Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486568
Nachträge, 
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jenen 'J_"ropfen coi-respondirßlld,_ haben _11ngleich mehr den Charakter einer 
heiter spielenden Dekoration, die zugleich mit dem Wechsel der Stege und 
Schllitzen auf der Fläche der Triglyphen in einem harmonischen Einklange 
Sie t. 
Nehmen wir  wie wir meines Erachtens nicht umhin können  diesen 
Ursprung der Mutulen aus dem Holzbau an, so werden wir uns weniger 
dagegen sträuben dass auch die Anwendung der Tflrrlyphen auf einer 
Rehiiniscenz alterthümlicher und durch ihr Alterthum ggheiligter Hßlzbau- 
Construction beruhe. Sie bedeuten dann die Stirnseite der Querbalken, die 
auf dem Architrav auflegen, odernviellmeiäf, weniggßltlfins nacl; VitruYs Angabe, 
die Bretter die vor die Stirn äc e ieser a en au genaget wurden. 
Wenn Vitriiv schon diesen Brettern eine enkaustisch aufgetragene blaue 
Farbe zusehreibt, so mag sich dies allerdings nur auf der Ansicht der blauen 
Triglyphen an ausgebildeten Steingebäuden dorischen Styles begründen. 
Jedenfalls aber spricht die noch heute so häufig vorhandene blaue Farbe 
der Triglyphen und ihre dadurch bezeichnete scharfe Unterscheidung von 
dem Gerüst der Säulen und des Architravs (eine Unterscheidung, die doppelt 
auffällig ist, wenn wiederum die Metopen die Farbe jenes Gerüstes tragen) 
itlafür, lältais diedTriglyphen in diesem Falle nicht als zu dem Gerüste gehörig 
erac e wur GI). 
Dennoch ist ein Umstand im höchsten Grade auffallend. Als nicht zu 
dem architektonischen Gerüste gehörig würden die Triglyphen jedenfalls  
mag man ihren Ursprung auffassen, wie man wolle,  selbständige deko- 
rative Baustüoke ausmachen; sie würden demgemäss zu mannigfacher Vef- 
zierung geeignet sein, und es würde diese Verzierung, ihrem ganzen Cha- 
rakter gemäss, sehr füglich eine in sich abgeschlossene, z. B. etwa. Rosetten- 
artige Form haben können. Statt irgend eines derartigen Schmuckes sehen 
wir sie aber stets mit jenen senkrechten Schlitzen versehen, welche die 
entschiedenste Verwandtschaft mit den Kanelluren der Säulen haben und 
ihnen selbst eine unläugbare lierwandtschaft mit den letzteren geben. Wie 
weit dies verwandtschaftliche Werhältniss nach der antiken Auffassung ging, 
ersehen wir u. A. aus der Porta Augusta zu Perugia, einem zwar ohne 
Lweifel spiit-etruskischen, aber in sehr gräcisirenden Formen ausgeführten 
Bauwerke, an welchem über dem Thorbogen ein dorischer Fries hinläuft, 
dessen Triglyphen ganz nach der Weise von Säulen-Pilastern (und zwar 
ln einer ionisirenden Form) gebildet sind. 
Die kanellurenartigen Schlitze sind es somit, die dennoch den Triglyphen 
eine mehr als nur dekorative Bedeutung, die ihnen den Anschein einer 
Structiven Bedeutung für den Bau geben, die sie dennoch wenigstens fähig 
machen, den wesentlichen Theilcn desarchitektonischen Gerüstes sich ein- 
Zureihen. Doch wiederum  auch abgesehen von der blauen Farbe, die 
sie aus dem Zusammenhangs des GßrüSfßS ausscheidet,  treten andre 
Umstände ein, welche ihre structivc Bedeutgnlg auf's Neue zweideutig 
machen. Alte Tradition (jene schon in meiner c rift über die Polychromie 
angeführte Stelle der Iphigenia in Tauris von Euripides, v. 113) deutet zwar 
darauf hin, dass sie ursprünglich das Kranzgesims als abgesonderte Bau-- 
lheile stützten, indem die Metopen zwischen ihnen offen waren: die Monu- 
Inente der Bliithezeit der griechischen Architektur sagen nichts mehr davon. 
An ihnen ist, die Tyiglyphe jedenfalls nur noch als das Reliefbild, als die 
Andeutung eines solchen structiven Inhaltes zu fassen. Was aber nicht 
gnelir die Sache selbst. was nur noch das Bild der Sache war, konnte
        

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