Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487264
Vorstudien für Leben 
Btß. 
Kunst 
und 
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Typus, und obgleich jene Künstler einen grösseren Schritt in der Natur- 
anffassung wagen dürfen, als ihre Vorgänger. 
Eine nähere Bezeichnung der Schulen, in welchen sich, von Giotto ab, 
die italienische Kunst emporbildet, übergeht der Verfasser, und bemerkt 
vornehmlich nur, dass sich in dieser Beziehung am frühesten Toscana, 
Venedig und die umbrischen Städte unterscheiden lassen. Dies ist nicht 
richtig, indem Venedig erst mit dem fünfzehnten Jahrhunderte einiger- 
niaassen bemerklich wird (gleichzeitig mit den Schulen von Paduß, Fflrrara 
u. a.,  Bologna, Neapel u. a. beträchtlich früher), und _Umbrien in seiner 
besonderen Eigenthüinlichkeit kaum vor dem letzten Viertel dieses Jahr- 
hunderts auftritt. 
Der Verfasser geht nur auf den Entwickelungsgang der florentinischen 
Schule näher ein, Gietto wird von ihm in seinen besonderen Verdiensten 
um erweiterte Nnturauffassung ziemlich glücklich charakterisirt, in seinem 
eigentlich poetischen Werthe aber nicht genügend gewürdigt, und jenes 
eben angedeiiieten allgemeineren Verhältnisses, in dem_er zu seiner Zeit 
steht, natürlich nicht gedacht. Dass Giotto hauptsächlich Lebensbegeb- 
nisse der Heiligen dargestellt habe. ist übrigens nicht richtig; auch gehören 
dahin unter den vorhandenen Gemälden, die ihm mit einiger Wahrschein- 
lichkeit zugeschieben werden, nichts als die kleinen Tafeln mit Geschichten 
des h. Franciscus, die sich früher in der Sacristei von S. Croce zu Florenz 
befanden.  
Von Giotto springt der Verf. ziemlich schnell zum fünfzehnten Jahr- 
hundert über, und zwar unterscheidet er jetzt als nächste Fortentwickelung 
drei Richtungen. 
Die erste Richtung soll Fiesole bezeichnen. Diese Annahme ist ganz 
willkührlich. Fiesole, wie er in seiner klösterlichen Abgeschiedenheit 
waltete, steht auch fast ganz getrennt von den übrigen Florentinern da. In 
den allgemeinen Bezügen seiner Darstellungsweise zeigt er sich noch als 
abhängig von den Meistern des vorigen Jahrhunderts, und der besondre 
Ausdruck, den cr den Köpfen seiner Engel zu geben wusste, wird weder von 
Zeitgenossen noch von Nachfolgern aufgenommen. 
Die zweite Richtung bezeichnet der Verf. als das kämpfende Streben, 
welches den Gegensatz zwischen höchster Wahrheit des Inhalts und äus- 
serer YVeltlichkeit der Erscheinung zur Ausgleichung bringen wolle." Unter 
den Florentinern glänze in dieser Richtung zuerst Fra Filippo Lippi her- 
vor. Diese Angabe ist wiederum unhaltbar. Finden sich einige unter 
Filippos Bildern, die eine solche Richtung in Etwas bestätigen möchten 
(wie z. B. N0. 168, Abth. I. im Berliner Museum und ein ähnliches in der 
Flnrentiner Akademie], so zeigt bei Weitem doch die Mehrzahl seiner 
XEeI-ke, besonders seine Fresken zu Prato, in Auffassung und Darstellung. 
nur einen weltlich gemeinen Sinn, der sich eben nicht "von der Macht des 
gegenwärtigen Gottes überwunden fühlt." NtIGIkFlIIIJPO nennt der Verf. 
als Hauptbeispiele noch Sandro Botticelli, Filippino Lippi und Raifaellino 
del Garbo.  
Die dritte Richtung findet der Verf. in denjenigen florentinischcn 
Meistern repräsentirt, die, von der Sculptur ausgehend, besonders das Stu- 
dium des menschlichen Körpers, seiner Verhältnisse u. s. w. befolgten. 
Als ersten Meister nennr er hier den Andrea del Verocchio; Lorenzg (li 
Ci-edi jedeeh, den der Verf. an diesen anschliesst, durfte, obgleich ci- (195
        

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