Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486461
Nachträge. 
331 
setten Vorbilder von Wachs gefertigt und die Bildwerke mit Blei, angefügt 
Waren. Letzteres scheinen die Bildwerke ami Friese gewesen zu sein, 
dessen Stueküberzug, auf dem hier angewandten grauen eleusinischen 
Steine (wie schon in vorstehender Schrift angegeben), auf einen farbigen 
Grund schliessen lässt. 
Hermann erwähnt ausserdem noch eines eigenthümlichen, im Museum 
des Theseustempels aufgestellten ionischen Kapitals, welches einfach sculp- 
tirt, aber mit zierlicher Gliederbemalung versehen ist. Namentlich ist hier 
der ungefärbte Kanal der Schnecken von blauen Säumen eingeschlossen, 
während das Auge der Schnecken roth und grün gemalt ist. Ein andres, 
ähnlich behandeltes Kapitäl (an der Südostecke des Parthenon gefunden), 
dessen Zeichnung mir E. Curtius mittheilte, hat, ausser der anderweiten 
Gliederbemalung, rothe Schneckensäume und an der Stelle des Auges eine 
goldne Rosette auf blauem Grunde.  Auch bemerkt Herrrnann sohliess- 
lieh, dass einige einzeln stehende korinthische Säulen zu Athen, namentlich 
die choragischen Säulen am Abhange der Akropolis, an ihren Kapitälen 
Spuren von Vergoldung zeigen. 
Sehr merkwürdig erscheinen endlich gewisse architektonische Fragmente, 
die an der Südseite des Parthenon, in erstaunlicher Tiefe, mit Asche und 
angebrannten Holzstücken untermengt. bestimmt unterhalb der Erd- 
schicht, welche sich beim Bau des Parthenon bildete, gefunden sind. Sie 
rühren hienach von den Heiligthümern her, welche von den Persern zer- 
stört wurden, und gehören somit zu den ältesten bekannten Resten atheni- 
scher Architektur. Ross hat darüber im Kunstblatt 1836, N0. 16, 24. und 
57 näheren Bericht gegeben. Ausser einem Rinnleisten von Marmor mit 
grünen Palmettcn sind es sämmtlich Fragmente von gebranntem Thon mit 
glasirter Bemalung, Dach- und Stirnziegel und Rinnleisten, verschiedenen 
Gebäuden zugehörig. Die zum Theil sehr zierlich componirten Ornamente 
sind zumeist mit. gelber oder rother Farbe auf dunkel sepiabraunem Grunde 
gemalt. Die ganze Behandlungsweise scheint hienach wesentlich von dem 
Charakter der Ornamentik verschieden zu sein, die in der perikleischen 
Zeit vorherrschend wurde. 
Diesen Farbenresten über athenische Architekturen dürften zunächst 
solche anzureihen sein, die sich nicht ganz selten an Grabsteinen finden, 
wie deren mehrere am Piräens entdeckt sind. Boss hat darüber im 
Kunstblatt Mittheilungen gemacht, namentlich in N0. 59 des Jahrg. 1838. 
Die Giebel-artigen Bckrönungen derselben kommen hier besonders in 
Betracht. Sie haben farbige Gliederzierden, in sehr einfacher Befolgung 
des allgemeinen Systems, und an den tiefer gearbeiteten (oder auch nur 
tiefer gedachten) Flächen, vornehmlich des Giebelfeldes, einen dunkleren 
Grund: theils einen bräunlichen Bolus, theils ein tiefes Blau. An andern 
Grabsteinen, die das Giebelstück nicht mehr enthielten, hat Ross auf der 
Längentläche selbst Theile eines rothenlfarbenilberzuges gefunden. Nach 
der Analogie,  da die Grabsteine mit ihren Grebeln auf die Tempelform 
als Motiv zurückweisen,  schliesst er hlßrilils auf einen durchgängigen 
rothen Anstrich der äusseren Cellenwände, was zunächst wieder dahinge- 
stellt sein mag.  
Von dem Minerventempel auf Angina bemerkt Ross (Kunstblatt, 
1336, N0. 16, S. 61) beiläufig, dass an seinen lü-iglyphen und an den 
Tropfen der Dielenköpfe blaue Farbe sichtbar sei. Abelßlouet giebt in 
dem grossen Werke der Expedition scienlyiqllß de Moree (Vol. III. pl.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.