Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487199
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Italienische 
Studien. 
Meister Stephan; die alte Typik liegt noch zum Grunde, aber es ist doch 
bereits viel frische Lebensauffassung da. Uebrigens sind es vornehmlich 
auch die Köpfe, was deren Bildung im Allgemeinen und was namentlich 
die jugendlichen Profile anbetrifft, die jenes typische Gesetz zeigen. Ich 
möchte sagen: das Bild wirkt, bei allem Reichthnm der Darstellung, mehr 
durch das liebenswürdige Gefühl des Künstlers als durch seine freie 
reelle Kraft." 
Ziehe ich nun noch einen Ilüchtigen Vergleich dieses Bildes mit dem 
ebenerwähnten unter N0. 1130 der Berliner Gallerie, so erscheint das letz- 
tere unbedingt alterthümlicher; es ist weicher giottcsk und im Gefühl für 
die Gestaltung noch minder entwickelt. Die Madonna auf der Anbetung 
der Könige hat in ihrer Totalität ungleich mehr Grazie als die des andern 
Bildes; ihre (linke) Hand ist ungleich edler und reiner gebildet; auch das 
Christkind, auf dem andern Bilde nicht von gar erquicklicher Form, erscheint 
hier bereits in schöner, edler Fülle. Die Behandlung ist im Ganzen, bei 
etwas geringerem Schmelz des Tones, entschiedener; es hat sich augen- 
scheinlich mit der alterthümlich giottesken Grundlage bereits eine Ein- 
wirkung wie von paduanischer Seite her verbunden. Bei alledem aber 
bleibt die Naivetät der Erscheinungen, zumal bei der lustigen Pracht des 
bunten Kostüms, höchst anziehend. 
In der Berliner Gallerie hat die Anbetung der Könige den Namen des 
Gentile verloren. Der Katalog bezeichnet das Bild gegenwärtig als Werk 
des Antonio Vivarini und seines Schülers Bartolommeo Vivarini,  aus 
welchem Grunde und 0b aufßeobachtuugen hin, wie die eben angedeuteten, 
wird leider nicht gesagt.  
Die in der Berliner Gallerie befindliche Tafel mit sechs kleinen Dar- 
stellungen aus dem Leben der Maria, welche früher (damals unter I, N0. 144) 
als ein Werk des Gentile verzeichnet war,  eine Annahme, gegen die ich 
mich im Obigen, S. 389 Anm. , ausgesprochen hatte,  wird gegenwärtig 
(unter der veränderten No. 1058) der "Schule des Gentile da Fabriano" 
zugeschrieben.
        

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