Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1487004
Von 
Malern 
älteren 
den 
Neapefs. 
385 
ganze Gestalt eines im Vorgrunde knieenden Mädchens.  Schön, bewegt 
und würdig ist endlich auch eine Kreuzabnalimß (I, NO- 130)- 
Sehr Vieles von ihm findet man ferner in den Kirchen Neapeyg, so 
z. B. in S. Domenico maggiorß, in de1_ Kapelle des heiligen JosePh- 61116 
sehr anmuthige Madonna, die ihrem Kinde die _Bi'ust zu reichen im Begrid 
ist.  Gleichfalls ein tüchtiges Bild, und 191 1111392111611 Sehr Schön, doch 
schon ohne die Innigkeit der früheren ist ein heiligenLaurentius, im Seniif 
derselben Kirche.  Mehr tritt, wie bereits bemerkt, in noch späteren B11. 
dern jenes manierirte Wesen der Künstler M011 Raphael 6111, 110011 immer 
so, dass sie im Einzßlnen stets noch Bedeutendes behalten und sich meist 
durch schöne Köpfe auszeichnen. Dahingehören z. B. eine Kreuzabnahme 
in S. Severino, eine Himmelfahrt Mariä im Museum (i, lhlo. 136), u. a. m. 
 Dass seine Schüler, wie sich aus zahlreichen Beispielen ergiebt, vor- 
nchmlich die letzte Richtung befolgten, liegt 111 der Natur der Sache. 
Noch bemerke ich, dass ich in S. Lorenzo maggiore, in der Kapelle, 
welche jenes wunderthätige, dem Maestro Simone oder dem Colantonio 
zugeschriebene Christusbild enthält, al fresco gemalte Darstellungen aus 
der Passion Christi gegeben habe, welche im Einzelnen Bedeutsames, fast 
wiederum nach der Art des Sodoma enthalten, so dass ich auch diese dem 
Andrea zuschreiben möchte. 
Es scheint, dass fast gar keine Werke des Andrea sein Vaterland ver- 
lassen haben. Nur so kann man es begreifen, wie dieser höchst ausge- 
zeichnete Schüler RaphaeYs so wenig bdrannt geworden ist, während er 
doch mit den übrigen Schülern wenigstens auf gleiche Stufe gestellt zu 
werden verdient. Denn, in der That, ich wüsste nicht, was der unsaubere 
und renomrnistische Giulio Romano (ich kenne unter seinen Werken m11- 
sehr wenig wahrhaftig Schönes);  was Garofalo, der sich nur selten aus 
seiner typischen Gleichförmigkeit cmporzureissen vermag,  was Bagna- 
cavallo, der nicht eben höher steht, als Garofalo,  was der kümmerliche 
Penni, der niittelmässige Perin del Vaga, und wie sie sonst heissen mögen, 
gerade vor diesem Künstler voraus haben sollten, der zwar kein Genie des 
allerersten Ranges ist, der aber in glücklichen Momenten Werke zu schaf- 
fen vermochte, die allezeit einen erbaulichen und erfreulichen Eindruck 
machen müssen.  
Bekannter, als die bisher erwähnten Meister, sind die der späteren 
Kunstepoche, besonders wo es sich um den Streit der Naturalisten und 
Eklektiker handelt. Ich beschliesse somit diese Betrachtungen, indem ich 
es mir für ein andres Mal vorbehalte, auf letztere, sowie auf die öfter 
berührte reiche Gemälde-Galleric des borbonischen Museums zurückzu- 
kommen. 
Kugler, KI 
ine Schriften
        

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