Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486513
336 
Antike Polychromie. 
früher annehmen zu dürfen glaubte. Doch wird es nicht überflüssig sein, 
auch dabei einige Vorsicht walten zu lassen. Um bei der thnnlichen 
Feststellung des Resultats mit einer Kleinigkeit zu beginnen, so bezeichnet 
Herrmann am Theseustempel zu Athen die Tropfen unter den Dielenköpfen 
und unterhalb der Triglyphen als roth, während Aehnliches bei keinem 
weiteren Denkmal erwähnt wird, sie vielmehr im Uebrigen grösstentheils 
als weiss bezeichnet werden. Ferner ist nur er es, der von einem rothen 
Grunde in den Giebelfeldern des Theseustempels und des Parthenons, 
sowie in den Metopen des ersteren spricht, während anderweit  was 
Arehitekturtheile betrifft, vor denen sich bildliche Darstellungen abheben 
sollten oder konnten  über einen rothen Grund nur bei den Metopen 
des alterthümlichsten Tempels von Selinunt eine (und zwar allerdings 
sichre) Kunde vorliegt, und im Gegensatz gegen solche Anordnung das 
Giebelfeld des Minerventempels von Aegina, der innere "Fries des Par- 
thenons und des Theseustempels, die Metopen des edelsten der selinunti- 
sehen Tempel, ja sogar die des Parthenons (und beide letztere sogar zur 
Seite blauer Triglyphen) als blau gefärbt bezeichnet werden, der Tempel 
von Aegina aber sowie jenes kleine Heiligthum zu Selinunt ungefärbte 
Metopen hatten. Ich bin fern davon, diesen Berichten des Augenzeugen 
(Herrmamfs) geradehin widersprechen zu wollen; aber die allgemeine kri- 
tische Beschaifenheit der rothen Färbung hätte es, um ihm mit voller Zuver- 
sicht folgen zu können, doch wünschenswerth gemacht, eine erschöpfend 
genaue Charakteristik der Beschaffenheit jener Farbcnspuren, statt der allge- 
meinen Angabe ihres Vorhandenseins, zu besitzen. Einstweilen scheint 
freilich der Bericht von Boss über die wechselnde Farbe des Grundes der 
Giebelfelder an Grabsteinen zu einiger Bestätigung seiner Angabe zu dienen. 
 Noch ist, was roth gefärbte Theile betrifft, zu bemerken, dass nur, wie 
vom Aegina-Tempel, so von einigen selinuntischen Tempeln eine Kunde 
über eine rothe Färbung des Architravbandes vorliegt, eine solche aber 
über athenische Denkmäler nicht vorhanden ist. 
Uebereinstimmend wiederholen sich dagegen die Angaben über blaue 
Farbe der Triglyphen, an den athenisch dorischen Denkmälern, am Tempel 
von Aegina, an denen von Selinunt, mit theilweiser Hinzufügung einer 
dunkleren Färbung in den Schlitzen. Dieser Farbe entspricht zugleich das 
ebenfalls mehrfach erwähnte Blau der Dielenköpfe und der Riemehen unter- 
halb der Triglyphen. an welchen die Tropfen hängen. Hiegegen wird kein 
Zweifel statthaft sein. Auch sehe ich sehr wohl ein, dass man sich zunächs[ 
in einer schwierigen Lage befinden würde, falls man etwa behaupten wollte, 
wie die Metopen, so seien dennoch gelegentlich auch die Triglyphen 
nngefarbt gewesen. Wo keine Farbe mehr wahrnehmbar ist, kann solche 
doch ursprünglich immerhin gewesen sein; und wenn uns in Qinzglnen 
Fällen, z. B. bei den oben genannten agrigcntinisehen Tempeln, nur von 
blauen Dielenköpfen und von blauen Riemehen unterhalb der Triglyphen 
berlchtct wird, so dürfte dies zunächst allerdings schliessen lassen, dass 
auch die Triglyphen selbst an ihnen blau waren. 
Die Färbung der Triglyphen mit einer so entschiedenen Farbe ist aber 
nicht bloss als ein Mehr oder Weniger von bunter Zuthat, nicht als Etwas, 
das einer blossen Dekoration angehört, zu betrachten; ihr Vorhandensein 
oder Nichtvorhandensein ist zugleich von wesentlicher Bedeutung für die 
Auffassung des Gerüstes der doj-ischen Architektur, ja, für die ganze Art 
und Weise ihrer Durchbildnng und somit sellist geeignet, zur Charakteri-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.