Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487578
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Kritiken. 
Berichte und 
Welt unter unsren Füssen ans Licht tritt, zu Muthe, wie der Kaiserstadt 
RPM, deren Bewohner (nach den Worten des Kirchenvaters) erbebeten, als 
die unzählbaren Schaaren der Christen aus den Katakomben hervor-gingen 
und ein zweites Rom, welches unter den Füssen des ersten verborgen 
gewesen war, sichtbar wurde? 
Doch nicht allein in den allgemeinen geschichtlichen und vaterländi- 
schen Beziehungen, auch in Rücksicht auf den Entwickelungsgztng der Kunst 
an sich sind die Gegenstände dieser Sammlung von bedeutendem Interesse. 
Sie gewähren uns, mit grösserer oder geringerer Vollständigkeit, einen 
Ueberblick über eine der ersten künstlerischen Entwickelungsstufen, die in 
sich jedoch ziemlich geschlossen und vollendet erscheint, und deren Aehn- 
liches bei den Völkern des classischen Altertbums nur im geringsten Maasse 
erhalten ist. Die Technik, d. h. die Art und Weise der Bearbeitung der 
vorhandenen Stoffe, und der F ormensinn, der sich in diesen Gegenständen 
ankündigt, beschäftigen den Beobachter in gleicher Weise. In den Thon- 
gefassen der mannigfaltigsten Form, die für alle Bedürfnisse des Lebens 
gearbeitet und  vielleicht weil der ehemalige Besitzer auf das Einzelne 
einen besonderen Werth legte  mit der Asche des Verstorbenen in die 
Erde versenkt sind, zeigt sich beides in gleich bedeutender eigenthümlicher 
Vollendung. Die äusserste, gewiss höchst seltne Geschicklichkeit der Hand 
erkennt man in allen Gefässen, die in Gegenden, wo kein römischer Ein- 
iluss Statt fand, gearbeitet worden sind, indem diese sämmtlich ohne Bei- 
hülfe der Drehscheibe (wie sich nach genauer Untersuchung ergiebt) verfer- 
tigt und gar häutig in überraschender Eleganz ausgeführt sind. Jene schönen 
Gefässe, namentlich von glänzender schwarzer Erde, deren Mehrzahl in 
den Gegenden der Altmark ausgegraben ist, stehen auf keine Weise den 
geschmackvollsten der altetruskischen Vasen von Chiusi u. a. O. nach, und 
zeigen eine Feinheit und einen zarten Schwung des Protiles, der das beste 
Zeugniss eines regen künstlerischen Sinnes giebt. In den Ornamenten frei- 
lich, die einfach aus verschiedenartig punktirten und eingepressten Linien 
und Streifen bestehen, erkennt man hier noch die vollkommen kindliche 
Stufe der Kunst.  Aehnlich auch verhält es sich mit den mannigfachen 
Bronzearbeiten, die, wie sich aus sicheren Schlüssen ergiebt, ebenfalls im 
Lande gearbeitet sein müssen und xnicht minder eine grosse Sicherheit in 
der Behandlung des Erzes erkennen lassen. Ein ganz eigenthümlicher 
Formensinn, der zwar wiederum die einfachsten Motive der Gestaltung 
wählt, dieselben aber mit künstlerischem Gefühle anwendet und in grossem 
Reichthume combinirt, spricht sich in den Verzierungen dieser Gegenstände 
aus, in den mannigfachen Spiralen, welche die Arm- und Fingerringe zu 
einem in die Augen fallenden Schmucke erheben, in den bunten, verschie- 
denartigen Bildungen, in welchen die Fibeln, die die Gewande zusammen- 
hielten, die Nadeln und andre Gegenstände des Schmuckes für Menschen 
und Pferde erscheinen. U. dgl. m. 
Wir erwähnten oben, dass die. hiesige Sammlung der germanisch-sla- 
wischen Alterthümer eine der wichtigsten in ihrer Art sei:  vielleicht 
wird sie von keiner andern übertroffen. Schon die Anzahl der vorhandenen 
Gegenstände beweist den Werth derselben: es sind im Ganzen beträchtlich 
über 3000 Nummern,  nahe an 2000 Thongefasse und über 1300 Arbeiten 
in Metall, Stein u. s. w. So bietet auch eine jede Classe, in welche der 
Gesainmtvorrath zerfällt, eine zahlreiche Folge von Gegenständen, und 1m 
Einzelnen findet sich wiederum höchst Werthvolles, in technischer S0 Wie
        

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