Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486843
M0 
n 
älteren 
den 
Malern 
NeapßYs. 
369 
Freskomalereien seiner Hand befindet SiCh in der Brera; sehr anziehend ist 
unter diesen die Geschichte der Anna und des Joachim, auf mehreren B51- 
dern gemalt und ehemals im Kloster della Pace befindlich. Hier sieht man 
schöne würdige Gestalten und einen edlen Styl in der Gewandung. Auch 
die'Gesammt-Anordn1ing dieser Bilder hat etwas Eigenes; sie erinnert, in 
den weiten landschaftlichen Gründen, besonders an die älteren Florentiner. 
Andere Bilder des Gaudenzio sieht man in S. Ambrogio, S. Maria delle 
Grazie n. s. w. 
Selbst in den Werken des Bartolommeo Suardi (Brainantino) 
ist jener heimische Charakter noch nicht ganz verwischt; als Beispiel nenne 
ich das grosse Freskobild in der Brera (Madonna auf dem Throne kund 
zwei Engel) mit der eigenthümlich zarten Reflexbeleuchtung der Gesichter. 
Ebenso ist in Bernardino Lanino, ist selbst in dem Manieristen Aure- 
lioLnini die Schule immer noch zu erkennen. 
VON 
DEN 
ÄUFEREN 
MALERN 
NEAPEUS. 
(Museum, 
1835, 
437 
Wenn man Neapel besucht, so hat man insgemein schon sehr viel von 
Italien gesehen und seinen (risalpinisrhen Hunger nach Werken der Kunst 
beträchtlich gesättigt; man bringt nur noch die Absicht mit, Pompeji und 
die Schätze antiker Malerei im Neapler Museum. die bemalten Vasen, oder 
das zxreitausendjährige Brod nebst den Lavaformstücken jener armen Pom- 
pejanerin,  je nachdem Pflicht und Neigung entscheiden,  in Augen- 
schein zu nehmen. Im Uebrigen dankt man Gott, dass man nicht mehr 
zum unanthörlichen Ansehen von Kunstgegenständen gepresst wird und 
dass man sich endlich, in dem irdischen Paradiese angelangt, dem aller- 
süssesten Farniente ohne Gewissensbisse hingeben kann. Man wandelt 
den unaufhörlichen Weihnachtsmarkt der Chiaja auf und nieder; man fährt 
durch die Grotte des Posilipp und trinkt zu Pozzuoli auf dem Altan des 
Ponte di Caligula (so heisst die Osterie) den köstlichsten Falerner, während 
die grünen Wellen um die wirklichen Brückentrümmer tanzen; man reitet 
durch Kastanienlauben nach Calmadoli empor, wo alle Herrlichkeit der 
Welt. zu den Füssen des Beschauers ausgebreitet liegt; man segelt hinüber 
naclrCapri und lässt sich in die verzauberte blaue Grotte hineinlootsen, 
u. s. w. Diese und ähnliche sehr löbliche Beschäftigungen ergeben sich 
durch die Umstände so von selber und werden auch von Jedermann so 
getreulieh wiederholt, dass man in der That kaum die antiken Schätze des 
Museums bisher genug gewürdigt hat, geschweige denn die ebendort befind- 
Hche Sehr reiche gemäldegallerie und noch weniger die in den Kirchen 
zerstreuten Kunstwerke. Dass aber vor Spagnoletto und vor Raphael dort 
(Etwas der Rede Werthes gemalt worden ist, weiss diesseits der Alpen fast 
niemand; und es lässt sich dies auch kaum voraussetzen, wenn man die 
Kugler, Kleine Schriften. l. 24
        

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