Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486680
III. 
Bestätigungen. 
353 
zunächst, auf 492 Seiten des Textes, einen sehr umfassenden Bericht über 
die Verhandlungen und Streitschriften, die über die Angelegenheit der 
Polychromie ans Licht getreten sind. Persönliche Motive, persönliche Ver- 
hältnisse  die der französischen Archäologen  Spißlen hiebei sehr wesent- 
lich mit; der deutsche Autor, der ill (lleee Kämpfe mit hlneinäezegen Wird, 
fühlt sich dabei gelegentlich in der Eläelleehfllft eines Spielbanesi den die 
eine Partei der andern, wohl nicht immer im völlig sachlichen Interesse, 
Zuwirft. Der deutsche Leser, dem es einfach auf die Sache ankommt, 
dürfte diesen Dingen wohl nicht überall die vorausgesetzte _Theilnahme 
widmen, Ein sehr grosser Theil der Verhandlungen bezieht sich zugleich 
auf die Angelegenheiten der Malerei als selbständiger Kunst, mit welcher 
die griechischen Wände geschmückt waren; auch dieser Punkt bat nur einen 
äusserst bedingten Bezug zu der polychromatischen Architektur. Irre ich 
nicht sehr, so bleibt in letzterer Beziehung die von dem Verfasser im 
Interesse einer grösseren Buntfarbigkeit vorgelegte Antikritik meiner Schrift 
vom Jahre 1835 die Hauptsache. 
Hierauf folgt die Erläuterung seiner Restitution des sogenannten Empe- 
dokles-Tempels. Dies ist das kleine Heiligtlium aus später griechischer 
Zeit auf dem westlichen Hügel zu Selinunt, welches nach Hittorf ein vier- 
säuliger Prostylos mit ionischen Säulen und dorischem Gebälk gewesen sein 
soll, nach Serradifalco ein einfach dorischer Bau mit zwei Säulen in antis. 
Bekanntlich hat der Verfasser schon vor etwa zwanzig Jahren eine derar- 
tige Restitution geliefert und dabei auf die ganze Angelegenheit der Poly- 
chromie allerdings sehr anregend gewirkt; er wiederholt dieselbe jetzt, in 
vervollständigter und ausführlicherer Weise, indem er, um an diesem klei- 
nen Bauwerke sein ganzes System der Polychromic zu entwickeln, möglichst 
reichhaltige Hülfsmittel antiker Dekoration lieranzieht. Unter den Belegen 
ist übrigens, soweit sie das wirklich Architektonische betreffen, nichts ent- 
scheidend Neues enthalten. 
Dann kommen technische Untersuchungen über die Beschaffenheit der 
Farben, mit denen die antiken Bautheile versehen und Anstrich und 
Bemalung der antiken Wände ausgeführt waren, auch diese mit ausführ- 
lichem Eingehen auf die Schriften, die darüber in neuerer Zeit veröffent- 
licht sind. Für die Feststellung der polychromen Architektur bei den 
Griechen dürften die Ergebnisse dieses grossen Abschnittes wieder sehr 
mässig sein. 
Endlich die 24 Tafeln des Atlasses sammt deren Erläuterung. Diese 
enthalten zunächst die Darstellung jenes sogenannten Empedokles-Tempels. 
Derselbe erscheint hienach als ein gelber Bau mit blauen Triglyplien, rothen 
Metopen und rothem Giebelfelde, die Seitenwände aus gelbem Quaderwerk 
mit breiten rothen Fugen und einigen Hauptfugen von blauer Farbe, Alles 
ausserdem, wo es nur zulässig war, mit buntfarbigen Ornamenten versehen, 
M als ein Werk, dessen Existenz in solcher Art eben nur in der Phantasie 
des Verfassers beruhen dürfte und das auf mein Gefühl einen wenig erquick- 
liehen Eindruck macht. Uebertroifen wird der letztere freilich noch durch 
die farbige Restauration des Kapitals vom.Erec_hth.eum, die der Verfasser 
auf Taf, XI, Fig 1 mittheilt und von der sich ein Jedes gesund organisirte 
Auge mit einiger SQTge vor nachhaltiger Yerletzung zuschliessen dürfte. 
Doch rettet der Verfasser die Ehre seines eignen gesunden und edelll Fer" 
bensinnes durch die beiden schönen Schlussblätter, auf denen cr die Dar- 
Kllgler, Kleine Schriften. l- 23
        

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