Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483347
Werinher 
V01! 
'l'egerusee 
etc. 
zugleich auszeichnet, ist sein episches, mit Bildern versehenes Gedicht vom 
Leben der Maria. Hierüber wird weiter unten das Nähere folgen.  
Sonst werden auch noch andre Gedichte von ihm aufgeführtl). 
Die Bilder einer Biblia Pauperum, welche sieh in Tegernsee befand, 
glaubte man ebenfalls als eine künstlerische Arbeit Werinhers bezeichnen 
zu dürfen, der grossen Aehnlichkeit zufolge, Welche sie mit den Bildern im 
Leben der Maria hatten 2). 
Endlich erscheint Werinher, wie in andern Wissenschaften, so nament- 
lich auch in der Geographie erfahren. Er verfertigte unter Anderm eine 
Karte, wozu ihm Rupert auf Bitten eines Freundes die nöthige Unterstützung 
angedeihen liessa).  
In seinem Alter sehen wir ihn den friedlichen Geschäften des Garten- 
baues hingegeben. Er legte Gärten mit nützlichen, heilbringenden und 
wohlriechenden Kräutern, wie in Tegernsee, so auch in Benedictbeuren an. 
Wir ersehen dies unter Anderm aus einem an Werinher gerichteten Briefe, 
der im Uebrigen zugleich ein wahrer Panegyrikus auf die _Fülle seiner 
Weisheit und seiner Tugenden ist und uns eine Andeutung giebt, W16. er, 
nach jenen Stürmen seiner jungen Zeit, sich das höchste Gut geistiger 
Ruhe zu eigen gemacht hatte. Es mag, in diesem Betracht. genügen, den 
Anfang des Briefes folgen zu lassen:  
„An W., den liebenswürdigen Philosophen Christi und den gelehrtesten 
Kämpfer des lorbeerbekränzten Heerführers Quirinus, von F., dem untersten 
der Brüder des heiligen Benedictus und dem unwürdigen Schüler seines 
Vaters.   
„Wenn wir uns auch freuen der Tugend und der Weisheit Gottes in 
dieser glückseligen Congregatioxi und in dem liebevollen Beisammensein 
der Freunde, so ist unser Liebstes doch die besondre Süssigkeit des Bun- 
des mit Dir, gelchrtester Meister, dessen starkes Gebet, nach unsrer Zu- 
versicht, auch für uns das Meiste gelten wird und von dem wir, treülißher 
als von zahllosen Freunden, Alles hoffen. Denn es herrschen in Dir, der 
Du der Schrein des himmlischen Geldes bist und der Tugenden sorglichste 
Amme und Hüter, evangelische Demuth und deren Wurzel, vollkommene 
Liebe, von denen entsprossen sind die beiden Zwillingsschwestern, die auf 
Deinen Weg kamen und bei Dir blieben, Erbarmen und Wahrheit. Sie 
umfassest Du, geraden Schrittes zum Centrum der Glückseligkeit emporstei- 
1) Eccardi cateches-is Theotieca, pag. 112.  2) Günthner, a. a. O. S. 369. 
 S) P62, {VW 11" P3; 55, n. 92. Günthner (S. 298) hält diese Karte für die 
sogenannte Peutingensche Tafel und giebt dafür seine Gründe an. Mannert in 
seiner Ausgabe derselben (Tabula ltineraria Peutingeriana, primum aeri incisa 
et ed. a Fr. Chr. de Scheyb 1753, clenuo cum cudice Vinduboni collata, emen- 
data et nova C. Mannerti introductione instructa studio et operra Academiae lit. 
reg, Monaceneis, Lipsiae 1824) übergeht Giinthners Angabe mit Stillschweigen 
und sagt nur (S. 21), der Verfertiger sei ein nicht weiter bekannter Mönch deS 
13. Jahrhunderts. Die drei menschlichen Figuren, welche hier bei der Darstel- 
lung von Roma (Segm.  von Oonstantinopolis (Segm. VIII.) und von An- 
tiochia (Segm. X.) vorkommen, sind in dieser Ausgabe zu ungenau wiederge- 
geben, so dass sich über den Styl der Zeichnung keine nähere Bestimmung 
fassen lässt. Die Form der Kronen jedoch, die sie tragen, ist minder einfach, 
als die in den Bildern des Lebens der Maria und erinnert in der That mehr 
an das 13. Jahrhundert. Auch sind die vorkommenden Bäume, die zwar sehr 
klein gezeichnet sind. nicht stylisirt, was bei Werinher stets der Fall ist.
        

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