Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486963
den 
Eilteren 
Malern 
NeapePs. 
381 
Das neunte Bild enthält die Geschichte der heiligen Jünglinge Placidus 
und Maurus, welche vom heiligen Benedict in seinen Orden aufgenommen 
werden, Dies ßiid ist sehr tigurenreich und zeigt in den Köpfen mehrfach 
Härteres und zugleich mehr charakteristische Individualität als die früheren. 
Merkwürdig ist dies Bild besonders dadurch, dass in demselben, unter den 
Zuschauern der Handlung, des Künstlers eignes Portrait enthalten ist. Er 
steht, dem Bcsehauer zugewandt, in seinen Mantel gehüllt und einen Pinsel 
in der Hand; Gestalt und Gesicht sind die eines derben kräftigen Mannes 
von etwa 35 Jahren. Er trägt langes braunes Haar und ein schwarzes 
Barett. Hinter ihm schaut ein jüngerer Mann hervor, den man für seinen 
Gehülfen bei der Ausführung der Fresken hält; dieser hat auch etwas Derbes, 
aber mehr Phantastisches im Gesichte als der Meister; er trägt dickes 
schwarzes Haar und ein rothes Barett. 
Das vierzehnte Bild stellt ein klösterliches Mahl dar und zeichnet sich 
wiederum durch die treffliehsten Köpfe, wie auch durch die sehr wohlge- 
lirngene Anordnung des Mahles aus 1). 
Im sechzehnten Bilde sieht man ein Wunder, das bei dem Bau des 
Klosters von Montecassino vorgefallen ist. Man sieht Mönche, die sich 
bemühen, einen grossen Stein mit Hebeln fortzubcwegen; auf dem Stein den 
Teufel in Gestalt eines katzenartigen Affen, der durch sein Gewicht ihre 
Arbeit vergeblich macht, und daneben den Heiligen, der ihn seiner Wege 
gehen heisst. Vortreftlich sind hier die angestrengten Bewegungen der 
mühsam arbeitenden Mönche ausgedrückt. 
Das siebzehnte Bild besteht nur aus einer, durch den oberen Halbkreis 
begränzten Lünette, indem sich darunter ehemals eine Thür befand. Dies 
Bild enthält eine reizende Landschaft und zwei Männer im Vorgrunde, die 
in schöner Naivetät neben einander sitzen und sprechen. 
Ausgezeichnet ist endlich auch noch das achtzehnte Bild, wo ein jun- 
ger Mönch, durch den Einsturz einer Mauer beim Bau des Klosters erschla- 
gen, vor den Heiligen gebracht und durch ihn wieder lebendig gemacht. 
wird. Sehr schön sind hier vornehmlich die Nebenfiguren, welche dem 
Wunder zuschauen; so wie die wohlerhaltene Gruppe im Mittelgrunde, wo 
der blutende Jüngling dem Heiligen entgegen getragen wird.  
Die bedeutendsten Schüler des Zingaro sind die beiden Brüder Pietro 
und lppolito Donzelli. Von ihnen sieht man ein sehr schönes Bild 
in_ S. Domenico maggiore, in der Kapelle des heiligen Sebastian, eine hei- 
1) An dem Basament eines Pfeilers der auf diesem Bilde dargestellten Archi- 
tektur finden sich die folgenden Schriftzeichen, deren Ausdeutung vielleicht 
bestimmter auf die Person des Malers, der jene Fresken gefertigt, führen könnte:
        

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