Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486289
Ueber 
die Polychromie 
der 
Architektur etc. 
griechischen 
313 
bemauen Bndwgykg 1), dessen nähere Beschaffenheit jedoch nicht ange- 
geben wird.  
Ein Paar andre Stellen griechischer Dichter. welche Raoul-Rochette 
als weitere Belege für die Anwendung von Farbe in der Sculptur anführtg), 
beruhen aufßem, vornehmlich in poetischer Redeweise, zweifelhaften 
Gebrauche des Wortes ygäqastv, so dass wir sie hier ausser Acht lassen 
müssen 3). Jedenfalls enthalten diese Stellen keine näheren Angaben über 
die Ausdehnung der etwanigen Bemalung. 
Am Meisten ist eine Stelle des älteren Plinius in Bezug auf den vor- 
liegenden Gegenstand in Betrachtung gezogen worden. Es ist diejenige, in 
welcher er von den Leistungen des athenischen Malers Nicias Nachricht 
gicbt und mit den Worten schliesst: „V0n demselben Nieias sagte Praxi- 
teles, als er gefragt ward, welche von seinen Marmorarbeiten er am meisten 
vorzielie: diejenigen, an welche Nicias Hand angelegt. So viel Werth 
legte er auf seine Bestreichung (Oircumlztzo)! 4)" D19 Erklärung 
dieses letzteren Wortes hat hier besonders mannigfache Auslegungen zu 
Wege gebracht. Indem man voraussetzte, dass die Stelle des Plinius im 
Uebrigen ihre Richtigkeit habe, so schloss man, dass billig unter dem Hand- 
nnlegen eines berühmten Malers etwas Bedeutendes verstanden werden 
müsse. Die einen erklärten das Wort Circumlitio somit als eine Retouchi- 
rung der Thon-Modelle des Praxiteles, was manzugleieh auf eine geist- 
reiche Weise mit den übrigen- Kunstverdiensten des Malers in Verbindung 
brachte 5); die andren einfacher, als Bemalung, wobei denn, da man vom 
Nicias eben mehr als blosse Ornamentirung voraussetzen musste, ein voll- 
ständiges, den Gesetzen der Malerei verwandtes Ueberliehen mit Farbe 
gemeint war 6). Ohne uns auf die weiteren Gründe für die eine oder andre 
Ansieht einzulassen, bemerken wir nur, dass bereits von Sillig nachge- 
wiesen ist, dass die Blüthe der beiden genannten Künstler um fünfzig Jahre 
auseinanderfalle; wesshalb denn Sillig zwei verschiedene Künstler, die 
Nicias geheissen, und vom Plinius für eine und dieselbe Person gehalten 
seien, annimmt 7). Wollen wir jedoch diese Annahme nicht gelten lassen 
und das späteste Alter des Praxiteles mit der frühesten Jugend des Nicias 
in Verbindung bringen, "so müssen wir gleichwohl jedenfalls zugeben, dass 
liiemit der Hauptumstand der obigen Untersuchungen verschwindet: Der 
Nicias, von dem die Circumlitio an den Statuen des Praxitcles herrührte, 
konnte entweder dazumal noch kein berühmter Maler sein,  oder er war 
es überhaupt nicht; seine Arbeit schlug also, möglicher Weise, nicht in 
das Gebiet der höheren Kunst. Indem es sodann amweiteren Zeugnissen 
über ein vollständiges Bemalen der Statuen bei den_Gr1echen mangelt (und 
gerade bei Praxiteles berühmtester Statue fanden wir ein Zeugniss für-das 
Gegentheil), S0 Scheint es am Gerathensten, bei denCzrctnnlztzo auf einen 
andern Gebrauch, dessen Allgemeinheit uns bekannt ist, zu schliessen: auf 
das gnkaugtische Ueberziehen der Statuen mit Wachs, wovon uns Vitruvß) 
1) Epidic. A. V, 11.27.  z) Journal des savans, 1833, 1Min, p. 364; 367. 
 3) Vergl. über dieselben und ähnliche Stellen: Herrmann, de vet. Gmec. pictura 
Pariet. p, 6. VölkePs archäol. Nachlass, S- 94- Illld K. O. Müllefs Nachträga 
ebenda; S_   4) l, XXXV, c. XI.  5) Wmckelmann, Qeschichte der 
Kunst, B_ IX. c. 3. S. 27; und seine HerausgeberznAum. 557.  b] Quatrpmigre- 
de-Quincy 16 Jupit. OL. p. 44 etc. Völkel, archaol. Nachlass, S. 79 1T, Raou]- 
Rochette, Journal des srwmzs, 1833. Juin, 19-363-  7) CCÜQIOWS anific. t. Nicias. 
N s) l. VII, c. IX.
        

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