Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487580
Uebar die 
Sammlung der germanisch-slawischen Alterthümer zu Berlin. 
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in materieller Beziehung. Die Aufstellung der Sammlung, Welche man dem 
gegenwärtigen Direktor deräelben, HrlL von Ledeburi verdankt, ist in 
zweckmässigster, übersichtlrchster_ Weise angeordnet, so dass überall das 
Gleiehartjge zusammensteht und die Uebergänge von dem einen zum andern 
von se1bst in die Augen fallen. Friiher zwar galt, bei Sammlungen der 
Art, die ltieinung, dass dieselben nicht nach den Gegenständen, sondern 
nach den Fundorten zu ordnen seien, indem man voraussetzte, dass sich in 
solcher Weise charakteristische Verschiedenheiten je nach den einzelnen 
Landschaften und Völkersitzen ergeben müssten. Doch hat sich diese Vor- 
aussetzung bei den ausgedehnteren Forschungen der Gegenwart nicht bestä- 
tigt; im Gegentheil findet sich Gleichartiges in den entferntesten Gegenden 
und mannigfach Verschiedenes in der engsten Nachbarschaft, oft in derselben 
Grabstätte i). Durch die Anordnung nach den Gegenständen erwächst zugleich 
der grosse Vortheil, dass man auch diejenigen Dinge, deren Fundort unbe- 
kannt und nicht mehr zu ermitteln ist (deren eine jede, seit längerer Zeit 
bestehende Sammlung der Art, durch die verschiedensten Umstände, stets 
eine bedeutende Anzahl enthält), an passlicher und für die Uebersicht des 
Ganzen erspriesslicher Stelle unterbringen kann. 
So ordnet sich denn die hiesige Sammlung in folgender Weise. Zuerst 
die grosse Masse der Thongefässe, nach ihren verschiedenen Eigenthümlich- 
keiten zusammengestellt, beginnend mit den interessanten Gcfässen von 
schwarzer Erde (unter denen ein Paar durch Grösse und Treftlichkeit der 
Arbeit einzig in ihrer Art sind), dann diexübrigen ächt nationalen, an 
welche sich endlich diejenigen anschliessen, die, meist den Rheinpro- 
viuzen angehörig, den Einfluss römischer Technik zeigen. Mehrere sehr 
interessante Geiässe aus Bronze. Die Arbeiten in Gold und Silber, welche 
aus der Fremde eingeführt sind und entschiedene Bestätigungen für den 
ausgebreiteten Handel der Ostseeländer mit dem Orient gewähren: massive 
gewundene Silberdrähte (als Aequivalent für die ausgeführten Dinge, vor- 
nehmlich Bernstein); dicke massive Goldringe von bedeutendster Dimen- 
sion; andre Ringe; mannigfaches Schmuckgeräth (darunter namentlich ein 
goldnes, mit Emaillirung versehenes Gehängc, dessen Hauptschmuck eine 
kunstreich gearbeitete Sphäre, bildet, zu bemerken ist) u. dergl. m.,  
Gegeustände, die, in Rücksicht auf die gleichzeitig in den Grabstätten gefun- 
denen, zahlreichen G0ld- und Silbermünzen, von einem ausserordentlichen 
Reichthum der Urbewohner unsrer Heimat Kunde geben. Bronzegeräthe 
der mannigfachsten Art, zum Theil mit der feinsten Patina bedeckt: Ringe 
für den Kopf , Hals, Arm, Finger, das Ohr; Fibeln und Hefteln; Nadeln; 
andre Verzierungen, vielleicht für das Geschirr der Pferde, u. s. w, Bronzene 
NVatTen, unter denen namentlich eine reiche Folge jener meisselartxgen 
Instrumente hervorzuheben ist. Alle Gegenstände der Bronze auch in dem 
minder edlen Materials; des Eisens wiederholt, zum grössten Theile zwar 
Stark, Oft bis Zu,- Unkenntlichkeit, oxydirt; 1n einzelnen Fällen jedoch, wo 
der Gegenstand durch Asche oder durch Moor vor dem Verrosten geschützt 
1) Wir verweisen, zur Bestätigung des oben Gesagten, namentlich auf den 
vmaneralbericht über Aufgrabungen in der Umgegend von Salzwedel vom Pro- 
fessor Danneil zu Salzwedel." (S. Neue Mittheilnngen aus dem Gebiet histo- 
riseh-antiquarischer Forschungen etc., helrausg. von Dr. K. E. Förstemann, 
Bd. II, 1886, S. 544-584), welcher die Resultate des gegenwärtigen Standes 
dieser Wissenschaft enthält. 
        

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