Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486161
Ueber die 
etc. 
Pglychromie der griechischen Architektur 
301 
System 
der 
Polyehromie. 
Durch die im Vorigen enthaltenen Bemerkungen sind wir nunmehr in_ 
den Stand gesetzt, zu übersehen, wie verschiedenartig sich die griechische 
Architektur nach den verschiedenen Stämmen, Völkersehaften und Zeiten, 
wo dieselbe zur Anwendung kam, ausgebildet hat, und wie die edelste 
Ausbildung an den attischen Gebäuden aus der Zeit des Perikles erscheint. 
Diese Ansicht gewährt uns zugleich die Ueberzeugung, dass bei einer 
Solchen Verschiedenheit der Formen das schon an sich beweglichere Gesetz 
der Farbe einem noch grösseren Wechsel unterworfen gewesen sein müsse. 
Namentlich wird  falls wir die Farbe nicht überhaupt als etwas Gleich- 
gültiges und Zufälliges betrachten  bei den Monumenten des schweren 
Styles jener Ausdruck einer grösseren Kraftanstrengung auch in stärkeren 
Gegensätzen der Farbe hervorgehoben sein; wird da, wo eine unverstän- 
dige, halbbarbarische Zusammenstellung oder wo ein späteres Missverstehen 
und Spielen mit der Form auftritt, auch in der Färbung eine grössere Will- 
kühr Statt finden; wird endlich in den attischen Monumenten auch in dieser 
Beziehung wiederum das reinste Maass vorausgesetzt werden müssen. Mit 
der grössten Vorsicht also und nur in Bezug auf das etwa vorhandene 
nicht mehr mit Sicherheit anzugeben sein dürfte, übergehen wir. Die neben dem 
Bau befindlich gewesene ionische Ordnung führt in mehreren Details, den Basen, 
der schweren Bekrönung des Architravs u. s, w., zu demselben Resultate. Somit 
möchlige (llliesesflliäingängstlioä etgva glleächzliaitigdmit dem POrtilglS des Tempels sein, 
oc au a en er is ie esc a en eit er äusseren .ro läe 
eine vollständige Copie der athenischen enthalten, aber in Viülelll) yDetaäg 35,153: 
ein bedeutendes Missverstehen ihrer Formation verrathen. So ist der Echinus 
der Säulenkapitäle nach einer geschwungenen Linie gebildet, die von dem Abakus 
nur durch einen Einschnitt getrennt wird,  eine Form die sonst nur aus 
Fragmenten römischer Kunst bekannt ist. Am nördlichen fortikus sind sodann 
die Riemchen des Eehinus geradlinig geschnitten, auch werden die Dielenköpfe 
hier voln einer Welle getragen, statt der sonst üblichen Verbreitung des Bandes, 
aus we chein sie vertreten; die Bekrönungen der Antenkapitäle sind roh und 
willkiihrlich, ebenso die Bekrönung des Rinnleistens, welcher bereits die Form 
einer Welle hat. Der obere Pfühl an den attischen Basen der inneren, ionischen 
Säulen ist schwerfällig canellirt u. s. w. Dazu kommt, dass das Tympanurn des 
Giebels, statt mit Statuen, mit einem Medaillen geschmückt ist, welches das 
Brnstbild eines I-Iiercphanten in Relief darstellt,  ein in jeder Beziehung 
ungriechiseher und nur bei den Römern sich tlndender Gebrauch; und dass zgr 
Verbindun der Steine nach Art der Römer, bronzene Klammern angewan t 
Sind, währänd die athenischen Gebäude aus Perikles Zeit nur eiserne Klammern 
enthalten. Dies alles deutet auf eine beträchtlich ferne Zeit von der des Perik- 
les, und die Angabe Cicerds: „er höre dass Appins (A, Pulcher, sein Vorgänger 
im Proconsulat von Oilicien,) zu Eleusis ein Propylaiim bauef" diirfte nicht ohne 
Wahrscheinlichkeit auf dies Gebäude zu beziehen SHlEl. (Olß- EPW- ad_ Atticumi 
l. V1, 1. Die spätere Angabe über wäegslgiäcggtemehmul-lg des Atticus, ib.. 
l. VI 6 enthält keinen bestimmten i  
Ändh an dem kleinen Tempel der Diana Propyläa finden sich verschie- 
dene Abnormitäten, die auf eine spätere Zeit deuten, wenngleich andre Details 
Wiederum äusserst geschmackvoll gearbeitet sind. Die rohe Bekrönung der Anten, 
das geradlinig proülirte, schräg stehende Glied unter den Dielenköpfen, die 
Formation des Rinnleistens, vornehmlich aber, dass letzterer an den Seiten fort- 
geführt und doch der Schmuck der Stirnziegel beibehalten ist, u. a. reimt sich 
nicht mehr mit der Gesetzlichkeit und Strenge, welche aus den ächten Monu- 
menten des perikleischen Zeitalters spricht.
        

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