Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486536
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Antike 
Polychromie. 
im Verhältniss zum Friese, und in diesem scheint das Vorhandensein von 
Triglyphen roh durch unregelmässige weisse Striche, je drei oder vier, 
angedeutet. Die Säulenkapitäle haben eine sehr weite Ausladung, alter- 
thümlich dorischer Form entsprechend. Ich weiss nicht, 0b man hier auf 
den Farben-Unterschied zwischen Gebälk und Säulen ein Gewicht legen 
darf; allenfalls könnte man, wie es mir scheint, auf eine besonders starke 
Anwendung von Farbe im Gebälk schliessen, ohne damitjedoch die Grenze 
für das Einzelne irgend näher angedeutet finden zu wollen 1).  N0. 1705  
hat ein ähnliches Architekturstück, aber wiederum schwarze Säulenschäfte 
und nur die Kapitale über denselben weiss gefärbt. Diese Darstellung 
macht es doppelt bedenklich, auf die Farbenverschiedenheiten der vorigen 
ein erheblicheres Gewicht zu legen. 
Anders dagegen scheint der Fall bei dem Gefass N0. 684 derselben 
Sammlung, das gleichfalls noch schwarze Figuren (mit weisser Farbe für 
das weiblich Nackte) enthält. Eine hierauf vorgestellte dorische Architektur 
ist wiederum ganz schwarz, aber mit weissen Riemchen und Tropfen unter 
dem Bande des Architravs, ohne alle Andeutung von Triglyphen im Friese, 
 Ganz dasselbe (wenn auch in umgekehrtem Farbenverhältniss) erscheint 
auf No.1755 ebendaselbst, einer Vase, deren Darstellung der jüngeren Art, 
mit rothen Figuren auf schwarzem Grunde, angehört. Hier ist die Archi- 
tektur roth, aber Band und die Tropfen am Architrav schwarz, während 
in dem (rothen) Friese wiederum keine Andeutung von Triglyphen sichtbar 
wird. Beide Darstellungen, die das unscheinbare Appendix der Triglyphen, 
das Riemchen mit den Tropfen, bestimmt bezeichnen und die Andeutung 
der sonst so charakteristischen Triglyphen völlig vergessen, scheinen hierin 
doch nicht ganz und gar willkürlich zu verfahren. Wenigstens geben sie. 
und namentlich die letztere, doch der Vermuthung Raum, dass gelegent- 
lich die Erscheinung der Triglyphen gegen die Erscheinung der Riemchen 
mit den Tropfen zurückstehen mochte, d. h. dass die Triglyphen gelegent- 
lich vielleicht keine auszeichnende Färbung hatten, wenn eine solche auch 
den Riemchen zugethcilt war. 
Höchst merkwürdig ist sodann ein Vasenbild, welches von Gerhard in 
den Annali dell' instituto di corrispaonzlenza archeologica, 1831 (vol XIII, 
p. 242, t. XXVII) bekannt gemacht ist. Es ist eine alterthümliche Dar- 
stellung mit schwarzen Figuren. Die darauf enthaltene Architektur hat 
schwarze dorische Säulen und ein Gebälk, welches nur aus dem Friege 
besteht und darin weisse und schwarze Felder mit einander wechseln. 
Unter den weissen Feldern aber hängen Tropfen, durch welche sie bestimmt 
als Triglyphen bezeichnet werden. S0 roh und oberflächlich diese Dar- 
stellung ist, so geht aus ihr doch jedenfalls hervor, dass hier helle Tri- 
glyphen dunkelgefärbten Metopen entgegengesetzt waren.  Das Umgekehrte 
1) Will man überhaupt dieser Darstellung für unsern Zweck schon eine 
besondre Bedeutung einräumen, so dürfte sie doch auf eine etwas barbarisirte 
Architektur und zugleich auf eine solche, die nicht gerade zur Erklärung der 
Tempelausstattung dient, zurückdeuten. Das Ganze ist eben eine Badehalle, eine 
Art Luxusban, und jene Thierrachen, die aus den Obertheilen der Säulen heraus- 
springen, erinnern mehr etwa an die Behandlung der römischen Colurnna rostrata 
als an griechischen Gebrauch, während die (freilich sehr rohe) Kapitälform an 
die ganz ungewöhnliche Ausladung einiger etruskisch-dorischen Kapitäle (der auf 
der Cucumella von Vulci gefundenen) erinnert.  z) Abgebildet beiGerhard, 
Trinkschalen und Gefässe des königlichen Museums zu Berlin, II, t. XV.
        

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