Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486138
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Antike Polychromie. 
nach Art des Echinus, mit einem Plättchen oder Stäbchen gedeckt,  später 
eine Welle; an den weicheren ionischen Gebäuden stets ein Karnies. Der 
Rinnleisten ist stets für eine mehr oder minder reiche Ornamentirnng 
bestimmt; er wird nach den Langseiten zu durch ein freies Ornament, die 
hervorspringenden Löwenköpfe, abgeschlossen 1). Ueber der Spitze und 
den unteren Ecken des Rinnleistens endlich erheben sich, auf besonders 
angeordneten Basen, frei gebildete plastische Bildwerke, Ornamente 
oder Statuen, um so die bedeutsamsten Punkte des oberen Schlusses ent- 
schieden hervorzuheben. Aehnlicher freigebildeter Ornamentschmuck, wozu 
die Stirnziegel das Motiv hergegeben, läuft an den Langseiten des 
Gebäudes über der Hängeplatte, und ebenso auf dem First des Daches, 
hin. Erst später wurde der Rinnleisten sammt einer Fortsetzung jener 
Löwenköpfe umhergeführt; letztere dienten sodann zugleich als Abgüsse 
für das Regenwasser. Die Höhe des Giebels an den attischen Monumenten 
zeigt wiederum ein bewunderungswürdiges Maass zwischen Würde und 
Leichtigkeit.   
Während die gesammte Formation des Aeusseren, als aus dem compli- 
cirten Verhältnisse von Säulenstellung und Gebälk hervorgegangen, man- 
nigfachen Wechsel und Bewegung zeigte, erscheinen die inneren Theilc 
des Peristyls, der Natur der Sache nach, ungleich einfacher gebildet. 
Charakteristisch sind hier besonders die den Säulen gegenüberstehenden 
Anten, die man jedoch nicht als besondere Architekturtheile (als Pfeiler) 
betrachten darf, sondern nur als die Dekoration der Stirnmauern; der 
breitere Seitenvorsprung derselben, der jene Ansieht rechtfertigen könnte, 
wird nur angewandt, wo das Gebälk querüber fortgeführt ist, und dient 
nur zu einer harmonischen Vermittelung zwischen der Mauer und diesem 
Gebälk Das Kapitäl der Anten giebt die Gesetze, welche in der Bildung 
des entsprechenden Säulenkapitäls wirksam waren, mehr als ein heiteres 
Spiel, und moditicirt nach den Verhältnissen eines Wandgesimses, wieder. 
Wir finden eine dünne Platte als Abakus; darunter, statt des Echinus, 
dessen gewaltiges Fmporstreben hier auf keine Weise begründet ist, ein 
überschlagendes, mit Blättern verziertes Glied, welches ein ungemein leich- 
tes und heiteres Tragen andeutet, und unter diesen ein breites, ein wenig 
über den Stamm der Ante vorspringendes Band, welches die Stehe des 
Halses vertritt. Aus diesen Gliedern bestehen insgemein die Antenkajiitäle 
an den sicilischen und pästanischen Monumenten, wo Sie übgl-djes von 
schwerer Formation sind. Bei andren eines nicht so gar schweren Doris- 
mus, wie am Tempel von Aegina, zeigt sich an dem oberen Theil des 
Halses ein etwas vorspringendes Riemchen; bei den attischen zumeist drei. 
als freie Nachahmung der Riemchen am Säulenkapitäl; zugleich bei diesen 
eine zierliche Bekrönung des Abakus durch eine kleine Welle, Noch 
reicher und zierlicher ist das Antenkapitäl am Parthcnon ausgebildet; hier 
findet sich statt jener Riemchen ein Eierstab mit einem Perlenstäbchexi. 
Diese Verdoppelung der tragenden Glieder unter dem Abakus (denn der 
Eierstab ist eine noch unmittelbarere Nachbildung des Echinus) macht jedoch 
keinesweges einen schweren Eindruck, da der ganze Obertheil des Anten- 
kapitäles bis an den Hals nur die Stärkcdes Abakus der Säule erreicht. 
 Am Parthenon waren diesa Löwenköpfe nicht durchbohrt, dienten also 
nicht als Wasserubgüsse, sondern sind nur als Ornament zu lwffilvhfßn. Verglv 
lnwood, thc Erechtheicm of Athen: p. 121.
        

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