Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486605
Nachträge. 
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die am Nicias gerühmte Eigenschaft, dass die Gegenstände seiner Bilder 
wirksam aus der Fläche hervortraten, herleitet. Mir erscheint eine solche 
Schlussfolgerung ein wenig dilettantistischz Abgesehen indess hievon, so 
bleibt die erwähnte Stelle des Pliniuff, blefbt (das Wesen jener Circumlitio 
jedenfalls dunkel; sie würde für eine förmliche Bemalung der Sßlllptur 
Sprechen, wenn sie durch bestimmtere derartige Aeusserungen gestützt 
würde; sie gestattet aber, da es an den letzterenfelilf, ebenso gut allerlei 
andre hypothetische Auslegungen, Wie Z- B- dißjenlge 1st, Welche ich gegeben 
habe 1). 
Im Uebrigen ist neuerlich besonders L. v. Klenze, in seinen naphori- 
stischen Bemerkungen" etc. (S. 236,  näher auf die, aus dem Alterthum 
erhaltenen Aeusserungen über Farbenanwendung bei der griechischen Scu1p- 
tur eingegangen und hat, meiner Auffassung im Allgemeinen entsprechend; 
obgleich zur Annahme einer umfassenderen farbigen Zuthat geneigt, zugleic 
auch vom technischen Standpunkte aus das Missliche mancher zweideutigen 
Notizen bei alten Autoren, sofern daraus auf eine der Natur entsprechende 
Färbung geschlossen werden sollte, dargelegt.  
Den Notizen über Farbenreste an erhaltenen Monumenten der 
Sculptur kann ich, zumeist aus eigner Beobachtung, verschiedene nach- 
trägliche Bemerkungen hinzufügen. 
Das wichtigste und bezeichnendste Beispiel bleibt jene alterthümliche 
Dianenstatue im Museum von Neapel (aus Herculanum), die eins der reiz- 
vollsten, auf's Anmuthigste durchgebildeten Werke alterthümlich griechi- 
scher Sculptur 1st. Raoul-Roehette, in seinen Peintures antiques inädites, 
präcedäes de recherches sur Femploi de la peinture dans la deboration des 
elolzifices sacräs et publics chez les Gtrecs et chez les Romanze (Paris 1836, 
t. VII), hat eine bildliche Darstellung der Figur mit den an ihr erhaltenen 
garben gegeben. Doch stimmt seineoDarstellung mit den Beobachtungen, 
ie ich an Ort und Stelle machte nicht ganz genau überein. Ich fand 
Farbenspuren an der Krone, sehr deutliche zurbBezeichnnng der Augen- 
sterne; den liöchergurt mit eiräer Spur voä rothäer Farbe oder vielmehr, 
wie es mir so ien, von ergo] ung' das ewan mit einem rothen Saum 
am Halse, die Aermel, wie es schieri, roth und gelb besäumt; eine beson- 
ders reiche Ausstattung an beiden Säumen des Obergewandes: erst eine 
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(Säumuug des Obergewandes.) 
1) Mit der von mir angenommenen Auslegung der Gircumlitio stimmt, wie 
ich nachträglich bemerke, H. N. Ulrichs, in seinen "Reisen und Forschungen in 
Griechenland" (I, S. S8, No.'24) überein, während Welcker  in der dritten Auflage 
von K. O. llliillefs Handbuch der Archäologie der Kunst, 8.431, und sonst  das 
Wort völlig wörtlich nimmt und darunter das, gelegentlich sehr zierliche Einfa ssen 
der Gewandränder, des Haares, etwa auch des Körpers mit einem läöcherband 
u. dergL. durch Farbe versteht.  Ulrichs, an der erwähnten Stelle, N0, 25 und 
26, giebt ausserdenr noch einige charakteristische Belege aus alten Autoren für 
die wesentlich weisse Erscheinung antiker Marmnrbilder.
        

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