Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487318
416 
Berichte und Kritiken. 
llllS 
tll 
te-ra 
(Museum, 
N0 
1835, 
 Die Geschichte der Vaterländischen Kunst scheint nach und nach aus 
den Händen der Dilettanten befreit und einer ernsten vorurtheilsloscn 
Behandlung theilhaftig zu werden. Leere Verachtung und leerer Enthu- 
siasmus hören immer mehr auf; ein gründliches Studium, das allein für 
die Wissenschaft, wie für die Kunst, erspriessliche Folgen tragen kann, 
beginnt in deren Stelle einzurücken. Zwar, was die Geschichte der Malerei 
und Bildnerei betrifft, so sieht es in diesen Fächern allerdings noch ziem- 
lich traurig aus: wir kennen die Verzweigung italienischer Schulen bis 
ins allerkleinste Detail und wissen bei uns so gut wie nichts von dem, 
was vor Dürer und seinen Zeitgenossen geschehen ist (die Niederländer 
dürften nicht eigentlich den Deutschen beizuzählen sein); aber wir können 
uns in diesem Punkte wenigstens damit trösten, dass in den Fächern der 
Malerei und Bildnerei der Norden in der That dem Süden untergeordnet 
war, während die Baukunst bei uns (wie auch in andern cisalpinischen 
Ländern) eine ungleich höhere Stufe der Vollkommenheit erreicht hat, als 
in Italien. Und gerade für die Geschichte der mittelalterlichen Baukunst 
(zum Theil auch für deren Theorie) sind bereits nicht unwichtige Anfänge 
gemacht. 
Mit besondererFrerde machen wir unsere Leser auf eine neue kleine Schrift 
aufmerksam: "Architektonisch-historische Berichtigungen und 
Zusätze zu der Kleimschenliheinreise, von dem König]. Preuss. 
Bau-Inspektor von Lassaulx in Coblenz," die in einem beson- 
deren Abdrucke (66 S. in 8.) vor uns liegt. Der Verf. ist bereits als einer 
der thätigsten Beförderer des Boisseredschen Werkes über die „Denkmale 
der Baukunst vom 7ten bis zum 13ten Jahrhundert am Nicderrhein" 
bekannt (s. das Vorwort dieses Werkes); seine amtliche Stellung gestattete 
und gebot ihm die nächste Bekanntschaft mit den Bauwerken Rheinauf- und 
abwärts von Cobleuz. Die kleine Schrift bildet, wie sich aus dem Titel 
ergiebt, kein selbständiges Ganze und ist auch nicht reich an mannigfal- 
tigen Raisonnements; sie enthält aber eine solche Fülle wcrthvoller und 
kritisch gereinigter Notizen über einen der interessantesten Striche unseres 
Vatcrlandes, dass sie nicht nur dem reisenden Kunstfreunde erfreulich, 
sondern geradehin eine sehr wünschensiverthe Bereicherung der noch in 
den ersten Stadien begriffenen Wissenschaft zu nennen ist. Die Notizen 
sind sowohl historischer Art (wobei der Verf. aufs Löblichste der Eitelkeit 
der Reisebeschreiber und Lokalscribenten, überall von uralten Monumenten 
zu sprechen, die Wage hält), als auch technisdhe Bemerkungen über alte 
und neue Bauwerke, die nicht minder interessant sind. 
Wir geben die Uebersicht des Inhalts: 
Mainz: Treftliche Bemerkungen über, den Römern zugeschriebenes Mauerwerk 
im Allgemeinen (Vitruvs Emplekton). Der Dom'). St. Stephan. St. Quintin. 
i) Der Verf. bezeichnet den (östlichen Chor als Ueberrest des ersten Baues 
dieser Kirche im zehnten Jahrhundert. Ich linde unter meinen Notizen, die iuh 
vor einigen Jahren über den Mainzer Dom gemacht, noch eine etwas genauere 
Angabe. Nur der untere Theil dieser Ostseite nämlich  die Tribune bis zur
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.