Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487189
III. 
Notizen 
iber 
den 
Gentile 
Maler 
da 
Fabriauo. 
403 
wir hier gleichfalls eine kurze Notiz mittheilen wollen. Es ist ein Altar- 
bild mittlerer Grösse von Gentile da Fabriano, Eigenthum Sr- K. H. 
des Kronprinzen und durch Hrn. Geheimrath Bunsen in Rom erworben. 
(Ursprünglich befand sich dasselbe, soviel wir wissen, in Fabriano, dann 
in Osimo, von wo es später erst nach Rom gebracht Ward-l Die Originali" 
tät des Bildes wird durch die ächte Inschrift des alten Rahmens: Gentilis 
de fabriano pinwit, bezeugt. Es ist auf Goldgrund gemalt und stellt eine 
ihronende Madonna mit dem Kinde, auf der einen Seite neben ihr die hei- 
lige Katharina, auf der andern einen heiligen Bischof, welcher der Madonna 
den knieenden Donator empfiehlt, dar. Neben dem Throne stehen zwei 
Bäumchen, aus deren Kronen, gleich Rosenblüthen, zahlreiche Halbiiguren 
kleiner rosenfarbener Engelchen, auf den mannigfachsten Musik-Instrumen- 
ten spielend, hervorwachsen. Die Gestalt der Madonna wird von ihrem 
weiten Mantel in schönen weichen Falten umgeben, doch ist sie sonst nicht 
sonderlich bedeutend. Auch der Bischof spricht wenig an; das Prolil des 
Donators dagegen ist tüchtig und fast in der Weise des Masaccio, nur 
etwas weicher, gemalt. Aber die Gestalt der heiligen Katharina giebt ein 
Beispiel von der ganzen liebenswürdigen Grazie dieses merkwürdigen Künst- 
lers; ihre Stellung. Geberde und Gewandung zeigt auf charakteristische 
Weise die ihm eigne durchgebildete Anmuth. Sie trägt ein röthliches, 
Blumen-gesticktes Kleid mit sehr weiten Hängeärmeln und einen hellblau- 
liehen Mantel, beides mit feinem weissem Pelz gefüttert. Die Drapirung 
ist mit grossem Geschmack geordnet und erinnert glücklich an jenes Streben 
nach romantischer Pracht, worin Gentile in seinen wenigen bekannteren 
Bildern so schöne Erfolge hervorgebracht hat; eben so ist auch das Gesicht 
der Heiligen von lieblichem, kindlich heiterem Ausdrucke. Bei der grossen 
Seltenheit von Gentile's für die Geschichte der italienischen Kunst so 
interessanten Gemälden muss das in Rede stehende, wenn es auch nicht als 
ein Hauptwerk zu betrachten ist, gleichwohl von sehr grossem Werthe seinft 
 Gegenwärtig (1851) findet sich dies Gemälde unter No. 1130 der Berliner 
Gallerie eingereiht.  
Auch das iigurenreiche Gemälde der Anbetung der Könige aus der 
Sammlung des (inzwischen verstorbenen) Craglietto zu Venedig, welches 
im Vorstehenden (S. 396, f.) besprochen ist, befindet sich jetzt, unter 
NO- 5, in der Gallerie des Berliner Museums. Ich habe mir erlaubt, in der 
bezüglichen Anmerkung das in der ersten frischen Begeisterung für die 
Kunst des funfzehnten Jahrhunderts niedergeschriebene Urtheil stehen zu 
lassen, wie ich es bei der ersten Bekanntschaft mit dem Bilde im Jahr 1835 
in mein Notizbuch eingetragen hatte. Wenigstens hat mich hiebei  wie 
in hundert andern Fällen dieser Sammlung  der Gedanke geleitet, dass 
für die Auffassung künstlerischer Dinge manche Entwickelungsstufe und 
{Tlanche Stimmung ihr Recht habe und das Urtheil, Wie es auch im Laufe 
der Jahre reifen möge, doch nicht bestimmt nach einem Normalleisten 
ubznmessen sei. So darf ich vielleicht auch eine zweite Notiz, vom Jahr 
1842, die ich unter meinen Papieren vorfinde, hier einreihen. Das merk- 
würdige Bild schien damals nur auf vorübergehenden Besuch nach Berlin 
gekommen zu sein. "Das Bild hat (so schrieb ich damals) ganz das Gepräge. 
1118 0b der Meiste;- aus einer Schule von Miniatoren hervorgegangen sei,  
sowohl in der Auffassung, in der das heiter Ritterliche der Miniaturen 
entschieden nachklingt, als auch in dem, fast Fiesolanisch-Conventionellen 
der Behandlung. Die Stufe der lüntwickelung ist ungefähr die des Kölner
        

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