Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483268
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Tagen 
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1580 
Papstes gegen den Kaiser ausgesprochen war, spaltete sich, Wie ganz 
Deutschland, so auch Baiern in Parteien; das Volk war auf des Kaisers. 
der treulose Welt auf des Gegenkaisers, des Rudolph von Schwaben, Seite. 
Nach Rudolphs Fall wurde natürlich auch Welf seines Herzogthums ent- 
setzt; doch söhnte sich der Kaiser nachmals wieder mit ihm aus und be- 
lehnte ihn aufs Neue mit der Herzogswürde, 1097. 
Und gerade in dieser sturmbewegten Zeit erlangte das Kloster von 
Tegernsee durch die rühmliche Verwaltung des Abtes Eberhard II. 
(1068-1091) einen hohen Glanz. Für Baukunst, wie für die dekorirenden 
Künste bemüht, stellte er einen Theil des Klosters, der bald nach seiner 
Ankunft eingestürzt war, wieder her. „Er schmückte den Fussboden im 
Chore und in der Kirche durch ein Werk aus verschiedenfarbigen Steinen. 
Er erbaute die Kirche der heiligen Maria und gründete die Basilika des 
heiligen Micha.el, über welcher eine Bücherei eingerichtet ward. Er umgab 
das Kloster mit einer Mauer und schmückte dasselbe mit Gewölben. In 
der Stadt Gemunden errichtete er eine steinerne Kirche. Auch war zur 
Zeit dieses Abtes ein Mönch vorhanden, Werinher  den Einige im 
freundschaftlichen Verkehr Weczil nannten, der ein kunstreicher Bildner 
war, und in Schriften und Malereien und den Zierden der Bücher von 
Gold und Silber geschickt; dieser bereitete der Kirche mit mühevollem 
Fleisse und unter Zustimmung des Abtes Eberhard eine Tafel, oberwärts 
dreieckig, aus Gold und Silber und mit Bernstein und Gemrnen und Stei- 
nen geschmückt, auch fünf gläserne Fenster und ein Gusswerk, aus Erz 
gemacht und zum Bade geschickt, auf welchem er sich Werinher und auf 
der Tafel Weczil genannt findet. Eberhard aber, als er das Haus des 
Herrn mit 'l'äfelwerken, Malereien, GIockemBücher-n, Glasfenstern geschmückt 
hatte, entschlief im Ilerrn im Jahre 109D"). 
Tegernsee im 12. Jahrhundert. 
Unter den beiden folgenden Aebten konnte die von Eberhard gestreute 
Saat, durch den Frieden und durch die Schenkungen frommer Leute an das 
Kloster begünstigt, weiter gedeihen. Auch unter Konrad, der 1134 Abt 
wurde, fand keine wesentliche Hemmung statt, obgleich das Land wieder 
durch blutige Fehden zerrissen wurde. Welf war nemlich im Jahre 1120 
gestorben und Kaiser Lothar hatte dessen Sohne, Heinrich dem Stolzen, 
seine Tochter zur Ehe gegeben, um sich auf diese Weise gegen seinen 
Gegner, den mächtigen Hohenstaufen, zu stärken. Lothar starb im Jahre 
1137, und Konrad IIAI. von Hohenstaufen, der nun Kaiser wurde, belehnte 
den Markgrafen Leopold von Oestreich mit Baiern. Gegen diesen kämpfte 
Heinrich unermüdlich und unbesiegt; nach seinem Tode, 1139, setzte sein 
Bruder, Welf III., den Kampf fort, auch gegen Leopolds Nachfolger, den 
Heinrich Jasomirgott. Endlich aber siegten der Kaiser und Heinrich. Der 
Abt Konrad hielt in dieser Zeit fest am Kaiser, der des Klosters oberster 
Schutzherr war, und dessen er gegen die Schirmvögte des Klosters bedurfte, 
welche sich eigenmächtige Beeinträchtigungen erlaubten. Er erwirkte vom 
 Dieser Werinher  ist nicht mit dem Oamerarius Werinher  oder 
dem Scholasticus Werixlher (IIL) zu verwechseln. Von beiden wird unten die 
Rede sein. Weczil (Wetzel) ist eine nicht selten vorkommende Abkürzung des 
Namens Werinher,  z) Pez., III.. III. p. 51.5. 
Kugler, Kleine Schriflen. I. Q
        

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