Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486245
Ueber 
Polychromie der griechischen 
die 
Architektur 
etc. 
309 
aus Cedernholz und war mit Reliefs, zum Theil desselben Stoffes, zum 
Theil von Gold und Elfenbein, geschmücktä 311 einigen Figuren erwähnt 
Pausanias absichtlich der schwarzen Farbe, was beiläufig dahin zu deuten 
scheint, dass im Uebrigen das Elfenbein ungetärbt geblieben war. Eine 
ausgedehntem Anwendung dieser Steile konnte indess erst zu der Zeit Statt 
finden, als durch die Perserkriege den griechischen Staaten grössere Reich- 
fhümer zugeflossen waren. Die._ältes_ten chryselephantinen Statuen, deren 
1131119115131 gedacht wird, sind eine sitzende Venus zu Sicyon von der Hand 
des Canachus, eines Zeitgenossen der Siege über die Perser i); und eine 
Dimm Laphria auf der Burg von Patrae, von lVIenaechmus und Soidas, die 
sich der Zeit nach dem Canachus nahe ansehliessen i). Vier andre Götter- 
bilder derselben Art, deren Pausanias bei der Beschreibung des I-leräum's 
zu Olympia erwähnt, bezeichnet er als „sehr alt  Am zahlreichsten 
finden sich ldiese, in der Regel colossalßll qdelnllelstatuen ZUY Zeit des 
Perikles. Vom Calamis nennt Pausanias einen Aesculap zu Sicyon 4); vor- 
nehmlich aber ist es Phidias, der sich in verschiedenen Werken der Art 
höchsten Ruhm erwarb. Von ihm werden eine Minerva zu Pellene (als 
eins seiner frühsten YVerke), eine Venus Uraiiia zu Elis, eine Minerva auf 
der Burg von Elis (diese Statue jedoch zweifelhaft), die lilinerva im Par- 
thenon zu Athen und der vielgefeierte Jupiter zu Olympia  wer starb, 
ohne ihn gesehen zu haben, war nicht glücklich gewesen 5)  erwähnt 5). 
 Ueber die Ausführung der beiden letztgenannten Statuen haben wir 
einige besondere Angaben, die zur näheren Charakteristik des gßsafnmtgn 
Kunstzweiges von bedeutendem Interesse sind. Einer Aeusserung Plato's 
zufolge waren die Augeiisterne (reiz yäeo: 10511 öqriioclnoiw) der Minerva des 
Parthenoxi nicht von Elfenbein, sondern von Stein, vermuthlich Edelstein i). 
Mit einer solchen Unterscheidung der Augensterne von der übrigen Farbe 
des Gesichtes stimmt auch der bei andren Bildwerken angewandte Gebrauch 
überein. Ein colossales elfenbeinernes Auge, welches unter den Trümmern 
des ltlinervenlfeinpels von Acgina gefunden wurde und wahrscheinlich zu 
der Tcmpelstatue gehörte, zeigte den Augenstern um etwas Weniges ver- 
tieft, so dass er also ursprünglich mit einem andern farbigen Material aus- 
gefüllt war s). Dass das Gesicht im Uebrigen gefärbt war, ist jedoch nicht 
anzunehmen. Einmal spricht die Analogie der Akrolithen dagegen; sodann 
der Umstand, dass das Elfenbein an trockenen Orten durch Wasser, an 
nassen durch Oel frisch erhalten werden musste, was bei einem stärkeren 
Farbenüberzuge ohne Wirkung gewesen wäre und eine leichtere Färbung 
bald beeinträchtigt, haben würde 9). Haare und Bart waren vermuthlich, 
I) Pausan L II, c_ X, 4,  2) Eberidas. LQVII, c. XVIII, 6.  3) l. VI, 
c. XVII, 1.  4) z. 11, c. Jg 3.  5) Arrwm 191mm Epwl- I. 6-  S) Pausan. 
l_ "VII, e. XXVIL 1,. VI, c_ 2; ib. 0. XXVIII. 2," l. I, GXXIIG 5; l_ V, 
C- XI. U. a. m. Vergl. Völkel: Ueber den grossen Tempel und die Statue des 
Jupiter-S zu Olympia; Quatremäre-de-Qulnci: Le Jupiter Olympien; und 
den späteren Aufsatz Vö]ke1's: "Ueber den T. und die St. des Jupiter zu 
Olympia mit Beziehung auf das Werk des Herrn Quatrem. d. Q." [Archäologi- 
Scher Nachlass,  U. A. m.  7) Hippies "wi- P19", C ed- Sl.  s) Wag- 
nefs Bericht über die Aeginetischen Bildwerke, S. 81, und Schellings Anmer- 
kung.  9) Zwar wird gegen die obige Annahme angeführt [VölkeVs Nachlass, 
5- 92], dass Plutarch [Pc1'icl. c. I2], wo er die verschiedenen, durch Perikles 
beschäftigten Künstler nennt, ausdrücklich der Elfenbeinmaler erwähne. Dies 
Zugegeben], so ist damit der Bezug auf die chryselephautme Minerveustatue immer
        

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