Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486422
Nachträge. 
327 
finden aber zugleich, dass in beiden die Farbe hinzutritt, wo die Form 
zur vollkommenen Darstellung des Zweckes nicht hinreicht; dass sie vor- 
nehmlich da angewandt ist, wo das leichtere Verständniss des Ganzen eine 
Sonderung und schärfere Bezeichnung der Theile wünschenswerth macht, 
und dass sie endlich, ihrer Natur gemäss, mannigfach zur weiteren Aus- 
schmückung benutzt wird. Diese Ansicht, die auf gleiche Weise von histo- 
rischen Zeugnissen wie von den inneren, in der Kunst liegenden Gründen 
Unterstützt wird, dürfte den streitigen Meinungen über Polychromie eine 
richtige Mittelstrasse bezeichnet haben- 
Üm dem Leser die Resultate der vorliegenden Forschungen nach Mög- 
lichkeit zu veranschaulichen, hat ein Freund des Verfassers, Herr Architekt 
Strack zu Berlin, es übernommen, dic farbige Restauration einer griechi- 
schen Tempelarchitektur, nach den angegebenen Principien und mit künst- 
lerischer Consequenz, für das Titelblatt dieser Schrift auszuführen. Man 
hat sich hicbei die Verhältnisse des Parthenon zum Muster genommen, so 
wie ebenfalls, was die Sculpturen anbetrifft, einige von den Metopen und 
die Süd-Ecke vom östlichen Giebel dieses Tempels nachgebildet sind. Da 
von den Eck-Akroterien bisher nichts entdeckt ist, so hat man diese, nach 
Bröndsted's Anleitung 1), als mit Sphinxen geschmückt angenommen; die 
Stellung der Sphinxe ist dieselbe, wie sie öfters im Alterthum- namentlich 
auf geschnittenen Steinen, vorkommt,  ihre Formation ist vornehmlich 
dem Schmucke eines Stirnziegels, welchen ebenfalls Bröndsted mittheilt 2), 
nachgebildet. Dass bei den kleinen Dimensionen des litclblattes und bei 
der beengenden Technik der farbigen Lithographie Manches mehr ange- 
deutet als vollständig ausgeführt werden musste, wird hoffentlich keinen 
Anstoss erregen. 
1851. 
Die vorstehende Arbeit war, wie sich aus den Worten der Einleitung 
ergiebt, gerade in den Tagen zusammengestellt worden, als die Gemüther 
der Archäologen und der Künstler durch die Frage, ob und wieweit im 
griechischen Alterthum an den Werken der Baukunst und der Bildnerei 
farbige Zuthat stattgefunden, in einige Hitze versetzt waren. Ich hatte ver- 
Sucht, durch ruhige Prüfung der Sache und ihrer äusseren und inneren 
Zeugnisse, zu einer thunlichst bestimmten Anschauung zu gelangen. Meine 
Schrift, die mich in die Mitte führte zwischen die Eiferer für das Weisse 
und die Eiferer für das Bunte, fand Beifall und Widerspruch; die Wider- 
sprechenden warfen mir ein verfrühtes Thun, Systemsucht u. dergl. vor. 
Illdess hat die Schrift doch vielleicht dazu beigetragen, dass das nuthwen- 
 Reisen und Unterguchungen 
A. a. 0., T. XLL 
in 
Griechenland 
159 
Anm.
        

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