Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1485959
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Antike 
Polychromie. 
Monumente 
des 
Peloponnes. 
Der Apollo-Tempel zu Bassae in Arkadien soll, nach v. Sta- 
kelbergi), im lnnern Spuren von Farbe zeigen. Namentlich erwähnt der- 
selbe jedoch nur des Kapitals der korinthischen Säule, wo der glatte Grund 
der Kelchform, zwischen den grossen Blättern und den Blumen, "durch eine 
doppelte Reihe gemalter, Schwertlilien-ähnlicher Blätter gefüllt gewesen 
sei; der Abakus sei durch einen gemalten Mäander geschmückt gewesen. 
Ueberbleibsel von Farbe bemerke man jedoch nicht mehr: „durch Ein- 
dringen einer fressenden Beize scheinen die Verzierungen in die glatte 
Oberfläche des Marmors eingeätzt gewesen zu sein, so dass eine Rauhheit 
und Vertiefung zurückblieb, die sie noch _vom Grunde unterschied" 2). 
Diese Angabe ist auffallend; insgemein findet man. wie wir vorhin bemerk- 
ten, dass die aufgetragene enkaustische Farbe den Stein umgekehrt noch 
mehr gehärtet habe. Sollten jene Vertiefungen hier wielleicht, statt der 
Farbe, wiederum an aufgelegte, etwa metallische Zierden erinnern? Leider 
versagt der Untergang dieses höchst merkwürdigen Kapitals auch in diesem 
Bezuge neue Untersuchungen.  
Von dem dorischen "Tempelruin zu Korinth, dessen Säulen 
mit Stuck überzogen waren 3), berichtet allein v. Stakelberg, dass dieser 
Stuck eine Granit-Nachahmung darstelle f). Dies erscheint bei dem wahr- 
haften Charakter der griechischen Kunst auffallend; erst bei den Römern 
(wir erinnern an die aus Plinius und Seneca angeführten Stellen) kam 
jenes Aifeetiren mit kostbar scheinenden Stoffen auf. Vielleicht ist jedoch 
 falls jene Angabe überhaupt ihre Richtigkeit hat  nur an eine roth- 
braune Färbung der Säulen, ohne weitere Nachahmung eines besonderen 
Materials, zu denken; vielleicht auch gehört dieser Ruin gar nicht in ein 
so hohes Altcrthum, als man ihm gewöhnlich auf's Gerathewohl zutheilt. 
Auf letzteren Punkt werden wir später zurück kommen. 
Der Tempel der Min erva auf Aegina, welcher aus einem gelb- 
lichen Kalkstcine bestand, hatte ebenfalls einen feinen Stucküberztigs); nur 
das Hauptgesims und das Dach waren von Marmor. Die übersehlagenden 
Glieder am Hauptgesimse und an der Giebelbekrönung waren mit Blättern 
bemalt, abwechselnd grün und gelb [oder blau und roth, mit weissen 
Rändern  der Rinnleisteu mit einem Palmetten-Ornament 7), die Stirn- 
ziegel mit einer Blume [roth, gelb und ein grünlicher Anstrich  das 
Band des Architravs roth, die Riemen und Tropfen blau. Das Tympanum 
des Giebels, vor welchem die, ebenfalls mit Farbenspuren versehenen Sta- 
tuen standen, war lichtblau. Die Cella war, nach einzelnen Bruchstücken 
zu schliessen, aussen und innen roth gefärbt 9).  
Am Schlusse dieser Betrachtung der Monumente des griechischen Mut- 
terlandes möge noch eine Notiz in Erwägung gezogen werden, auf welche 
1) Der Apollo-Tempel zu Bassae, S. 33.  2) Der Apollo-Tempel zu Bassae, 
S. 42.  3) S. u. a. Dodwell, tour etc. V. 11, p. 192,  4) A, a. O. S. 24, 
Anm. 33.  5) Dodwell, tour etc. V. I, p. 568.  G) v. Stakelberg, a. a. O. 
S. 34. Die Weise, wie hier von Verschiedenen verschieden gesehen wurde. Sieht 
wiederum ein Beispiel, wie behutsam man in der Benutzung solcher Nachrichten 
über die Anwendung besonderer Farben sein muss.  7) Cockßfßlli im Ute 
Aegina Marbles, im Journal of science und the arts, V01. VI, ATÄ XV, Pl- 1. 
 8) Bröndsted, Reisen und Untersuchungen in Griechenland, II- S- 1461 Anm 5- 
 9) Wagners Bericht über die Aeginetischen Bildwerke, S. 217 f-
        

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