Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487406
Vergleichende 
Bau-Ordnungen. 
Darstellung griechischer 
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liehen Verhältnisses führt der Herauäg- 110011 die Ante des Tempels von 
Bassae an. Doch glaube ich, dass die Abhängigkeit der Antenbreite vom 
Architrav nicht als gemeingüllige Regel für dle griechische Baukunst auf- 
zustellen sein dürfte: beim Parthcllßn 11m1 demTheseus-Tempel von Athen 
ist die Ante an der entsprechenden Stelle (SfllaTVS Kupfern zufolge) noch 
beträchtlich schmaler, wie sie auch anderweitig vorkommt, wo keine Säu- 
lenstellungen auf den Langseiten vorhanden sind. In solchen Fällen ist 
sie nichts als der Abschluss der langen Cellenmauer für das Auge, ohne 
weiteren ccnstructivcn Grund. Ueberdies ist das Kupfer im englischen 
Originalwerk, welches den Aufriss der Ante des Posticums und des dar- 
über befindliehcn Gebälkes an dem Tempel von Rhamnus darstellt, unklar: 
es fehlt der Abschluss des Frieses, und der Architrav steht ohne Verbin- 
dung mit dem Untcrzugbbalken da,  so dass es in der That in Frage zu 
ziehen sein dürfte, wieviel Sicheres über diese Punkte die englischen Archi- 
tekten unter den Trümmerhaufen des Tempels aufgefunden haben. Gleich- 
falls ist nicht ansser Acht zu lassen, dass der genannte Tempel mannigfach 
einzelne Motive enthält, die von den pei-ikleischen Bauten zu Athen abweichen, 
und allerdings schon eine geringere Naivetät, ein Streben nach äusserlicher 
Consequenz zeigt, wie solches den Zeiten, welche der blühendsten Entwi- 
ckelung der Kunst nachfolgen, eigen zu sein pflegt 1118 Ellllelne dieser 
Motive einzugehen würde hier zu weit führen. 
Schliesslich muss leider ein Versehen des Herausgebers gerügt werden, 
welches wenigstens die Anfänger leicht verwirren kann. Er bezeichnet 
nemlich den zunächst hinter der Vorderfront des Tempels befindlichen Raum 
ausschliesslich mit dem Worte P orticus, den entsprechenden Raum hinter 
der Hinterfront als Posticum (im Gegensatz gegen den Opisthodom, die 
hintere Celle dieses Tempels) und die Siiulenhallen der Langseiten aus- 
schliesslich als Peristyle. Dies ist jedoch unrichtig, da bekanntlich Por- 
ticus nur soviel ist als Ilalle im Allgemeinen, besonders Säulenhallc 
jeder Art,  Peristyl soviel als die gesammte Säulenumgebung eines 
Raumes,  Posticum wiederum nur Hintertheil im Allgemeinen bedeutet, 
Opisthodom also mit in dessen Begriff eingeschlossen ist. 
T. 18. Muster doriseher Ordnung, nach gleichem Säulendurch- 
messer zusammengestellt: vom kleinen Tempel zu Pästum, von den Por- 
pyläcn zu Eleusis, vom T. der Diana Propyläa zu Eleusis, vom T. des 
Jupiter zu Nemea, vom Monumente des Thrasyllus zu Athen. Diese Zusam- 
menstellung hat den Zweck, die inneren Verhältnisse schwerer und leich- 
ter Ordnungen anschaulich zu machen, die  nach der Ansicht des Herausg. 
 in Folgendem bestehen: ,.Wir bemerken, dass die einzelnen Theile der 
Architektur, die Gesims- und Säulenhöhen, namentlich auch alle Glieder- 
ungen, eine mitdem verschiedenen Grössenmaasse in der Ausführung in 
Relation stehende Verfeinerung verbinden: besonders auffallend ist dies bei 
den Capitälen, diese sind an dem kleinen Dianen-Tcmpe1 weit Schwerer, 
als bei den grösseren Propyläen, am feinsten aber an dem noch grösseren 
Jupiter-Tempel, an welchem der Kranzleisten mit den Dielenköpfen bei- 
nahe schwach erscheint, und doch in der Wirklichkeit hinlänglich stark 
ist. Je grösgßf also der Maassstab ist, desto schlanker sind die Säulen, 
desto leichter die Hauptgesimse und desto feiner alle Gliederungen, ini 
Verliältniss zum unteren Durchmesser der Säule. Wir können hier nicht 
genug auf diesen wichtigen Gegenstand aufmerksam machen" etc.  Referent 
kann diese Ansicht nicht theilen: denn dieselbe ist keineswegs durch die
        

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