Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486211
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Antike 
Polychromie. 
Natürlich wird die Anwendung des farbigen Schmuckes in der Archi- 
tektur, sofern die Bildung der Form im Ganzen als das Eigentliche und 
Wesentliche gelten muss, mannigfachen Moditicationen unterworfen gewesen, 
wird dieselbe besonders da, wo ein weniger edles Material einen Stuck- 
überzug nöthig machte, leicht in grösserer Masse vorgekommen sein. 
Bemerkenswerth ist es aber und als eine besondere Gunst des Schicksals 
anzusehen, dass gerade Attika, wo der edelste Formensinn sich entwickelte, 
auch durch das trcftliche Material des einheimischen pentelischen Marmors 
unterstützt wurde. Ueberdies wissen wir, dass man dasselbe oder ein 
ähnliches kostbares Material auch in ferner gelegenen Gegenden zum Bau 
der Teurpel anwandte. 
Von grösserer Bedeutung für den vorliegenden Umstand scheint jedoch 
die schon angeführte verschiedenartige Entwickelung der griechischen Bau- 
style. So dürften im Peloponnes auf der einen Seite jener schwerere Doris- 
mus, auf der andren jene von uns so genannten pelasgischen Motive (wir 
erinnern an die Farbigkeit der architektonischen Ueberreste von Mycenä) 
auf eine reichlichere Anwendung der Farbe hindeuten.  Noch mehr ohne 
Zweifel war dies in Sicilien der Fall; wir haben der bedeutenden Aus- 
dehnung dieses Gebrauches an den einzelnen, dort erhaltenen Resten bereits 
gedacht.  An den pompejanischen Monumenten deutet die Art und Weise 
ihrer Bemalung schon auf eine direkte Ausartung der Kunst. Denn wenn 
der untere Theil eines Säulenschaftes verschieden von dem oberen gefärbt 
wird, so zerstört dies durchaus den Charakter der Säule, der eben in dem 
einen, ungebrochenen Emporstreben begründet ist. Allerdings hat eine 
solche Verschiedenfarbigkeit hier ihren guten Grund, indem die meisten 
dieser mit Stuck bekleideten Säulen, in den Peristylen der Höfe und den 
Portiken der Märkte, bei dem mannigfachen Verkehr leicht an ihren unteren 
Theilen verletzt werden konnten, also eine möglichst bequeme Wiederher- 
stellung dieser Theile erforderten. Allein diese auf das Privatleben bezüg- 
lichen Umstände finden, so wenig wie der römische Privat-Luxus, 
Anwendung, wo es sich um die Architektin griechischer Tempel handelt.  
An den etruskischen Monumenten endlich mag aus den obigen Gründen 
ebenfalls reichere Bemalung Statt gefunden haben. Kaum jedoch dürften 
hier die meist nur auf ebener Wandfläche gemalten architektonischen Zier- 
den einen Schluss auf das System der Tempel erlauben. Wollen wir die 
blauen Triglyphen jenes Grabes von Corneto gelten lassen, so könnten 
diese füglich (ebenso wie die an sicilischenMonumenten, falls Hittorii"s 
Angaben begründet sind  der Aeusserung.V1truv's über die blaue Farbe 
der Triglyphen zur Seite gestellt werden, wie oben bereits angedeutet wurde. 
SCULPTUR. 
Zeugnisse 
alter 
Schriftsteller. 
Als alterthümliche Merkwürdigkeiten mögen zuerst einige Statuen aus 
schwarzem Stoffe, von denen uns Pausanias eine Kunde hinterlassen 
hat, genannt werden. Er erwähnt einer Artemis Diktynnaea bei Ambryssos, 
die aus schwarzem Stein und im aeginetischen Style gearbeitet war  einer 
xxx VI,
        

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