Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486151
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Polychromie. 
Antike 
dieser Pligenthümlichkeit etwas Bestimmtes über ihre vollständige Wirkung 
schliessen liesse. 
Der Architrav der ionischen Ordnung ist gewöhnlich in drei Bänder 
Sßlheilt, um so seine Last minder drüekend erscheinen zu lassen. Unter 
seinen Deckgliedern findet sich an den athenischen Monumenten eine Platte, 
statt deren an den kleinasiatisehen, wie schon bemerkt, überall die wei- 
chere Hohlleiste erscheint, die keinen so festen Abschluss gegen das voraus- 
gesetzte Bildwerk des Frieses macht. Der Fries der ionischen Ordnung ist 
ganz für den reichsten Reliefschmuck bestimmt, indem auch die Vermit- 
telung zwischen Architrav und Kranzgesims durch die Triglyphen wegfällt. 
Das Kranzgesims wird in den athenischen Gebäuden schlicht durch eine 
Welle und Perlenstab getragen; in den kleinasiatischen Gebäuden sind 
dieser Glieder von bewegter Formation mehr, und es treten zwischen sie 
die Zahnschnitte, die schon den Anschein eines willkührlichen Ornanientes 
haben und durch die Vermehrung dieser verzierenden Theile dem würdiger 
zu schmückenden Friese bedeutenden Eintrag zu thun. 
Die Kapitäle der ionischen Anten sind an den athenisehen Gebäuden 
den reicheren Gesims-Formen der dorischen Ordnung nahe verwandt, indem 
hier eine ähnliche Uebertragung der Kapitälform höchst schwer und lastend 
geworden wäre. Statt jenes überschlagenden Gliedes, dessen Blätter-Orna- 
ment sehr streng gezeichnet ist, erscheint hier vornehmlich die bewegtere 
Form einer Welle mit Herzblättern. 
Fast insgemein sind in der ionischen Ordnung die Glieder von beweg- 
tem Profil mit sculptirten Ornamenten versehen  
l) Indem der Verfasser im Obigen die attischen Gebäude aus dem Zeitalter 
des Perikles als die edelsten Monumente der griechischen Architektur aufgestellt 
hat, sieht er sich, um ein Missverständniss zu vermeiden, noch zu einer beson- 
dern Bemerkung genöthigt. Die eleusinischen Bauten müssen von diesen 
ausgenommen werden. Sie gelten nemlich insgemein, seit die Gesellschaft der 
Dilettanti ihre Reste herausgegeben hat (Alterthümer von Attika, c. II-V), eben- 
falls für Denkmale der Blüthezeit griechischer Kunst. Wenn dies nun auch von 
dem Hauptbau des Ceres-Tempels seine Richtigkeit hat, indem verschiedene 
Nachrichten (wie oben bereits angemerkt) denselben unter die Staatsverwaltung 
des Perikles setzen, so berichtet uns wenigstens Vitruv (l. VII, praef.) von der 
prachtvollen Vorhalle desselben, dass sie erst unter Demetrius Phalereus (um 
318 v. G. G.) hinzugefügt wurde. Hiemit stimmen auch, nach den geringen 
Ueberbleibseln zu urtheilen, die flach und geradlinig gebildeten Riemchen an den 
Kapitälen der Säulen überein. Aber auch die sämmtlichen anderweitigen Vor- 
bauten dieses grossen Heiligthums tragen in der Formation ihrer Details deut- 
lich den Stempel einer späteren Zeit als die des Perikles. Wir betrachten die 
einzelnen Beispiele. 
An den inneren Propyläen besteht die Basis der nach innen vorspringen- 
den Pfeiler aus den unteren Gliedern der attischen Basis, Pfiihl und Kehle, 
darüber ein liegendes Karnies,  eine Verbindung, die eben so weichlich als 
unorganiseh ist. (Eine verwandte Zusammensetzung der Glieder findet sich an 
dem choragischen Monumente des Lysicrates vom J. 334 v. G. G. unter der 
Hängeplatte.) Sodann haben die attischen Basen der äusseren Pilaster und Säu- 
len nicht mehr die straffe Form, wie an den athenischen Gebäuden ionisuher 
Ordnung, sondern die spätere, wo die Kehle beträchtlich zwischen die beiden 
Pfühle zurückgetreten ist und ihnen nicht mehr hinlänglich widerstrebt, Auch 
die üppig gebildeten Ranken, besonders das vielmalige Auseinanderwachsen der 
Kelche an den Pilasterkapitälen, scheint der edelsten Kunstzeit nicht mehr auge- 
messen. Andere Fragmente dieser Propyläen, deren ursprüngliche Bestimmung
        

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