Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486326
Ueber die Polychromie der griechischen Architektur etc. 
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datii-ten Schreiben Folgendes: "Augen und Mund sind sonderbar mit einer 
schwaehen violetten Tinte gefärbt, welche an ersteren nicht allein den Aug- 
apfel, sondern auch die Augenlicder und die zwischen diesen und den 
Brauen befindliche Vertiefung über den Augen einnimmt, und am Munde 
sind. gleichfalls nicht die Lippßllfßlußln, fßlldern auch der ganze Umfang 
der Oberlippe, von den Mundwinkeln bis an die Nase und ein Theil der 
Unterlippe mit derselben Tinte gefarbt,_die AItllfallgS, als die Statue aus der 
feuchten Erde kam, lebhafter gcweSßll S911] "lag  Dlese seltsame Schminke 
genügend zu erklären, dürfte seine Schwierigkeit haben. Wenn wir jedoch 
berücksichtigen, dass die Statue, in der mehr absichtlichen als natürlichen 
lü-eekenheit ihrer Arbeit, als eine Copie aus der Kaiserzeit nach irgend 
einem älteren treftlichen Werke erscheint, so sind wir vielleicht berechtigt, 
jene barbarische Bemalung (die übrigens wohl nicht mehr in ihrem Zusam- 
menhange gesehen ward) als eine Zuthat des italischen Copisten anzunehmen. 
Nicht minder seltsam sind auch die Farbenspuren," welche man auf dem 
Capitolinjgehen Apoll mit dem Greifen wahrgenommen. Hier scheint 
das Nackte ursprünglich mit einer rothen Farbe bedeckt gewesen zu sein, 
(Quatremere-de-Quincy meint, man habe damit den rothen Marmor nach- 
ahmen wollen), während an dem Gewande, der Lyra und dem Greifen 
nichts davon zu entdecken ist z). Ebenso zeigt sich das Gßsißbt der Vesta- 
lin_ von Versailles mit einer rothen Farbe bedeckt 3). "Auch diese 
beiden Fälle können wir nur einer entarteten Kunst zuschreiben. 
An verschiedenen Statuen haben sich ferner die Spuren des gelblichen 
kaustischen Wachsüberzuges deutlich erhalten. Dahin gehört eine Statue 
der Domitia im Vatican 4) und ein Kopf der älteren Antoninab, den 
Hirt als früher im Palast Chigi befindlich anführt 5). Auch am Laocoon 
und sehr vielen andern Werken ist eine Nachwirkung jenes Ueberzuges 
zu bemerken G). 
Augen, die aus edleren Steinen dem Marmor eingesetzt sind, zeigen 
sich an vielen erhaltenen, meist colossalen Monumenten, oder die gegen- 
wärtig leeren Augenhöhlen deuten auf ein früheres Vorhandensein dersel- 
ben. In Winckelmaun's Geschichte der Kunst wird eine sehr bedeutende 
Reihe bezüglicher Werke aufgeführt 7). Doch bemerken die Herausgeber, 
dass dies in den meisten Fällen, wie sich aus unwiderieglichcn Spuren 
ergebe, ein später hinzugefügter Schmuck sei 8). Und allerdings deuten 
auch viele der "vorhandenen Werke, welche bei dem Material der einge- 
Setzten Augen nicht gelten von den allgemeinen Lokalverhältnissen der 
 Der neue Teutsche Merkur, hsgb. von Wieland, März 1798, S. 301.  
2) QuatremöreqryQ, a, 3_ O, p. 54.  3) Ilist. de FAcadämie Boy. des Inscr. 
et Belleslegtq-ea T_ XXIX, p 168_  4) Visconti. Mus. Pie-Clänz. T. III, pl. V. 
 S) Böttigerls Amalthea 1, s. 231.  h) Versl- hiew: Fee, Miscell. ßlolog. 
T. I. p. C011.  7) B. VII, c. 2, 5. 13 ff. und die zugehörigen Anmerkungen, 
Hiezu gehört auch ein colossaler Autinous Agathodämon im Berlirjer nmseum 
(Antiken, No. 140) mit leeren Augenhöhlen. Eine Anzahl kleiner Hermen in 
demselben Museum aus Giallo antico und von nicht bedeutender Arbeit, zeigt 
die Augen um ein Weniges vertieft; an zweien derselben (Köpfen von Faunen, 
N0. 355 u. 356) sind die Augen mit einer weissen Masse ausgefüllt und schwarze 
Punkte statt der Sterne darauf gemalt.  s) Von Andren (S. Feuerbaeh: 
der Vaticanische Apollo, S. 214, Anm.) ist der obigen Bemerkung indess ent- 
gegengesetzt worden, dass die unreinen Ränder an leeren Augenhöhlen oft noch 
leichter den barbßFiSChen Händen, welche den Statuen die eingesetzten Augen 
entrissen, zuzusehreiben sein dürften-
        

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