Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487257
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Kritiken. 
Berichte und 
Wir haben es hier allein mit dein-Abschnitte zu thuu, welcher, am 
Faden der Geschichte, die Entwickelung der bildenden Kunst darlegt. 
Leider ist von diesem ganzen Abschnitte nur Weniges zu billigen. Der 
Verf. erscheint hier nur als ein Dilettant, der Einiges geistreich angesehen, 
Manches gelesen, Mehreres missverstanden hat, und der hieraus mit phi- 
losophischer Bequemlichkeit ein Ganzes zusammensetzt. Es ist nöthig, dies 
anscheinend missliebige Urtheil im Einzelnen zu rechtfertigen. 
Der Verf. beginnt damit, dass er Raphael als den Mittelpunkt der itali- 
enischen Malerei, als das eigentliche Ziel, auf welches die Geschichte ihrer 
gesammten Entwickelung hinarbeite, aufstellt, dass er ihn (wenigstens in 
gewissen Werken) als denjenigen betrachtet, welcher die Elemente christ- 
licher Kunst zuerst und am Vollendetsten zur Erscheinung gebracht habe; 
dass die übrigen Bedeutenden unter seinen Zeitgenossen nur in einseitiger 
Vollendung einzelner, schon mehr untergeordneter Richtungen ihre Stellung 
einnehmen. Es werden weiter unten einige Punkte berührt werden, die 
mit dieser, jetzt so allgemein beliebten Ansicht nicht wohl zu vereinigen 
sein dürften. 
Hierauf schildert der Verf. den Entwickelungsgang der italienischen 
Kunst bis auf Raphael. Treiflich ist zunächst die Charakteristik der früh- 
sten Periode christlicher Kunst, vor Allem jener grossen musivischen 
Gestalten, „welche nichts als eine weltbehcrrschende geistige Ruhe, Strenge, 
Macht und Heiligkeit ausdrücken." „Der Gegenstand allein (sagt der 
WlerfJ, nicht aber seine Wirkung auf's menschliche Innere und sein Leben 
und Weben im Kreise dieses Inneren, wird als das Wesentliche ergrillen und 
dargestellt."  Man kann die typische Kunstweise jener Periode zwar 
auch noch anders fassen, indem man mehr von dem Technischen  von 
dem ersten Kreise einer gewissen technischen Vollendung  ausgeht, aber 
man wird auch hier zu einem ähnlichen Resultate, wie das vom Verfasser 
ausführlich dargestellte, gelangen. 
Ueber Duccio und Cimabue geht der Verf. schnell hinweg , indem er 
von ihnen nichts zu sagen weiss, als dass sie sich die byzantinischen Werke 
zum Muster genommen und dieselben Gegenstände mit frischem Geiste er- 
griffen hätten. Vergebens erwarten wir eine Erklärung des merkwürdigen 
Phänomens, welches in der toskanischen Kunst des dreizehnten Jahrhun- 
derts aufleuchtet,  des plötzlichen und so äusserst glücklichen Studiums 
der Antike, welches sowohl in der Architektur (in der Facadc von S. Mi- 
niato bei Florenz und anderen Gebäuden) als auch in den meigtgrlichgn 
Sculpturcn des Nicola Pisano auf's Entschiedenste hervortritt und welches 
ebenso in Ciinabues YVerken und vornehmlich in Duccio's wuudersamem 
Altarbilde ersichtlich ist. Ein Phänomen, das ebenso plötzlich, wie es zu 
solchem Glanze auftaucht, auch wiederum fast spurlos verschwindet. 
Die neue Periode, welche der Verf. mit Giotto beginnt, dehnt er bis 
auf BaphaTs Zeit aus. indem er in ihr eine ununterbrochene Vorbereitung 
bis auf diesen Punkt hin wahrzunehmen glaubt. Dies ist jedoch nicht zu 
billigen, indem in der That die Meister des fnnfzehnten Jahrhunderts im 
Allgemeinen ebenso bestimmt von denen des vierzehnten geschieden werden 
müssen, als diese von denen des dreizehnten Jahrhunderts. Giotto und 
seine gesamrnten Mitarbeiter und Nachfolger im vierzehnten Jahrhundert 
stehen wiederum noch unter der Herrschaft einer typischen Darstellungs- 
weise, obgleich dercn Gesetz minder drückend ist wie das des byzantinischen
        

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