Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487037
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ltaliexiische Studien. 
des Macedoniers Pamphilus, des Lehrmeisters des Apcllcs, wieder einzu- 
gehen bemüht war l). 
Nur kurze Zeit verweilte Gentile im Vaterlande, und es ist zweifel- 
haft, wer sein erster Meister in der Kunst gewesen ist. Wenn man jedoch 
bedenkt, dass Fabriano in jener Zeit nicht von tüchtigen Malern entblösst 
war, so stimmt man gern der Meinung eines gewissen Schriftstellers bei, 
welcher dem Alle gretto Nuzii den Ruhm einer solchen Lehrerstellung 
giebt 2). Letzterer war einem gewissen Tio Francesco gefolgt, welcher 
die Freskomalereien im Oratorium des heiligen Antonius Abbas in seiner 
Vaterstadt trefflichst gemalt hatte; und man kann sagen, dass er seinen 
Meister um ein Bedeutendes übertroffen hatte, wie sich dies aus der Ver- 
gleichung der Werke, die wir von ihnen sowohl in Fabriano wie in 
Macereta besitzen, ergiebt. Ungewiss jedoch, 0b ich diesem vorausgesetzten 
Verhältniss des Allegretto zum Gentile Glauben schenken dürfe, habe ich 
mich häufig bemüht zu untersuchen, 0b der Styl des ersteren mit dem, 
welcher in den früheren Werken des Gentile zu erscheinen pflegt, ver- 
glichen werden könne. -Es ist in der That eine schwierige Sache, mit 
Sicherheit über die Malereien des vierzehnten Jahrhunderts zu urtheilen; 
die Unterschiede, die zwischen den Werken des einen und des andern 
Künstlers hervortreten, sind nur allzu gering. Doch glaubte ich, was mein 
Gefühl anbetriiTt, durch das Gemälde des Allegretto, welches wir in der 
Sakristei des Domes von Macerata besitzen, der Sache näher geführt zu 
werden; der Kopf des heiligen Antonius ist auf diesem Bilde mit einer 
solchen Feinheit ausgeführt, dass dieser Künstler bereits hinlänglich eine 
vorzügliche Ausbildung des Colorits erkennen lässt; die Abstufung der 
Tinten, die Wahrheit des Ausdruckes ist so bedeutend, dass gerade er vor 
allen anderen geeignet sein durfte , seinen feineren Geschmack auf Gentile 
zu vererben 3). Vasari will ihn zum Schüler des Beato Angelico da 
1) Piero della Franeesca schrieb einen Traetat über die Malerei und 
die Linear-Perspektive. Dies geht aus einem Werke des Frate Luca di B ergo 
S. Sepolcro, eines Mathematikers des 15. Jahrhunderts, hervor, welches folgende 
Dedikation hat: Ad illustrissimum Principem Guid. Ubaldum Urbim" Ducem 
Montis Feltri Durantis Oomitem  Graecis latinisq. litferis Amantissionuvn: et 
Arithmeticae disciplinae cultorem ferventissimum  Fratris Lucae de Burgo 
Sancti Sepulchri  Ordinis Minar  Sacrae Theologiae Magistri  In artes 
arithmeticae, et Geometriae etc. In dem Widmungsschreiben drückt sich der 
Verfasser folgender Gestalt aus: „Die Perspektive, wenn man sie wohl betrach- 
„tet, würde ohne Zweifel nichts gelten, wenn sie nicht auf der Geometrie begrün- 
„det wäre. Dies beweist vollständig der Fürst der Malerei unserer Zeit, Meister 
„Pietro diFraneeshi, unser Landsmann, der stete vertraute Diener Eures Durch- 
„lauehtigsten Hauses, in einem kurzgefassten Tractat, den er über die Malerei 
"und die Linear-Perspektive (la lineal forza in prospectiva) verfasst hat und 
,.der sich gegenwärtig in Eurer vortrefflichen Bibliothek, neben der zahllosen 
"Menge andrer Werke aus sämmtliehen Fächern der Wissenschaft, befindet." etc. 
 2) In einem alten Manuscript eines anonymen Autors von Fabriano, welches 
ich selbst eingesehen, wird es mit Bestimmtheit ausgesprochen, dass Allegretto 
di Nuzio von Fabriano der Meister des Gentile gewesen sei.  a) Das angeführte 
Bild stellt die heilige Jungfrau auf dem Throne dar, das Kind auf ihren Armen, 
und viele Heilige umher; auf der einen Seite neben ihr S. Antonius Abbas, 
auf der andern S. Julianus. Unter dem Bilde liest man folgende Inschrift? 
Istam tabulam fecit ßerri Frater Johannes Olericus praeceptor Tolentini. A. D. 
MCOOLXVIII. Allegrettus de Fabriano pinxit MOCCLXVIII. [Vermuthlich 
von demselben Meister rührt ein kleines Gemälde iu der Gallerie des Ber-
        

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