Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487516
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Bericl 
lte und 
Kritiker 
zügliehsten Figuren von Dürefs Hand. Eine Hnndzeichnung dieses Mei- 
sters von ähnlich bedeutender Dimension ist dem Referenten nirhtbekannm; 
das in Rede stehende Werk, dessen Originalität allgemein anerkannt ist. 
würde jedem Kabinette zur besondern Zierde gereichen. 
Ueber 
del 
das neuerworbcne Gemälde des Andrea 
Museum zu Berlin. 
Sarto 
im Königlichen 
(Museum, 
1836, 
Die bedeutenden Fonds, welche durch die Gnade Sr. Majestät des 
Königs den Königl. Museen von Berlin zur fortgesetzten Vermehrung und 
Bereicherung überwiesen worden sind, lassen uns mit der Zeit eine genü- 
gende Vervollständigung dieser, in historischer Rücksicht bereits so interes- 
santen und belehrenden Sammlungen erwarten. Eine namhafte Anzahl 
meist sehr bedeutender Werke ist in den wenigen Jahren, die seit der 
Eröffnung des Museums verflossen sind, erworben und vornehmlich die 
Gemälde-Gallerie, welche an Meisterwerken ersten Ranges ursprünglich 
Manches zu wünschen übrig liess, mit einer Reihe vorzüglich werthvoller 
Stücke bereichert worden. Unter den, in der neuesten Zeit angekauften, 
Gemälden ist als das bedeutendste ein grosses Altargemälde von Andrea 
del Sarto zu erwähnen, welches eine der Lücken dieser Sammlung in 
erfreulichster WVeise ausfüllt. Zwar besass die Gemälde-Gallerie bereits 
früher einige, in ihrer Art ebenfalls treftliche Tafeln dieses Meisters, ein 
Paar grau in grau gemalte Skizzen (unter denen besonders die eine, die 
Darstellung einer heiteren Gesellschaft, mit Spiel und Tanz beschäftigt, 
sich durch die reizvollste Anmuth auszeichnet) und ein sehr tüchtiges, 
alla prima gemaltes Portrait, die Gemahlin des Künstlers, Lucrezia del 
Fede, darstellend; doch konnten diese natürlich, ihrer Beschaffenheit nach, 
nicht genügen, um die Stelle zu bezeichnen, welche Andrea im Gange der 
italienischen Kunstentwickelung einnimmt. Freilich ist hier zu bemerken, 
dass zur Bezeichnung dieser Stelle die Gallerieen überhaupt und fast ohne 
Ausnahme nur Belege für Andrea's spätere Ausbildung enthalten können; 
dass Staffeleibilder seiner früheren Zeit höchst selten sind; dass man aber, 
um das Talent und die Bedeutsamkeit dieses Künstlers genügend zu wür- 
digen, nothwendig auf seine früheren Arbeiten Rücksicht nehmen muss. 
Zeigt sich nämlich in seinen späteren Werken eine eigenthümlich ausge- 
bildete, freie und meisterhafte Technik, vornehmlich in der Behandlung 
der Farbe, so vermisst man dagegen bei diesen nicht selten den Ausdruck 
der Seele, überhaupt eines lebendigen, dem Beschauer sich mittheilenden 
Gefühles,  dessen Dasein gerade einen wesentlichen und höchst schätz- 
baren Vorzug seiner Jugendwerke, wie jener edlen und anspruchlosen 
Fresken im Vorhofc von SS. Annunziata zu Florenz, jenes holden, tief 
gemüthvollen Bildes der Verkündigung im Palaste Pitti (Stanza di Giove, 
No. 124,  ursprünglich für die Klosterkirche S. Gallo bei Florenz gemalt 
und nachmals in S. Jacopo tra' Fossi aufbewahrt), bildet.
        

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