Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485995
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Antike Polychromie. 
den, wahrscheinlich durch glänzende Vergoldung abgehoben waren. Eine 
Untersuchung, welche in Folge dieser Entdeckung durch eine Gesellschaft 
von neun Architekten vorgenommen wurde, hat dieselbe bestätigt 1). 
Noch ist endlich einiger etruskisehen Gräber zu gedenken, deren 
Inneres (wie in den zu Bomarzo, Canosa, Corneto gefundenen) häufig mit 
gemalten architektonischen Zierden versehen war 2). Merkmürdig ist nament- 
lich das jüngst aufgedeckte Grab zu Corneto, dessen Decke von einem vier- 
eckigen und mit Tritonen bemalten Pfeiler getragen wird. Unter diesen 
Tritonen ist ein doriseher Fries gemalt: blaue Triglyphen, an welchen (ohne 
vermittelndes Band) unmittelbar die Tropfen hängen; die Schlitze weiss 
und roth getheilt, um die sonst vorhandene plastische Wirkung nachzu- 
ahmen; die Metopen nach oben und unten von einem rothen Bande ein- 
gefasst und mit, ebenfalls gemalten, Rosetten geschmückt. Der Gesammtfries 
des Grabes ist roth mit weissen Rosetten, darüber eine blaue Wellenver- 
zierung und unterhalb weisse Zahnsehnitte mit schwarzen Zwisehräumen; 
alles dies ebenso nur gemalt.  Auch gehören hieher die zu Velletri 
gefundenen Terracotten, welche zur Bekrönung eines Gebäudes dienten: 
blaue Friese mit bunten Reliefs und mit einem eigenthümlichen Rinnleisten 
von gelblieher und röthlicher Farbe 3). 
Die 
Formen 
der 
Architektur. 
Während wir bei den attischen Prachtbauten der blühendsten Kunst- 
periode keine unwiderleglichen Beweise vorfanden, dass hier eine Poly- 
chromie in der vorausgesetzten weiteren Ausdehnung angewandt worden 
sei, so können wir in der That nicht umhin, die Reste einer solchen in 
Sicilien 4) und Italien, auf gewisse Weise vielleicht auch im Peloponnes, 
anzuerkennen. Dürfen wir nun von diesen Gegenden auf Attika zurück- 
schliessen und hier etwa nur eine geringere Erhaltung des farbigen Schmuckes 
annehmen?  9 
Eine genauere Betrachtung der Formenbildung an den Monumenten der 
verschiedenen Länder, in welchen griechische Kunst heimisch geworden 
ist, wird uns jedoch im Gegentheil lehren, dass die Kunst sich, je nach 
diesen verschiedenen Gegenden, verschieden modilicirt hat, dass wir in 
einer jeden ein besonderes Princip vorherrschend sehen, und dass wir kei- 
neswegs befugt sind, von der einen auf die andre, am Wenigsten von der 
minder begabten auf diejenige zu schliessen, in welcher die Kunst sich am 
Edelsten entfaltet hat. Wir sind hier genöthigt, ein Gebiet zu betreten, 
auf welchem noch wenig vorgearbeitet ist; man möge somit die folgende, 
zur Aufhellung dieses Punktes nothwendige Abschweifung entschuldigen. 
Pelasgische, 
ionische 
und 
orientalische Monumente. 
Von der Weise, wie die pelasgische Vorzeit GriechenlamPs ihre Archi- 
tekturformen gebildet, ist uns leider sehr wenig bekannt. Jedoch giebt 
uns jenes schon erwähnte Säulenfragment, welches zu Mycenae vor dem 
 Semper, Vorläuüge Bemerkungen etc, S. 37. Vergl. Museum, Blätter für 
bildende Kunst, 1833, N0_ 38.  2) ßloaxumenti inediti, pubblicati dall' Insti- 
mm di corrispondenza urcheologica V. 1, TqXLII; T; XLIII; V- II, T- III, 
IV.  Inghirami: Monummti etrusclwi, S. V1, tv. T- X, 4-  a) Nßllßrß 
Reisende haben uns eine weitere Bestätigung dieser Erscheinung gegeben.
        

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