Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1486053
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Polychromie. 
ntike 
jedoch in einer namhaft früheren Zeit vor den Sculpturen des äginetischen 
Tempels (welche bekanntlich eine entschiedene Bezugnahme auf die Per- 
serkriege verrathen) gearbeitet sind, dürfte durch diesen Umstand an sich 
nicht zu erweisen sein. 
Aehnliche Motive, in vielen Punkten jedoch mehr gemässigt, zeigen 
auch die übrigen Haupt-Tempel von S el inunt. An dem grossen Pseudo- 
dipteros auf der Nordseite des östlichen Hügels l) ladet der Echinus des 
Kapitals sehr bedeutend, gleichwohl bereits in einer nicht ungetälligen 
Linie aus. Auch hier bildet sich unter den Riemchen desselben eine Art 
Kehle. Aber der Rinnleistcn, welchen Ilittoril" als zu diesem Tempel 
gehörig rnittheilt, zeigt in der Zusammensetzung seiner Glieder den völli- 
gen Mangel eines gesunden Princips.  An den Säulenkapitälen des Tem- 
pels, welcher ebendort auf der Südseite liegt 2], zeigtdie obere Schwingung 
des Echinus eine gewisse Abplattung, welche die sonst nicht unschöne 
Linie desselben wiederum verdirbt. Die Ante hat hier ein ungemein 
schwerfalliges Kopfgesims, indem der Hals derselben, welcher keine wei- 
teren Glieder zeigt, beträchtlich gegen das drüber befindliche Glied vor- 
tritt. Dies ist der Tempel, von welchem Hittorff die reichsten Malereien 
giebt.  Von einer schönen Linie ist der Echinus der Säulen an dem süd- 
lichsten Tempel der Burg 3); aber hier sind wiederum die Riemchen des- 
selben sehr flach gehalten und ohne Verhältniss zu den breiten Einschnitten 
des Halses. 
Verwandte Eigenthümlichkeiten zeigen sich zu Agrigent. An den 
Halbsäulen des grossen Jupiter-Tempels 4) ladet der Echinus zwar nicht 
sehr stark, doch in einer weich gebogenen Linie aus und herrscht beträcht- 
lich über den Abakus vor; auch sind seine Riemchen sehr stumpf protilirt. 
Die Basis, oder vielmehr das an WVänden und Halbsäulen fortlaufende Fuss- 
gesims, ist von ungemein roher Formation, nur aus allerlei vor- und zurück- 
springenden Platten und Bändern zusammengesetzt, deren oberstes durch 
starke Unterkehlung einer Mauerbekrönung gleicht. statt den Träger einer 
grosscn Last darzustellen.  Die sogenannten Tempel der Juno und Gon- 
cordias) haben schönere Linien des Echinus, aber wiederum flache und 
stumpfe Riemchen neben starken Einschnitten des Halses. Die Ante des 
letzteren ist in der oben erwähnten schweren Form. 
Der Echinus an dem Tempel von Egesta") wiederholt jene weiche, 
etwas wulstige Form. "Die Hängeplatten sind hier mit Welle und Riemen 
gekrönt und die des Giebelgesimses von_ein_em geradlinig schrägen Gliede 
getragen, welches beides schon als Motiv einer späteren Zeit zu betrach- 
ten sein dürfte. 
Ungleich deutlicher erscheint letzteres bei dem Minerven-Tempel auf 
der Ortygia zu Syracusl), dessen Gesammtverhältnisse gleichwohl zu den 
gedrungensten und niedrigsten der dorischen Ordnung gehören. Hier sind 
es,  der rechtwinklig proiilirten Riemchen am Echinus des äusseren Peri- 
styls, der Plinthen, darauf dessen Säulen stehen, nicht zu gedenken,  
zunächst die Säulen im Pronaos, die entschieden spätere Motive zeigen. 
Das Kapital derselben hat statt der Rieinchen nur einen Rundstab und 
i] A. 8.. O. pl. XLII--XLIX.  2) A. a. O, pl. XXX-XLI.  a] A. a. 
Pl- VH-HYV-  4) Cockerel], im Suppl. zu den Alterthümeru von Athen. 
I.  5) Wilkins, Magna Graecia c. III, pl. II-XIII.  G) Hittorif et Z. 
ß- Ü. pl. II-VI.  7) Wilkins, a. a. O. c. II.
        

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