Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487084
III. 
Notizen 
Maler 
den 
über 
Gentile da Fabriano. 
393 
annehmen, dass Gentile sich nach dem nahebelegenen Citta di Castello 
begeben und dort jene zahlreichen Arbeiten, von denen Vasari spricht, 
ausgeführt habe. Nach dem, was mir Hr. Prof. Gio. Bat. Vermiglioli über 
Gitta di Castello berichtet, ist dort nichts mehr von Gentiles Arbeiten zu 
finden: "Ich habe (schreibt er) die sorgfältigsten Nachforschungen mehrfach 
"wiederholt, aber ohne Erfolg. Von ihm ist kein Gemälde vorhanden: 
"man hält nur dafür, dass die vier oder fünf Tafeln mit Geschichten des 
"heiligen Franciscus, die ich früher im Professorinm der Conventualen 
ngesehen hatte, von ihm gemalt gewesen seien; aber sie_wurden mit dem 
"Gebäude, darin sie sich befanden, in dem Erdbeben von 1789 vernichtet."  
Ebenso glaube ich, dass in diese Zeit die Arbeiten gesetzt werden 
dürften, welche er in Gubbio lieferte, einer Stadt, die damals, wie bereits 
oben bemerkt ist, viele und sehr werthgeachtete Künstler besass, so dass 
das Talent Gentile's um so bedeutender hervorleuchtcn musste, je grössere 
Nebenbuhler ihm dort gegenüberstanden. Die Künste waren nach dem 
Verfall, der für lange Zeit alle geistige Bildung in Italien unterdrückt hatte, 
wieder erwacht und Gubbio sah den ersten Schimmer dieser glücklicheren 
Zeit in jenem Oderigi, den Dante selbst bezeichnet als 
„Agobbio's Stolz, die Zierde jener Kunst, 
"Die in Paris man heisst llluminiren" i), 
Und wie man sich überall in einem cultivirten Lande nicht mit dem 
einmal Hervorgebrachten begnügt, so waren auch auf diesen vorzüglichen 
Künstler andre gefolgt, die ihm im Verdienste nicht nachstanden; und 
Gentile hatte bereits mit den Nelli und Nucci, die sich in jenen Tagen 
eines ehrenvollen Rufes erfreuten, zu wetteifern. Als ich Gubbio besuchte, 
um die Kunstwerke kennen zu lernen, welche diese Stadt, theils in den 
Zeiten ihrer Freiheit, theils unter der Herrschaft der prachtliebenden Fel- 
treschen hervorgebracht hat, wandte ich alle meine Sorgfalt an, um zu 
entdecken, was vielleicht noch von der Hand unsres Künstlers übrig geblic- 
ben sein möchte; aber meine Bemühungen waren vergeblich, nicht blos in 
Gubbio, sondern auch in einigen andern Städten Italiens, wo die Geschichte 
oder die Tradition uns von Arbeiten Gentileis Kunde hinterlassen hat, wo 
aber von seinen bewunderungswürdigen Werken keine Spur mehr anzu- 
treffen ist 2]. Nur zu oft ist Italien auf allen Punkten jenen traurigen 
Wechselfällen unterworfen gewesen, die es seiner schönsten und edelsten 
Schätze beraubt und nichts als nur das Andenken jener grossen Männer 
hinterlassen haben, deren Geist und Talent den Ruhm des Landes unsterb- 
lich machten.  
Ein ähnliches Schicksal betraf auch eine der Arbeiten, die vorzugs- 
weise zur Verherrlichung Gentiles gereichte und die er in seiner Vater- 
obgleich sie ihnen an Liebenswürdigkeit und Anmuth verausgabt, Jedenfans 
lassen die Gemälde, die man mit dem Namen 565 Bßnedetto belegt, einen ent- 
Sßhiedenen Nachahmer Gentile's erkennenä so dass eine Verwechslung der Werke 
beider im einzelnen Falle leicht denkbar 1st. Vergl. übrigens mein „Handbneh 
der Geschichte der Malerei" etc. Bd. I, S. 56, 8-11. A. d. Uebs.]  
1) Lümor dßlgobbio, e Ponor di quell" arte, 
("IV alluminare e chiamata in Parigi 
 2) Suue aniiche pitture di Gubbio. Lettern del Marchese Amico Ricci al 
Sig. Oonte Leonardo Trisi nodi Vicenza. Gwrnale Arcadico. Novembre 1827. 
P. 350.
        

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