Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485986
Ueber 
Polychromie 
die 
Architektur etc. 
der griechischen 
283 
Metapont. Hier sind unter den Ruinen, welche gegenwärtig den 
Namen der Chiesa di Sansone führen, verschiedene Terracotta-Fragmente 
mit eingebrannten Farben gefunden worden. Die einen gehören einem 
Rinnleisten, die andern vermuthlich einer Bekleidung des inneren Gebälkes 
an. Der Rinnleisten ist von eigenthümlicher, aber schöner Form, eine ste- 
hende Welle mit einem Riemen gekrönt; letzterer mit einem Mäander, die 
Welle zuoberst mit Blättern (wie sonst an den überschlagenden Gliedern) 
darunter mit schönen Palmetten bemalt. Das Gebälkstück ist mit einem 
reichen Mäander geschmückt, über dem sich ein Perlen- und Eierstab, 
unterhalb eine Blätterverzierung hinzieht; auf der Unteransicht desselben 
ein reich verschlungenes Band, mit Stäben eingefasst. Alle diese Ver- 
zierungen sind mit rothen und schwarzen Farben (letztere von verschie- 
dener 'i'iefe), zuweilen auch mit gelben gemalt; der Grund ist ein gelbliches 
Weiss. Es liegt in dieser Zusammenstellung der Farben ein eigenthüm- 
licher, fast trüber Ernst, dem es gleichwohl nicht an Harmonie im Ein- 
zelnen fehlt. Auch an den Löwenköpfen, welche man vorgefunden, und 
die ohne Zweifel zum Rinnleisten gehörten, waren die Mähnen gelb, die 
Mäuler und Augenränder roth und die Augensterne mit einer dunklen 
Farbe bemalt 1).  
Zu Pästum haben sich, in der Basilika (dem sogenannten Doppel- 
tempel), an den merkwürdigen Kapitälen der viereckigen Pfeiler, Spuren 
einer Blätterbemalung vorgefunden 2).  Geringe Farbenreste hat Hr. Mauch 
ebendort auch an dem kleinen Tempel entdeckt 3). 
Die Ruinen von Pompeji zeigen dagegen sehr zahlreiche Beispiele 
einer ausgedehnten Anwendung von Farbe in der Architektur. Nicht nur 
die Wände hinter den Peristylen, sondern auch die Säulen erscheinen hier 
häufig bemalt; und zwar die letzteren in der eigenthümlichen Weise, dass 
das untere Drittel (welches häufig uncanellirt ist) in dunklerer Farbe, in 
der Regel blau, der obere Theil heller, roth oder gelb, gehalten ist. Dahin 
gehQren die grossen Portiken am ItIaupt-Forum und am Forum Nundinarium, 
der Peristyl des Venus-Tempels westlich vom Forum, die Säulenstellun- 
gen in den Höfen vieler Privatwohnungen, namentlich im Hause der Vestalen, 
des Aktäon, des Pansa, der Dioskuren, des tragischen Poeten, u. s. w. 
Ebenso zeigen die Details der Kapitäle und des Gebälks vielfache Spuren 
von Bemalung 4). Auch jener phantastischen Architekturen, welche man 
in pompejanischen Wandmalereien dargestellt findet, ist hier zu gedenken: 
die im Vordergrunde dargestellten sind gewöhnlich gelb (zuweilen mit 
dunkelfarbigen Säulen); der Fries aber insgemein durch eine besondere Farbe, 
blau oder roth, ausgezeichnet und mit gelben Ornamenten geschmückt 5). 
Auch in Rom findet man an den antiken Gebäuden verschiedene 
Ueberreste von Farbe. Namentlich hat Hr. Semper das Verdienst, auf 
dem Grunde der Trajanssäule einen blauen Farbenüberzng entdeckt zu 
haben, auf welchem die Reliefs, die sich zum Gipfel der Säule emporwin- 
1) Jtlämponte, par le Duo de Luynes et  J. Debacq, architecte, pl. VII, 
VIII. Die Hittnrffsche Darstellung des Rinnlenstens, a. a. O., verdirbt dessen 
ßigenthümlichen Eindruck ganz.  2] V. Stßkvlbßrg, dvr Apollo-Tempel zu Bas- 
sae, S_ 39,  3) Fortsetzung der vergl. Darst. der architekt. Ordnungen von 
Nürmand, S. 2.   Mazois, Antiquitäa de Puvnpäi. Pompejana by Gell und 
Gandy 1517_19; by Geil, 1832. U. a. m.  5) Vergl. insbesondre: Zahn, die 
schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde aus Pompeji, Herkulanum 
und Stabiae, a. II). Q.
        

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