Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485971
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Antike Polychromie. 
über die sicilischen Architekturen giebt Hittorff eine farbige Restauration 
von dem Gebälke dieses Gebäudes. Hier erscheint dasselbe in seinen 
Hauptmassen gelb gehalten; einige Glieder unter der Hängeplatte bräunlich- 
roth; die Dielenköpfe und die Riemen mit den Tropfen (unter den Tri- 
glyphen) blau; die Metopen bräunlich mit einer Verzierung von gelben und 
blauen Blumen; der Architrav mit Blätterwindungen von grünen, blauen 
und rothen Farben auf dem gelben Grunde 1). Diese Restauration ist eini- 
gen farbigen Terracotta-Fragmenten, die zu Acrae in Sicilien gefunden 
sind, nachgebildet 2). 
Der Peripteros auf der Burg von Selinunt, nördlich von 
dem ebengenannten Tempelchen, zeigt in dem Grunde einiger 
Metopen (an deren Reliefs sich ebenfalls Farbenspuren vorgefunden) einen 
rothen Gründ und auf dem darüber hinlaufenden Bande einen Mäander, 
gleichfalls von rother Farbe 3). 
Von dem grossen Pseudodipteros auf der Nordseite des 
östlichen Hügels von Selinunt theilt Hittorif einen höchst seltsam 
gestalteten Rinnleisten mit: ein breites Band mit reicher plastisch vorra- 
gender Palmettenverzierung; als Bekrönung ein überschlagendes Glied mit 
Blättern; drüber ein schmalercs Band. mit einem Mäander (ebenfalls plastisch) 
und als oberste Bekrönung wiederum ein Blätterglied: alles dies in seiner 
Restauration aufs Bunteste mit verschiedenen Farben bemalt 4). 
Der Peripteros auf der Südseite desselben Hügels. An 
diesem Tempel sind die bedeutendsten Farbenspuren erhalten. Das Gebälk 
im Aeusseren wird folgender Weise vorgestellt: Die Hängeplatte gelb; das 
krönende Blätterglied über derselben bunt (grün und roth mit vreissen Rän- 
dern); der Streif unter der Platte roth; die Dielenköpfe mit den Tropfen, 
sowie dieJTriglyphen, blau; die Metopen roth, und der Mäander auf dem 
Bande über den Metopen gelb auf rothem Grunde. Der bunte Rinnleisten 
über dem Kranzgesimse ist nach einem zu Metapont in Grossgriechenland 
gefundenen eopirt, jedoch nicht auf genaue Weise.- Der Fries im Inneren 
des Peristyls enthält ein breites gelbliches Band mit buntem Palmetten- 
Ornament (gelb, blau und roth); darüber eine Blattbekrönung, grün und 
roth. Die Balken der Decke sind röthlich; die Deckplatten ebenso, mit 
rothen Bändern; die Eierstäbe der Cassetten gelb, blau und roth; der 
Grund der letzteren blau mit gelben Sternen 5). 
Italische 
Monumente. 
Ueber Grossgriechenland fehlt es ulis hier fast gänzlich an Nach- 
richten; wir wissen bis jetzt nur einiges Wenige über Metapont und Pästum. 
1') llrchitecture antique de lq Sicile. pur Hfttorß" et Zanth, pl. XVII.  
2 Afnnah 12150.]? a O. p. 270.hE1n grklärenger Text Izu dem genannten grossen 
up erwer e ittorßs ist noc niu t ersc ienen. oh weigg nicht ob ging 
Aeusserung Semper's uns ermächtigt, die Aechtheit der obigen Hitiforifschen 
liestauratlon zu bezweifeln; "Es giebt." sagt S1, "antike Terrakolten in Sicilien, 
die äntlwfeder täeu nach eänem äondHerrn lälliä0ffftfeätallflftßlllaTBIILPBl 
zu e lIlllS opirt wor an o er ieser nacx 1 nenf Vorläufige einer 1m- 
gen. S. 35,Anm.)  1') Archxitejcture ant. de la Simpl. XXIV, XXV.  4) Eben- 
das. pl. XLVII. Eine Oopie davon in Mauclfs Fortsetzung der verßlßißhßlldßn 
Darstellung der architektonischen Ordnungen von Normand; Titelblatt, 11g. 3.  
3 Arch. ant. de la Sie. pl. XL. Gopie des äusseren Gebälks bei Mauph a. a. 
 11g. 1.
        

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