Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486455
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Antike Polychromie. 
Kunstblatt, 1835, N0. 31), Bruchstücke des über die Giebelfelder gehörigen 
Simses mit deutlich erhaltener Zeichnung höchst zierlicher Palmetten, deren 
Farbe sich aber nicht mehr erkennen liess, aufgefunden. 
Ueber den Parthenon bemerkt Herrmann ebenfalls, dass die Bema- 
lung hier mit der des Theseustcmpels am Meisten übereinzustimmen scheine. 
Wesentlich hervorzuheben ist seine Angabe über dunkelrothe Farbenspuren 
im Grunde des Giebelfeldes und blaue an den Triglyphen, während sich 
über die Farbe auf dem Grunde der Metopen nichts angebenlasse. Das 
Vorhandensein blauer Farbenspuren auf dem Grunde des inneren Peristyls 
bestätigt L. von Klenze in den "Aphoristischen Bemerkungen, gesammelt 
aufseiner Reise nach Griechenland" (S. 253); auch erwähnt derselbe 
(S. 254) einer deutlichen blauen Färbung auf dem Grunde der Metopen, 
was zugleich Serradifalco (Antichitä della Sicilia, II, p. 28, f.) bestätigt 1). 
Von den Propyläen der athenischen Akropolis giebt Ross (im Kunst- 
blatt 1836, No. 16) an, dass an ihren 'l'riglyphen blaue Farbe sichtbar sei. 
Nach Herrmannls Angabe waren diese Triglyphen nur an der Oberfläche 
blau und in den Vertiefungen dunkelgrün. Das Balkenwerk der Kassetten 
ähnlich wie beim Theseustempel, doch rothe und blaue Farbe wechselnd 
und das Ganze minder reich. An den Antenkapitälen die drei Stäbe wahr- 
scheinlich roth mit grünen Zwischenräumen. 
Beim Abbruch der Batterie, welche vor den Propyläen aufgerichtet 
war, sind Baustücke aus Muschelkalk, mit Stuck überzogen, von einem 
unbekannten dorischen Tempel zum Vorschein gekommen. Darunter das 
Briichstück einer 'l'riglyphe, wiederum mit blauer Farbenspur. (Ross, im 
Kunstblatt 1836, N0. 16). 
Der aus demselben Abbruch gerettete und wieder aufgerichtete Tempel 
der Nike A ptero s, bekanntlich ein ionischer Bau, hatte die zierlichste 
Gliederbemalung, wovon aber nur noch die Umrisse erkennbar. (S. das 
Werk über denselben von Ross, Schaubert und Hausen, Berlin 1839.) 
Die am Erechtheum vorgefundenen Spuren, welche das ehemalige 
Vorhandensein schmückender Zuthat erkennen lassen, deuten vorzugsweise 
auf goldige Zierden der Art. Nach Herrmanms Bericht sind auch im Grunde 
der Decken-Kassetten Spuren vorhanden, denen zufolge anzunehmen, dass 
hier Rosetten von vergoldeter Bronze angeheftet waren. Einige sehr interes- 
sante Aufschlüsse geben die Fragmente einer Inschrift, die beim Abbruch 
der eben erwähnten Batterie gefunden wurden und durch Ross im Kunst- 
blatt (1836, N0. 39, f., No. 60), sowie mit näherer Besprechung durch von 
Qnast in seiner deutschen Ausgabe des Erechtheions von Inwood (1840) 
bekannt gemacht wurden. Es sind die Reste einer Rechnungsabnahme über 
den Bau. Hieraus geht hervor, dass das Kymation am inneren Architrave, 
mit Bemalung (enkaustischer Art) versehen war, dass die Schnecken an den 
Kapitälen vergoldet, für die Bronzen und für den Akanthus in den Kas- 
1) In der englischen Uebersetzung der auf Architektur bezüglichen Theile 
meiner Schrift über die Polychromie, von Hamilton, welche sich in den Trans- 
aclions of the Institute of british architects of London, Vol. 1, part. I. (1836) 
befindet, werden, bei Gelegenheit des Parthenon, Wo0d's Letters of an Architect 
(London, 1828) angeführt, wo sich (Vol, Il, p. 252) die Angabe findet, dass 
am Partherlon nicht nur ornamentistische Malereien überhaupt, sondern 361'911 
von zwei verschiedenen Stylen und Daten, eine Malerei über der andern, zu 
linden seien. Neuere, doch wohl strengere Untersuchungen haben hißriibßf nichts 
verlauten lassen.
        

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