Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486977
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Studien. 
Italienische 
lige Jungfrau mit dem Kinde, von Heiligen umgeben. Das Bild erinnert 
noch mehr, als wir es bei den Staifeleibildern des Meisters fanden, an die 
Art des Pcrugino; aber es ist leichter gehalten und härter und wviedcrum 
mit Anklängen an die oberdeutsche Schule.  Andre Bilder ebendasclbst, 
in der Kapelle des heiligen Dominicus, welche ein älteres Bildniss dieses 
Heiligen umgeben und ebenfalls für eine Arbeit der beiden Brüder gelten, 
erschienen mir beträchtlich moderner. 
Sehr trefflich sind zwei Bilder in S. Maria 1a Nuova, in der Kapelle 
des heiligen Franciscus, die dem Pietro zugeschrieben werden. Sie stellen 
die heilige Agatha und die heilige Lncia dar und stehen zu den Seiten 
eines Franciseusbildcs, welches ungleich roher ist. Beide sind sehr gross- 
artig in der Gewandung gehalten, die eine mit anmnthigst zierlicher Hand- 
bewegung. 
Von eben demselben ist im Museum (l, No. 91) eine heilige Jungfrau 
auf dem Throne mit Engeln, ein schönes mildes Bild, in welchem ich 
mehr niederländische als oberdeutsche Anklänge zu finden glaubte.  Eine 
Kreuzigung (I, N0. 55) ebenfalls vom Pictro, ist ein kleines Bild, schön 
und lebendig gemalt. Dies erinnerte mich in Etwas an die älteren Vene- 
tiancr,  eine Richtung, die wir in der neapolitanisehen Schule am Schlusse 
des funfzehnten Jahrhunderts noch hervortreten sehen werden.  Eine dem 
Ippolito (der beträchtlich früher starb als der Bruder) zugeschriebene Kreu- 
zigung (l, No. 11) ist alterthümlich strenger und schlichter gehalten. 
Zwei tüchtige Bilder in der Sacristei von S. Angele a Nilo, die dem 
Tommaso de' Stefani, einem Zeitgenossen des Cimabue, ohne Urtheil zuge- 
schrieben werden, schienen mir der Art und Weise der Donzelli wohl 
entsprechend. 
Für einen andren Schüler des Zingaro gilt Simone Papa il veechio, 
obgleich seine Arbeiten eine abweichende Richtung zeigen, und zwar eine 
ganz entschiedene Abhängigkeit von niederländischer Art und Weise. 
Jedenfalls dürften seine Werke mit dem obenerwähnten heiligen Hierony- 
mus, den man dem Colantonio del Fiore zuschreibt, in Verbindung zu 
bringen sein, obgleich sie nicht so bedeutend sind und eine gewisse 
schwächliche Gemüthlichkeit zur Schau tragen. Von ihm sah ich nur 
einige Bilder in der Gemäldegallerie des Museums: Eins mit dem heiligen 
Hieronymus, dem Erzengel Michael und den beiden Johannes (l, No. 47); 
 ein andres, Welches die heilige Jungfrau mit dem Kinde und in der 
Ferne die Kreuzigung vorstellt (l, No. 74), dies, wie Colantonids Hierony- 
mus, in der mehr langfaltigen Gewandung etwas von der Eycldschen Weise 
abweichend;  und ein grosses Bild (ll, No. 225), welches in der Mitte 
den Erzengel Michael, zwei Ileilige und die Donatoren auf seinen Seiten 
darstellt. Das Bild ist im Ganzen tüchtig, ernst und naiv, wenngleich 
nicht grossartig durchgeführt. Die Gesammtanordnung, die Landschaft, 
vornehmlich der Erzengel sind ganz in niederländischer Art behandelt 
(letzterer dem heiligen Michael des Danziger Bildes ähnlich); die andren 
Figuren haben wiederum etwas mehr Alt-Vcnezianisehes. 
Von Nicola di Vito, ebenfalls einem Schüler des Zitigaro, sieht man 
im Museum (I, No. 31) einen trefflichen, aber sehr streng gemalten Erzengel 
Michael.  Dieser Nicola ist der Pulcinell der Neapolitaner Künstlcrge- 
schichte, ähnlich wie der alle Butfalmaco bei den Florentinern. Man 
erzählt von ihm allerlei Eulenspiegeleien: wie er z. B mit einem gemalten 
gespenstischen Koyife, den er auf eine Stange gesteckt und diese mit Kleidern
        

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