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Werinher
Tegern see
ßtß.
hen. Im Uebrigcxi werden wir den genannten Jüngling PhYCHYOÜ WiWlQT zu
euch zurücksenden" 1).
Kaiser Friedrich wandte sich an ihn wegen Beschaffung einiger Hand-
schriften. „WVir hören (so schrieb er), dass in deinem Kloster gute Scl1rei-
ber sind und wir entbehren sehr eines Messbuches und eines Lectionariums.
Wir tragen daher deiner Freundschaft auf und bitten inständig, nach dem
Maasse, wie du uns ergeben bist, und haben zu dir ein gutes Vertrauen,
dass du uns ein Missalc schreiben lassest und in einem zweiten Bande die
Episteln und Evangelien nach der Ordnung der Geistlicheni"). Rupert
hielt sich nemlich Lohnschreiber zum Copiren der Bücher 3). Auch waren
die Mönche von Tegernsee im Besitz einer besonders guten Tinte, so dass
sie von Mönchen andrer Klöster gebeten wurden, ihnen davon mitzutheilen.
"Ich hörte (so schreibt ein gewisser H. an seinen Freund Werinher
dass bei euch Tinte vorhanden ist; darum bittet die Herren, dass ein jeder
mir Etwas von seinem Theil zukommen lassei"). Nicht minder waren
sie in der Kunst des Einhindens der Bücher erfahren, so dass ihnen auch
in dieser Beziehung Bestellungen von ausserhalb gemacht wurden S).
Dass die verschiedenen NVissenschaften, dass lateinische und deutsche
Poesie in Tegernsee gepflegt wurden, werden wir im Folgenden beim
Werinher sehen; noch ein andres erfreuliches Zeichen für die Beschäftigung
mit nationaler deutscher Poesie ist der Brief eines Markgrafen Bertold an
Rupert, in dem es heisst: „Diewei1 ein Freund in den Nöthen erfunden
wird, und wer ein Freund ist, stets Treue hält, so bitte ich deine Güte und
deine Liebe, so wie ich ein gutes Vertrauen auf dich habe, dass du mei-t
nem Wunsche geneigt sein mögest und mir das deutsche Büchlein vom
Herzoge Ernest überlassest, damit es schleimig für mich abgeschrieben
werde. Nach der Abschrift soll es sofort an dich zurückgesandt werden.
Ich aber werde, wenn du dies thust, willig und bereit in Allem sein, was
Sache der Freunde ist" f).
Vorzüglichen Glanz endlich verschaffte dem Kloster der Besitz zweier
Männer gleiches Namens, des Scholasticus Werinher und des Camerarius
Werinher. Beide nennen sich in der Unterschrift einer Urkunde neben-
einander 7).
Werinher (IL) von Aufhofen, der Carnerarius, Verwalter der Vor-
räthe und Gelder des Klosters, zugleich auch Custos und Sacratista, machte
sich als Wohlthäter um das Kloster verdient, indem er sein Vermögen auf
den Ankauf liegender Gründe und auf Vermehrung des Kirchenornats ver-
wandte. Seiner geschieht in der Chronik und in den Urkunden ehrenvollste
Erwähnung. "Ihm allein (so heisst es in der ersteren) war es zu den
Zeiten des Abtes Konrad, während des von dem Erzbischofe von Salzburg
verhängten Interdictes, seiner Frömmigkeit halber verstattet, die Messe zu
lesen. Er starb im Jahre 1199" S).
i) Pez., VI., II., p. 16, n. 21. z) Pez., VI., L, p. 409, n. 4. 3) Pez.,
VL, II., p. 11, n. 24, 4) In der unten zu erwähnenden Tegernseeischen Hand-
echrift. Pez., a. ß- 0., p. 15, n. 14. 6) Ebenda, p. 1a, n. 2. Das Büch-
lein vom nI-Ierzog Ernst" scheint das dem Heinrich von Veldeck beigelegte Werk
gewesen zu sein, dessen Fragmente von Holfmann (Fundgruben, I., S. 228) her-
ausgegeben sind. 7) Mon. Boic. VI., 11.131. 8) Pez., IIL, p. 521.
Mon. B. VL, 13.122.