mit einer eigenthümliclien Zartheit und Innigkeit im Ausdrucke des Gefühls. 
Beiläufig möge hier bemerkt werden, dass auch anderweitig in_ älteren 
Bildern, welche den nordöstlichen Gegenden Deutschlands (vornehmlich auch 
der Mark) angehören, Anklänge an diese schönen Eigenthümlichkeiten der 
niederrheinischen Schule gefunden werden, ein Umstand, der, W16 68 
scheint, zugleich jene milderen und weicheren Motive auf den Blügelbildern 
des Hochaltars erklären dürfte. Ausserdem ist noch ein langes Bild V01! 
geringer Höhe, auf beiden Seiten mit den Brustbilderll von Heiligen und 
mit der Jahresbezeichnung 1489 versehen, zu erwähnen. Die Malerei ist 
hart und nicht sonderlich schön; gleichwohl ist eine eigenthümliche künst- 
lerisehe Behandlungsweise, nach Art der älteren nürnbergischen Schule, 
darin bemerkbar. Diese Tafel bildete früher den Untersatz des Altarwerkes 
über dem Hochaltar der Kirche; doch war sie nicht ursprünglich für das- 
selbe bestimmt, da sie eine grössere Länge hat als jener. In der Mitte des 
Raumes ist ein zierliche-s Holzthürmchen von etwa 14 Fuss Höhe, in reinem, 
geschmackvoll gothischem Style aufgestellt. Ohne Zweifel diente dasselbe 
früher als Tabernakel zur Aufbewahrung des Allerheiligsten. 
Ein neuerlich erschienenes Programm „zur Geschichte des Bisthums 
Brandenburg" von Dr. A Schröder ("Einladungsschrift zu der am 1. Oeto- 
ber 1849 zu begehenden Säcularfeier des vor 900 Jahren am 1. October 949 
durch Kaiser Otto den Grossen gestifteten Bisthurns") bringt einige weitere 
Notizen zur Baugeschichte der Brandenburger Domkirche. Zunächst bemerkt 
der Verf. (S. 5): „Jedenfalls lassen sich noch jetzt an 'dem ehrwürdigen 
Bau, an Welchem die Jahrhunderte in verschiedenen Epochen gearbeitet 
haben, drei Bau-Perioden deutlich unterscheiden; davon die erste, noch 
theilweise im Fundament und in manchen andern Spuren erhalten, aus 
Ott0's Zeit, die zweite aus den Zeiten Bischof Wilmars (1161  70), des 
zweiten eigentlichen" Gründers des H0ehst1fts;_ihr möchte der eigentliche 
Haupuheil der Kirche, das Langhaus oder Echiü zuzuschreiben sein." Ich 
bedaure, dass jene vorausgesetzten Spureneines ottonisehen Baues, aus dem 
zehnten Jahrhundert, nicht näher nachgewiesen und charakterisirt sind. ln 
BetreE der Annahme des siebenten Jahrzehnts des 12. Jahrhunderts für den 
älteren Hauptbau der Kirche, nach ihrer gegenwärtigen Erscheinung, ver- 
weise ich auf meine im Vorsteheuden enthaltenen Bedenken, wenn diese 
sich zunächst auch nur auf die Säulen der Crypta beziehen. Höchst wichtig
        

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