Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486857
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Italienische 
Studien. 
flauen Berichte Lanzi's, der von der älteren neapolitanischen Kunst nichts 
Selbst gesehen hat, oder wenn man gar Vasari's hochfahrende ABIISSETIIDgGD 
 er allein will erst die Geister dieses Staates zu grossen Leistungen 
geweckt haben  als Maassstab nimmt.  
Indess habe ich hier und dort in Neapel recht sehr Beachtenswerthes 
von älterer Malerei gefunden, und ich glaube, dass eine Mittheilung dessen 
den Lesern dieses Blattes nicht gerade unangenehm sein wird. Freilich 
muss ich dabei bemerken, dass ich nur in der Weise eines Durchreiscnden 
verfahren konnte und dass mir gewiss noch vieles Wichtige entgangen sein 
wird; sodann, dass es noch an allen dokumentlich historischen Vorstudien 
fehlt und ich einzig Dominicfs oft zweifelhafte Autorität  vor mir hatte. 
Doch kann das Folgende wenigstens dazu beitragen, einige Aufmerksamkeit 
auch auf diese Region der Kunstgeschichte zu wenden, und vielleicht andre 
Kunstforscher, denen ein längerer Aufenthalt in Neapel und eine Einsicht 
in die etwa vorhandenen archivarischcn Dokumente vergönnt ist, zu gründ- 
licher Bearbeitung des bisher Versäumten anzureizen. 
Am Nordende der Stadt, unter dem Berge von Capodimonte, liegt das 
alte Kirchlein S. Gennaro de, poveri, neben dem sich der Eingang in die 
Katakomben beiindet. Dies sind nicht, wie die Katakomben Roms, 
schmale Gange, durch die man sich mühsam hindurchwinden muss, sondern 
mächtige unterirdische Hallen, die man in den Fels gehauen hat, mit vielen 
Kapellohen und voller Gräber und Gebeine; eine fabelhafte Unterwelt, in 
der die Fackeln und einfallende Tageslichtcr ein wundersames Spiel durch- 
einander treiben. Hier und dort sieht man noch die Reste alter Wand- 
malereien, so an dem Gewölbe der vordersten Kapelle einen riesigen Chri- 
stus und mehrere Heilige im byzantinischen Style. An andern Stellen 
gehören die Malereien einer noch früheren Periode christlicher Kunst an; 
in diesen erkennt man, trotz der ziemlich rohen Ausführung, doch noch 
entschieden die edlere Zeichnung und den pastosen Farbenauftrag der 
Antike.  Die Wiandmalereien der römischen Katakomben sind verschwun- 
den und über die Eigenthümlichkeiten ihrer Ausführung geben uns die 
Kupfer bei Bosio und seinen Nachfolgern keine Auskunft. Die Katakomben 
Neapels dürften somit die einzigen Beispiele von Malereien eines so bedeu- 
tenden Maassstabes aus den ersten Zeiten christlicher Kunstäusserung ent- 
halten. Leider sind von denselben jedoch auch nur noch geringe Reste 
vorhanden und auch diese gehen, durch die Feuchtigkeit des Ortes und 
mehr noch durch den Unverstand der Führer, wclchc sie bei jedesmaliger 
Besichtigung immer mehr mit_ ihren Fackeln einräuchern, ihrem baldigen 
Untergange entgegen. 
In spätere Jahrhunderte und zwar in die Zeit der treftlichsten Ent- 
wickelung des byzantinischen Styles, gehört ein grosses Mosaik, welches 
sich in einer Seitenkapelle von S. Restituta (der alten, mit dem Dome ver- 
bundenen Basilika) befindet. Es ist eine Madonna mit dem Kinde, zwei 
Heilige auf ihren Seiten, sehr grandios und würdig, gemässigt byzantinisch 
und wohlerhalten. Man benennt das Bild als S. Maria del Princzpio, weil 
man glaubt, dass dasselbe aus dem vierten Jahrhundert, und zwar von der 
Hand eines gewissen Taurus, herrühre und eins der ersten Madonnenhilder 
Vite de? 
pittüriv 
scultori 
ed rzrchitetti 
Napoletani. 
Napoli, 
1742.
        

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